Berufe mit Vertrauensbonus

März 2018

222 Millionen Euro – diese unvorstellbare Summe überwies der Fußballverein Paris St. Germain im vergangenen Jahr dem FC Barcelona, um fortan einen brasilianischen Stürmer auf dem Platz zu haben. Zugegeben – dieser Transfer war der teuerste in der bisherigen Fußballgeschichte und damit eine Ausnahme. Doch Nachrichten wie diese könnten mit ein Grund dafür sein, dass es mit dem Image von Profi-Kickern und anderen Spitzensportlern nicht zum Besten steht. Die Deutschen bringen dieser Berufsgruppe jedenfalls nicht besonders viel Vertrauen entgegen. Ganz im Gegensatz zu anderen Branchen: Vor allem Feuerwehrleute genießen einen großen Vertrauensbonus, seit Jahren stehen sie im Ranking an der Spitze. Und das nicht nur hierzulande, sondern weltweit.

Egal, ob Nord, Süd, Ost oder West: In vielen Regionen der Welt verlassen sich die Menschen besonders auf die Feuerwehr und bringen ihr am meisten Vertrauen entgegen. In 11 von 20 untersuchten Ländern rangieren Feuerwehrleute nicht nur vor allen anderen Berufen im Ranking, sondern sie dürfen sich auch noch über besonders hohe Vertrauenswerte von meist 90 Prozent und mehr freuen. Lediglich in Südkorea fällt der Wert mit 88 Prozent etwas kleiner aus. Dafür halten in Iran sogar 100 Prozent der Befragten die Brandbekämpfer für besonders glaubwürdig. Dies sind Ergebnisse aus der Studie „Trust in Professions“, für die der GfK Verein im Herbst vergangenen Jahres mehr als 23.000 Verbraucherinterviews geführt hat. Menschen aus 20 Ländern weltweit wurden danach gefragt, wie sehr sie 32 vorgegebenen Berufsgruppen vertrauen.

Neben den Feuerwehrleuten liegen erneut auch andere helfende Berufe in der Gunst der Bürger weit vorn: Ärzte genießen in Indien, Südafrika und der Türkei das größte Vertrauen, Sanitäter in den Niederlanden, UK und Japan, und in Mexiko verlassen sich die Menschen vor allem auf Krankenpfleger. Wie bereits in den Vorjahren sind zudem Lehrer und Landwirte ebenfalls auf der Weltkarte des Spitzenvertrauens vertreten: So dürfen sich die Pädagogen in Indonesien über einen besonders guten Ruf freuen. Und in Kenia, wo die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig ist, liegen die Bauern vorn. Ihnen vertrauen mit gut 9 von 10 Befragten nahezu alle Verbraucher. 

Durchschnittliches Vertrauen: Besonders hoch in Indien

Während sich also die Menschen weltweit mit Blick auf das Image der Brandschützer recht einig sind, variieren die durchschnittlichen Vertrauenswerte über alle Berufsgruppen hinweg von Land zu Land. Am höchsten ist der Wert wie schon in der letzten Untersuchung in Indien. Dort klettert das durchschnittliche Vertrauen quer über alle abgefragten Branchen auf 85 Prozent. Ebenfalls in den Top-3, wenngleich mit einigem Abstand, finden sich die Niederlande (75 Prozent) und Südafrika (74 Prozent), knapp dahinter folgen die Türkei (71 Prozent), Indonesien (69 Prozent) und Iran (68 Prozent). Die USA und einige Länder Europas sind im Ranking erst auf den mittleren Rängen vertreten: In den Vereinigten Staaten wurde ein durchschnittliches Vertrauen von 67 Prozent und damit Rang 7 ermittelt, in UK und Polen sind es 66 und in Spanien, Italien und Deutschland 65 Prozent (gleichauf mit Kenia). Frankreich kommt noch auf 63 Prozent, Russland, Schweden und Brasilien auf jeweils 60. Die Schlusslichter beim durchschnittlichen Vertrauen sind Mexiko, Japan und Südkorea. Hier liegen die Werte jeweils unterhalb der 60-Prozent-Marke.

