Bio? Logisch! – eine Nische mit Wachstumspotenzial

Mai 2016

Bionade Zitrus-Bergamotte, Chiemgau Risotto mit bayerischem Fisch, Daverts Chia Toppings, Riedenburgers Dolden Dark Porter, Dinkel-Maultaschen mit Linsen von Alb-Gold Teigwaren oder Voelkels vegane grüne Smoothies – das sind nur einige der Produkte und Firmen, die von Fachjurys und Verbrauchern zu Bioprodukten des Jahres 2016 gekürt wurden. Sie zeigen, dass das Angebot der Biobranche innovativ, international und an Ernährungstrends orientiert ist. Sicher ist die attraktive Produktpalette ein Grund dafür, dass die deutschen Verbraucher seit 10 Jahren stetig mehr von ihrem Lebensmittelbudget für Speisen und Getränke aus ökologischer Produktion oder biologischem Anbau ausgeben. Bio liegt also im Trend – auch wenn das  Umsatzvolumen weiterhin recht überschaubar ist.

Im Jahr 2015 lag der Bio-Anteil an den gesamten Lebensmittelausgaben inklusive Getränke bei 4,7 Prozent. Das ist kein hoher Wert doch der Anteil ist damit innerhalb der vergangenen 11 Jahre um das Zweieinhalbfache gewachsen. Dies zeigen die Ergebnisse des GfK-Haushaltspanels, in dem 30.000 Haushaltsführende regelmäßig über ihre gesamten Einkäufe täglicher Verbrauchsgüter berichten. Ein rasantes Wachstum fand in den Jahren 2004 bis 2008 statt, in denen sich der Bio-Anteil an den Lebensmittelausgaben in Deutschland mehr als verdoppelte (von 1,4 Prozent in 2004 auf 3,2 in 2008). In den darauf folgenden Jahren machte sich offenbar die Wirtschaftskrise bemerkbar. Erneutes, größeres Wachstum  gab es erst wieder ab 2011. Auch die jüngste Entwicklung von 2014 auf 2015 bringt  einen Sprung von 0,4 Prozentpunkten an den gesamten Lebensmittelausgaben. Dies bedeutet einen Anstieg  von 10 Prozent innerhalb des Bio-Lebensmittelsektors und beweist, dass hier noch  immer Wachstum möglich ist, denn dieses Plus  kam zum größten Teil durch mehr gekaufte Ware und nur zu einem  sehr geringen Teil durch gestiegene Preise oder den Wechsel zu höherpreisigen Produkten zustande.

Discounter vor Naturkostläden

Längst gibt es Bio-Speisen und -Getränke nicht mehr nur im Naturkostladen oder beim Biobauern. Breit gefächert sind die Sortimente, gut aufgestellt ist auch der traditionelle Lebensmitteinzelhandel, der seit Jahren mit  eigenen Bio-Sortimenten und gezielte Werbemaßnahmen für eine Sensibilisierung der Verbraucher sorgt. Die Wirkung offenbart sich bei einem Blick auf die Einkaufsstätten, in denen die Konsumenten ihre Bio-Lebensmittel heutzutage einkaufen. Zu jeweils 21 Prozent decken sie sich in Supermärkten und Discountern ein, doch die spezialisierten Naturkostläden und Bio-Supermärkte bekommen immerhin  18 Prozent der Ausgaben ab. Möglicherweise, weil dort fachkundige Beratung sowie genauere Informationen über Herstellung oder Produzenten erwartet werden können.  Manch besonders bewusster Bio-Käufer mag diesen Anbietern auch mehr Vertrauen schenken als den klassischen Händlern, bei denen ein Bio-Lebensmittel nur ein Produkt neben Standarderzeugnissen und Aktionsware ist. 

Ansehnliche 12 Prozent der Konsumenten-Budgets für ökologische Produkte haben die Drogeriemärkte mit ihrem Bio-Lebensmittelsortiment erobert. Andere, wie etwa direktvermarktende Biobauern und Verkäufer auf Wochenmärkten, Bäcker und Metzger, bekommen dagegen nur einen kleinen Teil vom Kuchen ab. Sie müssen sich mit Anteilen von jeweils 7 Prozent zufrieden geben.

Nischenprodukt Sojagetränke und Babynahrung am liebsten in Bio-Qualität

Was den jeweiligen Anteil an Bio-Produkten in den verschiedenen Lebensmittelkategorien angeht, so gibt es extreme Unterschiede. Die Faktoren, die dies beeinflussen, sind vielschichtig: Sowohl die Ernährungspräferenzen bio-affiner Konsumentengruppen, die Dichte der Verfügbarkeit, das empfundene Risiko bei Produkten konventioneller Herkunft sowie die Preisunterschiede zwischen biologischen und herkömmlichen Erzeugnissen spielen eine Rolle.

