Dioxin bremst Appetit

Februar 2011

Der jüngste Skandal um Dioxin in Futtermitteln hat den Verbrauchern zu Jahresbeginn den Appetit auf Frühstücksei und Schweinebraten gründlich verdorben. Doch sind die Negativ-Schlagzeilen ihnen auch nachhaltig auf den Magen geschlagen? Es scheint so: Zwei Drittel der Menschen haben auf die Nachrichten von belasteten Eiern, Geflügel oder Schweinefleisch mit veränderten Ernährungs- und Kaufgewohnheiten reagiert. Etwa 35 Prozent der Konsumenten lassen die Ereignisse dagegen kalt.

Zwar wollen nur die wenigsten Menschen ganz auf Eier und Fleisch verzichten: Nur zwei Prozent der Befragten haben diese Lebensmittel komplett von ihrem Speiseplan gestrichen. Doch ein Großteil der Bevölkerung hat dennoch auf die Vorfälle reagiert. So suchen seit dem Skandal 41 Prozent der Verbraucher Sicherheit und Qualität in der näheren Umgebung und kaufen Eier und Fleisch bevorzugt von Anbietern aus der Region. Vor allem ältere Menschen sehen hier eine Möglichkeit, ungesunden Lebensmitteln aus dem Weg zu gehen. Weitere 17 Prozent weichen auf Bio-Produkte aus und fast ebenso viele schränken ihren Konsum von Eiern und Fleisch zumindest ein. Überhaupt keine Gedanken machen sich dagegen 35 Prozent der Menschen. Sie sehen keinen Grund dafür, ihre Ernährung oder ihr Einkaufsverhalten zu ändern. Dies zeigen aktuelle Umfrageergebnisse des GfK Vereins.

Wie stark die Ereignisse das Denken und Handeln der Menschen prägen, ist abhängig von Alter und Geschlecht. Vor allem Frauen versuchen offenbar, mögliche Risiken zu minimieren. Sie greifen über fast alle Altersklassen hinweg häufiger als Männer zu regionaler und Bio-Ware oder schränken den Verzehr kritischer Produkte ein. Lediglich gut ein Viertel der Frauen kauft und konsumiert weiter wie bisher.

Regionales wird mit zunehmendem Alter beliebter

Mit zunehmendem Alter wollen es die Menschen zudem genauer wissen, und die Herkunft von Eiern und Fleisch rückt beim Einkauf in den Vordergrund. Auch hier liegen die Frauen vorn: So kaufte zuletzt mehr als jede zweite über 50-jährige Verbraucherin Eier und Fleisch aus der Region. Das sind fast doppelt so viele wie in der Gruppe der 14- bis 34-Jährigen. Männer über 50 Jahre liegen mit 41 Prozent zwar hinter den Frauen, doch deutlich vor ihren jüngeren Geschlechtsgenossen.

Diese zeigen sich überdurchschnittlich häufig unbeeindruckt vom Dioxinskandal. Mehr als die Hälfte der 14- bis 34-jährigen Männer hat ihre Konsumgewohnheiten gar nicht geändert; gerade einmal 11 Prozent verzichten auf das eine oder andere Frühstücksei. Zwar sind auch junge Frauen etwas unkritischer als ältere und ändern seltener ihren Speiseplan. Dies könnte man mit jugendlicher Sorglosigkeit erklären. Wahrscheinlicher ist aber, dass junge Frauen ohnehin oftmals stärker auf ihre Ernährung achten und der Gesundheit zuliebe mit Fleisch grundsätzlich sparsamer umgehen. Sie fühlen sich vom Dioxin-Skandal vielleicht insgesamt weniger betroffen. Immerhin 6 Prozent der unter 34-jährigen Frauen essen derzeit weder Fleisch noch Eier.

„Bio“ profitiert vom Dioxin-Skandal

In jedem Fall schlagen sich die Negativ-Schlagzeilen in den Büchern der Lebensmittelhändler nieder. Wer sein Geld derzeit mit dem Verkauf von Schweinefleisch machen will, bekommt die Verunsicherung der Verbraucher besonders zu spüren. Der Absatz ging von Jahresbeginn an zurück: Allein in der zweiten Woche des Jahres, als der Skandal die Berichterstattung dominierte, ging die verkaufte Menge im Vergleich zum Vorjahr um rund 14 Prozent zurück – das belegen die Messwerte des GfK Verbraucherpanels; der Umsatz rutschte um fast zehn Prozent nach unten. Auch zwei Wochen später meldeten die Betriebe sinkende Zahlen beim Schweinefleisch – wenngleich der Rückgang zuletzt an Tempo verlor. Geflügel ließen sich die Deutschen dagegen nicht dauerhaft vom Speisezettel streichen. Während in der zweiten Jahreswoche fast 17 Prozent weniger Hähnchen, Puten oder Gänse verkauft wurden, lag der Absatz zwei Wochen später schon wieder im Plus.

Gewinner der Krise sind ganz klar Erzeuger von Bio-Produkten. Mitte Januar wurde bereits ein Drittel mehr Bio-Fleisch verkauft; Ende Januar stieg der Absatz sogar um fast 100 Prozent. Eier mit Biosiegel legten ebenfalls deutlich zu. Seit Jahresbeginn stieg der Verkauf teilweise um bis zu 70 Prozent.

Wie sicher sind unsere Lebensmittel?

Erst kürzlich hat Deutschland von seinen EU-Partnern ein großes Lob für das Krisenmanagement im Dioxin-Skandal erhalten. Die hiesigen Behörden hätten „höchst effizient gearbeitet und mit ihrem Ansatz ein hohes Maß an Sicherheit gewährleistet“, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit. Doch wie stark verlassen sich die Menschen tatsächlich auf die Qualität und Sicherheit von Nahrungsmitteln? 
Zumindest die Hälfte der Verbraucher hat keine Bedenken bei Lebensmitteln aus Deutschland. Etwa jeder Fünfte dagegen traut dem Braten seit dem Dioxinskandal nicht mehr so ganz und fürchtet um die Sicherheit. Die übrigen Befragten sind unentschieden, wie sie die Situation bewerten sollen. Auch hier hängt die Antwort oftmals von Alter und Geschlecht der Verbraucher ab: Frauen und ältere Menschen sind etwas skeptischer als der Durchschnitt.

Bleibt abzuwarten, ob der letzte Skandal auch künftig den Speiseplan der Deutschen mit beeinflusst. Die Händler mussten sich schon auf veränderte Gewohnheiten und ökobewusstere Verbraucher einstellen. Zuletzt, so meldeten es mehrere Zeitungen, wurden in einigen Städten nämlich schon die Bio-Eier knapp.


Datenquellen: GfK Verein (GfK CAPI-BUS, Februar 2011) sowie GfK Verbraucherpanel (ConsumerScan Fresh Food Panel);
Rückfragen zu diesem Artikel bitte an Ronald Frank, E-Mail: ronald.frank@gfk-verein.org bzw. Helmut Hübsch, Email: helmut.huebsch@gfk.com

Für alle weiteren Fragen zu GfK Compact steht Ihnen Claudia Gaspar vom GfK Verein zur Verfügung:claudia.gaspar@gfk-verein.org