Wirft man einen Blick auf das europäische Ranking, in dem insgesamt zehn Länder inklusive Russland und der Türkei – nach ihrer Einwohnerzahl gewichtet – abgebildet sind, so zeigt sich sofort: Helfende Berufe rangieren in der Gunst der Menschen auch im europäischen Raum ganz weit vorn. So stehen die Feuerwehrleute hier ebenfalls an der Spitze. 93 Prozent der Befragten setzen auf die Fähigkeiten dieser Berufsgruppe, doch mit fast 88 Prozent bringen fast ebenso viele Menschen Krankenschwestern und -pflegern sowie Sanitätern großes Vertrauen entgegen. Auch auf den Rat von Apothekern verlässt sich mit 85 Prozent der Menschen eine breite Mehrheit, je 84 Prozent sprechen zudem Piloten und Lehrern ihr Vertrauen aus. Ärzte, Landwirte, Fahrer des öffentlichen Nahverkehrs und Soldaten erreichen ebenfalls sehr gute Werte zwischen 83 und 80 Prozent, knapp gefolgt von Ingenieuren bzw. Technikern (79 Prozent), Handwerkern (78 Prozent) und Architekten (75 Prozent). Polizisten vertrauen noch knapp drei Viertel der Europäer. Im Mittelfeld rangieren Computer- bzw. Softwarespezialisten, Taxifahrer, Händler, Rechtsanwälte und Beamte mit Werten, die oberhalb der 60 Prozent-Marke liegen. Diese verpasst eine andere Juristengruppe knapp: Auf Richter verlassen sich im europäischen Durchschnitt 59 Prozent der Befragten. Die eingangs zitierten Profisportler kommen – wie auch Schauspieler – auf einen Vertrauenswert von 57 Prozent; Pfarrer und andere Geistliche gelten in den Augen von gut jedem Zweiten (53 Prozent) als glaubwürdig und liegen damit gleichauf mit Markt- und Meinungsforschern. Ebenfalls noch knapp über die 50-Prozent-Marke schaffen es TV-Moderatoren (52 Prozent).

Luft nach oben: Sieben Berufsgruppen vertraut nur eine Minderheit der Europäer

Insgesamt sieben Berufsgruppen gelingt es dagegen derzeit nicht, das Vertrauen einer Mehrheit der Europäer zu gewinnen. So halten Unternehmer 47 Prozent der Befragten und Bürgermeister 46 Prozent für glaubwürdig. Banker und Bankangestellte liegen mit einem durchschnittlichen Vertrauenswert von 44 Prozent noch vor Journalisten (41 Prozent) und Versicherungsvertretern (37 Prozent). Auf dem vorletzten Rang finden sich schließlich Werbefachleute, denen noch gut ein Drittel der Europäer Vertrauen schenkt (35 Prozent). Der letzte Platz geht wie bereits in den Vorjahren an Politiker: Dieser Berufsgruppe vertraut mit 19 Prozent nicht einmal jeder fünfte Europäer. Vermutlich hängt dies auch damit zusammen, dass Politiker aufgrund ihrer gesellschaftlichen Verantwortung unter maximaler medialer Beobachtung stehen und Verfehlungen nicht lange unentdeckt bleiben.

Was die Vertrauenswerte in Deutschland betrifft, so bewegen sich diese meist auf dem gesamteuropäischen Niveau oder gar darüber. Die Spitzenplätze sind hierzulande ebenfalls von den helfenden Berufen belegt: Feuerwehrleute führen das Ranking an – sogar mit 3 Prozentpunkten über dem europäischen Durchschnitt und gleichauf mit Sanitätern, die europaweit Rang 3 erreichen. Mit Krankenschwestern bzw. -pflegern sowie Ärzten folgen weitere soziale Berufe, die in der Bundesrepublik ebenfalls noch etwas positiver abschneiden als in den neun anderen Ländern. Besonders deutlich fällt die Abweichung bei drei Berufsgruppen aus: Polizisten sind in den Augen von 84 Prozent der Deutschen tatsächlich die viel beschworenen Freunde und Helfer und genießen damit auf den ersten Blick deutlich mehr Vertrauen als europaweite (72 Prozent). Allerdings wird dieser europäische Mittelwert stark durch das bevölkerungsreiche Russland beeinflusst, dessen Wertungen statistisch deutlich zu Buche schlagen. Dort vertraut nur gut jeder Zweite der Polizei – und dies drückt den Mittelwert sehr viel stärker nach unten als dies ansonsten der Fall wäre. Bürgermeister, denen im Europa-Ranking nicht einmal jeder Zweite vertraut, dürfen sich in der Bundesrepublik über einen Wert von 60 Prozent freuen – das entspricht einem Plus von 14 Prozent gegenüber den europäischen Nachbarn. Das können Richter sogar noch knapp toppen: Fast drei Viertel der Deutschen verlassen sich auf ihr Urteil und ihre Kompetenz – damit liegen sie 15 Punkte über dem europäischen Durchschnitt.

