Berufe im Vertrauens-Check

März 2014

Sie retten Leben, Haus und Hof und mitunter auch mal eine Katze aus dem Baum. Sie gehörten zu den Helden des 11. September und werden immer wieder in Kinofilmen gefeiert: Feuerwehrleute sind da, wenn’s brennt. Und sie genießen dafür hohes Ansehen in der Bevölkerung – nicht nur hierzulande, sondern auf allen Kontinenten der Erde. Aber auch andere helfende Berufe dürfen sich über hohen Zuspruch freuen.

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„Ich will Feuerwehrmann werden!“ – Mit diesem Berufswunsch ärgerte der Trickfilm-Drache „Grisu“ schon in den 70er-Jahren seinen flammenliebenden Vater. Vielleicht trug er schon damals mit dazu bei, dass das Image der Brandschützer zumindest hierzulande und in Grisus Heimatland Italien so positiv ist. Im Vertrauensranking liegt die Feuerwehr heute aber auch anderswo ganz vorne: In 15 Ländern erreichen die Brandschützer die Bestnote. Dies zeigen Daten aus der Studie „GfK Trust in Professions 2014“, für die der GfK Verein im Herbst 2013 zum zweiten Mal mehr als 28.000 Verbraucherinterviews geführt hat. Menschen aus 25 Ländern wurden unter anderem danach gefragt, wie sehr sie 32 vorgegebenen Berufsgruppen vertrauen.

Soziale Berufe: international gefragt

Am unteren Ende der Skala fällt das Bild noch homogener aus: In fast allen untersuchten Ländern ist das Vertrauen in die politische Klasse – Bürgermeister ausgenommen – am geringsten. Schweden und Indonesier nennen mit Händlern und Versicherungsvertretern zwar andere Schlusslichter – doch auch hier liegen die Volksvertreter jeweils nur auf dem vorletzten Platz. Beide Länder machen auch andere Berufsgruppen zur Nummer eins: Während in Schweden Sanitäter mit 98 Prozent das meiste Vertrauen genießen, sind es in Indonesien Lehrer und Ärzte. Überhaupt liegen helfende Berufe weit vorn in der Gunst der Menschen: Krankenpfleger schaffen in drei Ländern (Südkorea, Japan, Australien) den Sprung an die Spitze, Ärzte liegen in Südafrika und Kenia vorn. Das weltweite Vertrauensranking wird also dominiert von Berufen, auf die vor allem im Notfall Verlass sein muss.

Polizisten: in Deutschland besonders beliebt

Auch die Deutschen entscheiden sich mit überwältigender Mehrheit für die Helfer in der Not. Auf die Brandschützer als vertrauenswürdigste Berufsgruppe (97 Prozent) folgen andere soziale Professionen wie Sanitäter (96 Prozent) und Krankenpflegepersonal (95 Prozent). Damit liegen die Bundesbürger ganz im globalen Trend. Polizisten haben hierzulande dagegen ein deutlich besseres Image als in anderen Ländern, wo sie mitunter eher mit Korruption und Gewalt als mit Schutz und Sicherheit in Verbindung gebracht werden. In Deutschland gehören sie mit einem Wert von 81 Prozent zu den Top Ten der vertrauenswürdigsten Berufe.

Umgekehrt sind die Deutschen bei manchen Berufsgruppen auch kritischer als andere Nationen: So erreichen Banker und Profisportler Werte von jeweils 39 Prozent und sind im unteren Teil des Ran-kings angesiedelt. Bankenkrise und bekannt gewordene Dopingfälle haben offenbar gerade in der Bundesrepublik besonders tiefe Spuren hinterlassen. Auch Journalisten und Werbefachleuten (37 und 27 Prozent) wird anderswo deutlich weniger Misstrauen entgegengebracht als hierzulande. Das zweitschlechteste Ergebnis fahren schließlich die Versicherungsvertreter mit 19 Prozent ein. Noch weniger Vertrauen bringen die Menschen nur noch den Politikern entgegen. Hier liegt das Niveau bei durchschnittlich 15 Prozent.

Das sind keine guten Nachrichten für die politische Klasse – doch einen kleinen Trost gibt es: Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren finden Politiker glaubwürdiger als ältere Befragte, hier könnte man mit der Vertrauensbildung also ansetzen. Doch auch viele andere Berufe profitieren davon, dass Jugendliche insgesamt schneller jemandem Vertrauen schenken, darunter auch Versicherungsvertreter oder Banker. Diese Berufe rangieren zwar auch bei ihnen am Ende der Skala, erreichen aber bessere Werte als bei älteren Generationen. Daneben können sich Computer- und Softwarespezialisten, Medienstars sowie Profifußballer über vergleichsweise hohe Vertrauenswerte bei den 14- bis 19-Jährigen freuen. Ganz an der Spitze aber liegen bei ihnen – wie auch bei allen anderen Altersgruppen – die verschiedenen sozialen Berufe.

