Bernd Rosenbichler / Elektromobilität

Mai 2017

Herr Rosenbichler, die Bundesregierung hat als Ziel ausgegeben, dass bis zum Jahr 2020 mehr als eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sein sollen. Was halten Sie davon? Wie sehen Sie die Aussichten?

Die grundsätzliche Zielsetzung halte ich für sinnvoll und richtig. Allerdings bleibt zur Erreichung dieses Ziels noch manches zu tun, zum Beispiel ein zügiger Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Elektrofahrzeuge haben hierzulande derzeit noch einen geringen Marktanteil. Was können Automobilhersteller aus Ihrer Sicht tun, um die Begeisterung für Elektromobilität voranzutreiben?

Aus meiner Sicht ist es notwendig, Elektromobilität noch begehrlicher und alltagstauglicher zu machen und gleichzeitig Hürden abzubauen, die heute einen größeren Absatzerfolg von Elektroautos verhindern. Ein großer Hebel sind die Kosten für den Batteriespeicher, der heute noch teuer ist. Dadurch entsteht ein direkter Zielkonflikt zwischen dem Preis eines Elektrofahrzeugs und dessen Reichweite. Wir sehen aber signifikante Fortschritte: In den nächsten Jahren werden bei stabilen Preisen immer weiter vergrößerte Reichweiten zur Verfügung stehen. Ein weiteres Thema ist die schon erwähnte Ladeinfrastruktur. Auch wenn hier noch einiges zu tun ist: Die Lage verbessert sich durch einen stetigen Ausbau, so zum Beispiel durch unseren „ChargeNow“-Service – dem weltweit größten Zusammenschluss von Ladepunkten. Auch hier werden sich also Hürden gegen Elektromobilität sukzessive reduzieren. Wenn ich aber auf Ihre Frage zurückkomme, wie wir nicht nur Hemmnisse beseitigen, sondern Begeisterung erzeugen können, dann halte ich es für entscheidend, dass wir die gängigen Vorurteile gegenüber Elektroautos abbauen: Heute wird mit diesem Antrieb oft ein umweltfreundlicher, vernünftiger, aber auch recht freudloser Charakter assoziiert – das sind keine Attribute, die per se Emotionen wecken. Wer einmal eines unserer BMW i Modelle gefahren ist, spürt sofort die BMW typische Freude am Fahren. Der Antrieb zum Beispiel unseres i3 ist unglaublich dynamisch und bietet ein faszinierendes Fahrerlebnis. An der Ampel lassen Sie damit die meisten anderen Autos stehen. Viele Elektroautos liefern die Begeisterung also bereits heute, man muss sie nur im wahrsten Sinne des Wortes erfahren.

Angenommen eine umweltbewusste Mutter mit zwei Kindern aus Ihrer Nachbarschaft benötigt ein neues „Familientaxi“ und fragt Sie um Rat. Würden Sie ihr ein Elektroauto empfehlen? Wenn ja, welches Modell wäre aus Ihrer Sicht am besten geeignet?

Das käme ganz klar auf ihre Anforderungen an ein Auto an. Wenn meine Nachbarin hauptsächlich in der Stadt unterwegs ist und eine einfache Möglichkeit hat, den Akku zu laden, zum Beispiel in der eigenen Garage, würde ich ihr selbstverständlich auch ein Elektroauto empfehlen. Es wird Sie dabei nicht überraschen, dass ich zuerst an einen BMW denke… Der BMW i3 bietet alles, was einen BMW ausmacht, ausreichend Raum für eine kleine Familie, ist vollelektrisch und darüber hinaus in seinem Gesamtkonzept, von der Produktion über die verwendeten Materialien bis zum Recyclingprozess, beispielhaft nachhaltig. Falls meine Nachbarin aber regelmäßig auch längere Strecken fährt und eine größere Gesamtreichweite benötigt, käme eines unserer BMW iPerformance-Modelle mit eDrive eher in Frage. Dabei handelt es sich um Plugin-Hybride. Zum Beispiel mit dem BMW 225xe iPerformance Active Tourer oder dem BMW 330e iPerformance bekommt meine Nachbarin ein Fahrzeug, das Strecken bis zu 40 Kilometern rein elektrisch bewältigt, darüber hinaus aber auch einen in jeder Hinsicht anspruchsvollen konventionellen Antrieb mitbringt. Im Ergebnis verbinden diese Fahrzeuge das faszinierende elektrische Fahrerlebnis und Dynamik mit sehr attraktiven Verbrauchswerten, und das zu einem Preis, der den Vergleich zu konventionellen Fahrzeugen mit ähnlicher kW-Zahl nicht zu scheuen braucht.

Welche Zukunft prophezeien Sie dem Elektroauto auf lange Sicht? Wird es den Benzin- und Dieselantrieb in der Zukunft ablösen?

Wir werden für sehr lange Zeit noch Verbrenner und E-Antriebe parallel sehen. Für 2025 sehen wir bei BMW einen Anteil von 15-25% elektrifizierter Fahrzeuge am Gesamtabsatz. Aber eines Tages werden wir mutmaßlich deutlich mehr elektrifizierte Fahrzeuge auf den Straßen sehen. Diesen Wandel gestalten wir ja mit unserer Marke BMW i maßgeblich mit. Bereits heute sind wir in Deutschland der erfolgreichste Anbieter von elektrischen und elektrifizierten Fahrzeugen.

Verraten Sie uns noch, ob Sie selbst schon im Elektroauto unterwegs waren?  Oder erzählen Sie uns einfach etwas über Ihre eigenen Erfahrungen und Eindrücke zum Thema Elektroautos?

Meine Aufgaben bei BMW machen es zu meiner angenehmen Pflicht, unsere eigenen Produkte wie auch die unserer Wettbewerber zu kennen. Ich habe daher bereits viele verschiedene Fahrzeuge mit Elektromotor erleben dürfen. Meine Erfahrungen und Eindrücke habe ich bereits angedeutet: Die sehr durchzugsstarken, fast lautlosen Antriebe bieten einen ganz besonderen Fahrspaß, der mich absolut begeistert, obwohl man mir sicher mit Recht einen hohen Benzinanteil im Blut nachsagt.

Vielen Dank für das Gespräch!