Manfred Carsten/ Modekauf online

Oktober 2017

Herr Carsten, Oliver Samwer von Rocket Internet hat 2013 die These aufgestellt, dass 80% der Offline-Händler (auf Dauer) nicht überleben werden. (etailment). Wie ist Ihre Meinung dazu?

Ich möchte das differenziert beantworten. Branchenspezifika spielen ebenso eine Rolle wie die sich ändernden Marktbedingungen und der individuelle Umgang von Unternehmen mit dem digitalen Wandel. Mode beispielsweise ist ein Segment, in dem Emotionen eine entscheidende Rolle spielen. Das hautnahe Erleben der Ware, das Fühlen und Begreifen von Stoffen wird immer ein Faktor sein, der Kunden in stationäre Geschäfte lockt. Offline-Händler müssen diese Vorteile geschickt für sich nutzen. Sicher ist aber: Die die wachsende Online-Konkurrenz wird weitere Marktanteile für sich gewinnen, weil das Online-Shoppingerlebnis zunehmend an Qualität gewinnt. Hier werden diejenigen Händler die Nase vorn haben, die das beste Omnichannel-Erlebnis bieten.

Online-Käufer im deutschen Modemarkt sind offenbar nicht vorwiegend in der jüngeren Generation zu finden. Mittlere und ältere Menschen nutzen das Netz ebenso, um sich ihre Mode-Wünsche zu erfüllen. Der Frauenanteil ist dabei größer als der Anteil der Männer. Wie sind Ihre Erfahrungen in Bezug auf die Soziodemografie Ihrer Online-Kunden? Und verhalten sie sich unterschiedlich?

Als Hersteller von Damenoberbekleidung richtet sich die Betty Barclay Group ausschließlich an das weibliche Kundenklientel. Unser breitgefächertes Markenportfolio deckt dabei das gesamte Altersspektrum und nahezu jeden Bekleidungsanlass ab. Interessant ist hierbei, dass auch die reifere Kundin immer häufiger zum Smartphone greift und somit die Mobile-Nutzung nicht mehr allein der jungen Zielgruppe vorbehalten ist. Das bedeutet für uns, dass wir in jeder Hinsicht den Fokus auf ein reibungsloses Einkaufserlebnis über Gerätegrenzen hinweg gewährleisten müssen.

Welche Unterschiede gibt es nach Ihrer Erfahrung zwischen verschiedenen europäischen Ländern? Oder gibt es im Online-Markt bereits ein einheitliches Europa?

Unsere Erfahrung aus 5 Ländern, die wir mit unserem Onlineshop bedienen, zeigt durchaus ein länderspezifisches Kaufverhalten. Als Beispiel möchte ich die französische Kundin nennen, die ein deutlich abweichendes Retourenverhalten aufweist. Sie retourniert deutlich weniger, was nicht zuletzt an der in Frankreich bevorzugten Zahlungsart der Vorkasse liegen dürfte.

Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Erfolgs-Faktoren für einen gelungenen Internetauftritt im Modemarkt?

Das Produkt muss mehr denn je im Vordergrund stehen. Die Nachteile gegenüber dem stationären Handel – das fehlende haptische Erlebnis zum Beispiel – müssen durch exzellente Produktfotografie ausgeglichen werden. Es gilt den Blick des Kunden auf die Besonderheiten und Details des Kleidungsstücks zu lenken. Darüber hinaus besteht ein wesentlicher Erfolgsfaktor in der emotionalen und zielgruppenspezifischen Ansprache unserer Kunden, um auch hier Spontankäufe auszulösen und den Kunden nachhaltig an den Shop zu binden.

Aber auch die technische Seite muss fokussiert werden: Ein guter Onlineshop muss schnell und sicher sein, um den steigenden Erwartungen der Kunden gerecht zu werden.

In den Medien wird unter dem Schlagwort ‚Shopping Bulimie‘ seit einiger Zeit ein Phänomen thematisiert, bei dem Menschen in großen Mengen im Internet bestellen und die Ware dann gleich wieder zurückschicken. Haben Sie selbst Erfahrungen mit solchen Kunden gemacht? Wenn ja, können Sie uns etwas darüber erzählen? Wenn nicht, was halten Sie von diesem Phänomen?

Wir schätzen uns glücklich, einen besonders treuen Kreis von Kundinnen in unserem Onlineshop willkommen heißen zu dürfen, so dass uns dieses Phänomen in der Praxis gänzlich unbekannt ist.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Verraten Sie uns, welche Kleidungsstücke Sie selbst lieber online und welche Sie bevorzugt im stationären Handel einkaufen?

Oberhemden sind eine typische Warengruppe, die ich gerne im stationären Handel kaufe. Ich schätze dabei die kompetente Beratung vor Ort sehr.

Vielen Dank für das Gespräch!