Deutschland: Profisportler haben weiter Vertrauen verloren

Andere Berufsgruppen schneiden dagegen im Vergleich schlechter ab: So liegt der Vertrauenswert für Soldaten mit 69 Prozent zwar noch im vorderen Mittelfeld, allerdings 11 Punkte unter dem europäischen Wert. Womöglich sind es die Berichte über die teils marode Ausrüstung der Bundeswehr, die auf das Image der gesamten Truppe abgefärbt haben. Womöglich auch die Nachrichten über bizarre Aufnahmerituale oder rechtes Gedankengut in einigen Kasernen. So oder so – eine Imageaufwertung könnte hier nicht schaden. Das gilt auch für Händler und Verkäufer sowie Schauspieler, die ebenfalls jeweils 11 Punkte hinter dem europäischen Wert zurückbleiben. Während dem Handel aber noch gut jeder Zweite vertraut, knacken Schauspieler in Deutschland die 50-Prozent-Marke nicht, sondern bleiben mit 46 Prozent knapp darunter. Europaweit bringen den Mimen / ihnen dagegen 57 Prozent der Befragten volles Vertrauen entgegen. Das ist nicht die einzige Abweichung am unteren Ende der Skala: Zwar vertraut sowohl in Deutschland als auch in Europa jeweils sieben Berufsgruppen nur eine Minderheit, doch Belegung und Reihenfolge der letzten Plätze variieren. Neben den Schauspielern sind es in der Bundesrepublik auch die Profisportler, die keine Mehrheit hinter sich haben. Nur gut jeder Dritte hält sie für vertrauenswürdig – das sind 20 Punkte weniger als im Durchschnitt. Zudem schneiden Werbefachleute und Versicherungsvertreter mit einem zweistelligen Minus nochmals deutlich schlechter ab als im Europa-Mittel. Vergleicht man die aktuellen Ergebnisse mit den Zahlen von 2016, zeigen sich für Deutschland zwei größere Veränderungen. So verloren Rechtsanwälte seit der letzten Befragung 5 Prozentpunkte im Vertrauensranking, was vermutlich die Reaktion auf den medienwirksamen NSU-Prozess ist. In diesem Verfahren verzögerten Anträge der Verteidigung die Plädoyers der Bundesanwaltschaft und der Nebenkläger um mehrere Wochen. Auch Profisportler büßten im selben Umfang an Zustimmung ein, was nicht zuletzt an den eingangs erwähnten Transfersummen im Fußball liegen könnte, für die selbst eingefleischte Fans kaum mehr Verständnis aufbringen.

Vertrauen aufbauen – aber wie ?

Doch was kann man tun, wenn Vertrauen verloren ging und nun wieder aufgebaut werden muss? Sollen sich Profisportler als generöse Spender zeigen oder die Presse zur Homestory in die eigenen vier Wände laden, um Sympathien bei den Zuschauern zu wecken? Sollen Politiker, Rechtsanwälte oder Versicherungsmakler auf Imagekampagnen setzen, die die eigenen Leistungen in den Vordergrund rücken? Wie man Vertrauen erwirbt, ist eine der Fragen, mit denen sich das Zentrum für Vertrauensforschung an der Universität Vechta beschäftigt. Dessen Leiter, Prof. Dr. Martin K. Schweer, rät allen, die ernsthaft an ihrem Image arbeiten wollen, vor allem zu einem: Geduld "Es geht nur über das Prinzip der kleinen Schritte. Vertrauen kann nur über positive Handlungen langsam wieder aufgebaut werden.“


Datenquelle: GfK Verein, Trust in Professions 2018

Und hier gibt es die wichtigsten Ergebnisse der Studie noch als  Video.

Rückfragen bitte an Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org) oder Ronald Frank (ronald.frank@gfk-verein.org).


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