Geschlechtervergleich: Männer überzeugt von Technik und Fußball

Die Geschlechter sind sich beim Thema Vertrauen in vielen Punkten einig, doch es gibt auch bemer-kenswerte Unterschiede. Was die Vertrauens-Spitzenreiter betrifft, so gleichen sich die Vorlieben von Männern und Frauen. Beide sehen Feuerwehrleute, Sanitäter und Krankenpflegepersonal ganz vorn. Doch die Unterschiede sind zahlreicher: So bringen Frauen Polizisten, Geistlichen, Beamten, Markt- und Meinungsforschern, Bürgermeistern, TV-Moderatoren, Schauspielern und Bankangestellten mehr Vertrauen entgegen. Und selbst Kandidaten auf den unteren Tabellenplätzen wie Politiker und Versicherungsvertreter schneiden bei ihnen besser ab als bei den Männern. Männer sind dagegen aufgeschlossener wenn es um klassische Männerberufe und Sport geht: Ingenieure und Techniker finden 85 Prozent der Männer vertrauenswürdig, bei den Frauen sind es 76 Prozent. Ähnliches gilt für Architekten, Handwerker und Computerspezialisten denen die Männer mehr als die Frauen vertrauen. Und Profisportler oder -fußballer überzeugen 43 Prozent der Männer, aber nur 34 Prozent der Frauen. Die eigenen Interessen prägen offenbar unser Bild von anderen Berufsgruppen.

Vertrauen ist jung und eher weiblich

Wie vertrauensvoll wir einem Menschen begegnen, hängt also – zumindest teilweise – von dessen Berufswahl ab. Doch auch unsere eigenen Prägungen spielen eine Rolle. So gibt es Menschen, die grundsätzlich misstrauisch sind – in Deutschland sagen das 15 Prozent von sich. Etwas weniger – 11 Prozent – folgen dem anderen Extrem und sind grundsätzlich bereit, jedem erst einmal Vertrauen zu schenken. 34 Prozent tun das zumindest, solange ihnen kein Anlass für das Gegenteil geboten wird. Die größte Gruppe, nämlich 39 Prozent, ist jedoch vorsichtig: Sie will zunächst überzeugt werden, dass ihr Vertrauen in einen anderen Menschen gerechtfertigt ist. Dabei gilt generell: Jüngeren Menschen fällt es tendenziell leichter, anderen Vertrauen zu schenken. Vermutlich weil die Zahl der schlechten Erfahrungen und Enttäuschungen in jungen Jahren überschaubar ist. Und auch Frauen sind tendenziell etwas großzügiger, wenn es darum geht, ihrem Gegenüber offen und positiv zu begegnen. Während 56 Prozent der männlichen Befragten angeben, erst einmal jedem gegenüber skeptisch zu bleiben, der seine Vertrauenswürdigkeit noch nicht unter Beweis gestellt hat, sind das bei den Frauen 51 Prozent.

Doch egal, ob wir Vertrauenskünstler sind oder uns eher schwer tun mit der Offenheit; ob wir uns lieber auf den Arzt oder den Anwalt verlassen – ohne Vertrauen geht es nicht in unserer Gesellschaft. Davon ist der Vertrauensforscher Prof. Dr. Martin Schweer von der Universität Vechta überzeugt. Im Interview mit uni.de beschreibt er, warum dieses Gefühl so wichtig für unser Leben ist: „Wir sind in ganz vielen Situationen unseres Lebens gezwungen, Kontrolle abzugeben und über das Vertrauen dennoch (…)Sicherheit zu gewinnen (…). Ob wir wollen oder nicht, Vertrauen ist ein lebensnotwendiger Mechanismus.“


Datenquelle: GfK Verein, Studie “Trust in Professions” (Herbst 2013)

Für Rückfragen zu diesem Artikel stehen Ihnen Ronald Frank (ronald.frank@gfk-verein.org) und Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org) zur Verfügung.

Für alle weiteren Fragen zu GfK Compact wenden Sie sich bitte an Claudia Gaspar: Tel. +49 911 395-2624, E-Mail: claudia.gaspar@gfk-verein.org.

März 2014