Sojagetränke sind ein Beispiel für eine Warengruppe mit einem besonders hohen Bio-Anteil. 69 Prozent aller verkauften Sojagetränke sind biologischer Herkunft. Das mag einerseits daran liegen, dass ein Großteil der Hersteller überwiegend oder ausschließlich Bio-Sojadrinks anbietet und andererseits, dass Verbraucher lieber zu Bio-Erzeugnissen greifen, um gentechnisch verändertes Soja zu vermeiden. Auch bei Babynahrung stammen ansehnliche 60 Prozent aller verkauften Produkte aus Öko-Anbau und -Verarbeitung. Sicher zeigt sich hier die besondere Sorge der Eltern um ihre Kleinsten, die möglichst unbelastete Nahrung bekommen sollen. Deshalb setzen die Hersteller in dieser Warengruppe verstärkt auf ökologische Angebote. Bei vielen anderen Produktkategorien liegen die Anteile dagegen nur im einstelligen Bereich. Bei Fleisch sind es gerade einmal 2  Prozent.

Doch die Höhe der Bio-Anteile alleine entscheidet nicht über das Potenzial einer Warengruppe für Bio-Produzenten, denn dieses ist  auch abhängig von der Marktgröße der gesamten Kategorie. Die wiederum besteht aus Nachfrage-Menge und Preisniveau. Obwohl beispielsweise nur 6 Prozent allen verkauften festen Joghurts biologischen Ursprungs ist, wird damit unterm Strich deutlich mehr Umsatz erzielt als mit Babykost oder Sojagetränken. Auch Karotten, Frischmilch, Bananen und Zitrusfrüchte bleiben hinter dem Sauermilchprodukt zurück, obgleich sich deren Bio-Anteile jeweils  auf stattliche zweistellige Raten belaufen (20 beziehungsweise  15, 14 und 12 Prozent). Besonders umsatzstark sind außer  Joghurt aber Öko-Eier und frisches Bio-Brot. Und das, obwohl  sie eigentlich nur 6 beziehungsweise 4 Prozent ihrer  Warengruppen ausmachen.

 Knapp ein Drittel der Deutschen kauft regelmäßig Bio

Fast jeder Haushalt in Deutschland greift irgendwann einmal zu einem Bio-Produkt. Doch von allen Käufern  tut dies nur knapp ein Drittel (29 Prozent) regelmäßig, also mindestens zweimal pro Monat . Diese wichtige Gruppe sichert der Branche stattliche 80 Prozent der gesamten Bio-Umsätze. Ein Viertel der Verbraucher lädt nur ab und zu – aber zumindest einmal im Quartal – Bio-Lebensmittel in den Einkaufskorb und sorgt damit für 13 Prozent des Bio-Umsatzes. Die restlichen 7 Prozent kommen  zufällig zustande, und zwar durch 46 Prozent der Haushalte, bei denen maximal dreimal pro Jahr – und damit wohl eher aus Versehen denn  aus Überzeugung – Bio-Lebensmittel im Einkaufswagen landen.

Vor allem ältere und einkommensstärkere Haushalte entscheiden sich gerne für Bio-Lebensmittel. Während sich der Anteil der Haushaltsführer ab 65 Jahren insgesamt auf 28 Prozent beläuft, sind es bei den besonders Bio-Affinen 6 Prozentpunkte mehr, also 34 Prozent. Bei den  unter 35-Jährigen ist es umgekehrt. Sie stellen nur unterdurchschnittliche 11 Prozent der regelmäßigen Bio-Käufer, während im Durchschnitt 18 Prozent aller Haushaltsführer dieser Altersgruppe angehören. Ähnliches gilt für das Einkommensniveau. Besserverdienende Haushalte sind überdurchschnittlich häufig regelmäßige Bio-Käufer. Nichtsdestotrotz, die Entscheidung für Bio-Lebensmittel ist nicht grundsätzlich auf bestimmte Altersgruppen oder Konsumenten mit großem Budget beschränkt. Das wachsende Angebot macht es für alle Verbraucher immer einfacher, Bio-Lebensmittel in ihren Speiseplan zu integrieren.

 Convenient und Vegan: Biolebensmittel spiegeln Markttrends

Holte man in den frühen 1980-er Jahren Grundlebensmittel wie Gemüse, Eier oder Getreide zum Selbermahlen oder -flocken fürs Müsli noch beim Biokrämer, lässt die Produktpalette heute keinen Wunsch mehr offen. Zahlreiche Verbände und Siegel garantieren Qualität. Längst ist die weite Welt mit Waren von Amaranth bis Zitrusfrüchte ins Bio-Regal eingezogen. Der Konsument findet Urerzeugnisse sowie hochgradig veredelte Ware, erhält Getreide und feinste Leckereien von Konditor. Und selbst der Fast Foodie geht dank Veggie-Tiefkühlpizza oder Chicken  Wings aus der Kühlung zufrieden nach Hause. So zeigt Bio immer mehr Präsenz. Angesichts dieses Angebots dürften die Wachstumsprognosen für den Absatz von Bio-Lebensmitteln auf langsamem aber stetigem Aufwärtskurs bleiben.


Datenquelle: GfK Consumer Panels Deutschland

Rückfragen zu diesem Artikel bitte an Helmut Hübsch (helmut.huebsch@gfk.com) oder Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org).

Rückfragen zu GfK Compact bitte an Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org).


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