Abschied von der Glühbirne

Juli 2012

Um die EU-Glühbirnenverordnung zu umgehen, haben sich zwei Ingenieure aus Düren etwas einfallen lassen: Sie importierten kurzerhand Leuchtkörper aus China, um sie hierzulande als „Heatballs“ zu vertreiben, obwohl der Verkauf eigentlich verboten ist. Ihr Argument: Glühbirnen geben einen Großteil ihrer Energie nicht als Licht, sondern als Wärme ab und seien daher gar kein Leucht-, sondern ein Mini-Heizmittel. Ihre satirisch gemeinte Aktion wurde nun vom Verwaltungsgericht Aachen gestoppt. Die Deutschen haben sich indessen mehrheitlich mit dem sukzessiven Glühbirnenverbot arrangiert. Nachdem seit September 2011 nur noch Birnen mit weniger als 60 Watt verkauft werden, greifen die meisten zu umweltfreundlicheren Alternativen. Restbestände leuchten aber weiterhin in den Haushalten.

So haben 42 Prozent der Verbraucher noch alte Glühbirnen mit 60 oder mehr Watt im Haus, die sie künftig verwenden wollen und auch dürfen. Um seine Vorräte nicht so schnell zu verringern, kauft fast jeder Fünfte zudem noch Restbestände auf. Das zeigen Zahlen aus der Untersuchung „GfK Global Green Index“ des GfK-Bereichs Energie zusammen mit dem GfK Verein vom März 2012.

Wenn die Deutschen künftig Lampen mit einer Leistung von 60 Watt und mehr brauchen, werden sie mehrheitlich aber zur neuen Energiesparlampe greifen: 63 Prozent sind dazu entschlossen. Knapp ein Viertel will dagegen die alternative Halogenlampe nutzen. Dieser vergleichsweise geringe Wert könnte damit zusammenhängen, dass diese Technologie den Verbrauchern mehrheitlich noch nicht als leuchtende Alternative bekannt ist. Insgesamt aber zeigen sich die Deutschen gut informiert über das schrittweise Aus der herkömmlichen Glühbirne – lediglich vier Prozent sagen, sie hätten von den neuen Regelungen noch gar nichts mitbekommen.

Ältere Verbraucher betreiben Vorratshaltung

Mit Blick auf Alter und Herkunft zeigen sich Unterschiede: Während sich in der Gruppe der 35- bis 49-Jährigen überdurchschnittlich viele (66 Prozent) für die neue Energiesparlampe interessieren, will nur gut die Hälfte der über 65-Jährigen zu dieser Lichtquelle greifen. Diese Altersgruppe setzt dagegen auf Vorräte: So haben 55 Prozent noch Restbestände an alten Glühlampen im Haus. Fast jeder Fünfte möchte diese zudem noch aufstocken und besucht Geschäfte, die noch Lampen mit 60 oder mehr Watt verkaufen. Auch Halogenlampen sind bei jüngeren Konsumenten beliebter als bei älteren: Ein Viertel der Jüngeren will mit dieser Technologie dafür sorgen, dass zu Hause das Licht nicht ausgeht. Bei den Älteren steht die Halogenlampe dagegen nur bei 16 Prozent auf der Einkaufsliste. Dazu passt auch, dass die tendenziell jüngeren Konsumenten aus Westdeutschland Halogenlampen eher bevorzugen als Käufer Osten. Während 23 Prozent der Westdeutschen die herkömmliche Glühbirne durch die neuen Leuchtmittel ersetzen, sind es bei den Ostdeutschen nur 18 Prozent. Letztere behelfen sich weiterhin eher mit Restbeständen, die sie so lange wie möglich aufkaufen.

Motivation: Umwelt vs. Kostenersparnis

Doch wie versüßen sich die Deutschen die Umstellung auf energiesparende Produkte? Obwohl die Glühlampe aus Gründen mangelnder Energieeffizienz zum Auslaufmodell erklärt wurde, stehen Umweltaspekte für die Verbraucher weniger im Vordergrund. Der Gedanke, die Umwelt zu schonen, motiviert insgesamt 44 Prozent der Verbraucher zum Kauf energiesparender Produkte. An den eigenen Geldbeutel denken dagegen in Zeiten steigender Energiepreise insgesamt 53 Prozent. Frauen legen dabei das größere Umweltbewusstsein an den Tag: Während fast die Hälfte der Konsumentinnen aus ökologischen Gründen zur Energiesparlampe greift, tun dies nur 39 Prozent der Männer. Und auch das Alter macht hier den Unterschied: Je älter die Verbraucher, desto eher verdrängen ökologische Aspekte den Gedanken an die Haushaltskasse. So kaufen nur 38 Prozent der jungen Verbraucher bis 34 Jahre aus ökologischer Überzeugung Energiesparprodukte. Bei den Verbrauchern ab 65 Jahre steigt die Zahl auf 50 Prozent.

Sparsame Verbraucher: Erst aufbrauchen, dann wechseln

Noch warten unzählige klassische Glühlampen in deutschen Haushalten auf ihren Einsatz. Zudem ist der Nachschub (vorerst noch) gesichert. So bietet beispielsweise der Online-Händler Amazon weiterhin Restbestände an Glühlampen mit hohen Wattzahlen zum Verkauf an. Hier zuzuschlagen kommt aber nicht für alle Verbraucher in Frage. Vor allem die umweltbewussten Konsumenten wollen das Ende der alten Leuchtmittel und greifen öfter zur neuen Energiesparlampe als es sparsame Verbraucher tun (64 vs. 60 Prozent). Wer stärker auf die Finanzen achtet, will dagegen alte Bestände erst einmal abbauen: 44 Prozent der „Sparsamen“ haben noch konventionelle Glühbirnen ab 60 Watt im Haus. Bei den „Umweltbewussten“ sind es nur 38 Prozent.

Egal, ob sich Verbraucher künftig aus Umwelt- oder Finanzgründen für Energiesparlampe und Co. entscheiden – das Ende aller Glühbirnen ist beschlossene Sache. Ab dem 1. September 2012 werden schließlich auch konventionelle Lampen der Stärken 40 und 25 Watt verboten; dann gilt für alle Punktlichtquellen mit klarem Glas verpflichtend Energieeffizienzklasse C. Für Deutschland wird mit Einsparungen von jährlich ungefähr 7,5 Milliarden Kilowattstunden Strom gerechnet – das entspricht der Kapazität von zwei Atomkraftwerken. Vielleicht macht das den Abschied von der konventionellen Glühbirne leichter. Schließlich soll selbst Thomas Alva Edison, der Entdecker des glühelektrischen Effekts, einst gesagt haben: Wenn es einen Weg gibt, etwas besser zu machen: Finde ihn!


Datenquellen: GfK Bereich Energie, GfK Verein (GfK Global Green Index), März 2012.
Rückfragen zu diesem Artikel bitte an Ronald Frank, E-Mail: ronald.frank@gfk-verein.org

Für alle weiteren Fragen zu GfK Compact steht Ihnen Claudia Gaspar vom GfK Verein zur Verfügung:claudia.gaspar@gfk-verein.org

Juli 2012