Durchstarten mit Strom

März 2017

Was haben Cameron Diaz, Jennifer Garner und Brad Pitt gemeinsam? Richtig, sie alle sind Schauspieler und stehen seit Jahren vor der Kamera. Weniger bekannt dagegen dürfte die Tatsache sein, dass sie alle schon einmal im Elektroauto unterwegs waren oder dies immer noch sind. Auch der Umwelt zuliebe fährt so mancher Star – nicht nur in Hollywood – die leise Alternative zum Auto mit Verbrennungsmotor. Ökologische Gründe sind es auch, die inzwischen gut jeden dritten deutschen Autofahrer dazu bewegen, sein Fahrzeug öfter einmal stehen zu lassen und Wege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen. Doch was bedeutet das für die Zukunft des Elektro-Autos? Steigt das Interesse daran mit dem Umweltbewusstsein der Verbraucher? Momentan kann sich zwar nur ein kleiner Teil der Autofahrer den Umstieg auf strombetriebene Fahrzeuge vorstellen. Doch vor allem Frauen mit Familie zeigen sich gegenüber der neuen  Technologie recht aufgeschlossen.

Egal ob Sportwagen oder Familienkutsche, Kombi oder Zweisitzer, alte Klapper-Kiste oder nagelneues Statussymbol – die Deutschen gelten als Autofahrer-Nation und sitzen mehrheitlich regelmäßig hinter dem Steuer. Zwei Drittel aller Bundesbürger über 18 Jahre fahren selbst ein Auto, sei es den privaten Pkw oder den Dienstwagen des Arbeitgebers. Damit legen sie im Schnitt eigenen Schätzungen zufolge jährlich fast 12.000 Kilometer zurück – und zwar mit recht geringen Unterschieden, was den Wohnort betrifft. In Großstädten und Orten mit weniger als 10.000 Einwohnern sind die befragten Fahrer jährlich gut 12.000 Kilometer unterwegs. Etwas weniger weit – unter 12.000 Kilometer pro Jahr – fahren die Menschen in kleineren und mittelgroßen Städten.

Das sind Ergebnisse aus dem GfK Global Green Index, für den im April 2016 knapp 1.000 Frauen und Männer ab 14 Jahren bzw. ab 18 Jahren unter anderem rund um das Thema Autofahren befragt wurden. Männer liegen dabei vorn – sowohl was den Anteil aktiver Fahrer als auch was die zurückgelegten Kilometer angeht. Zudem entscheidet das Alter darüber, wer wie lange hinter dem Steuer sitzt. So kommt die Gruppe der unter 35-Jährigen nach eigenen Schätzungen jährlich auf knapp 12.000 Kilometer, die der 35- bis 49-Jährigen auf knapp 14.000 Kilometer. Über 50 Jahre sinkt dieser Wert auf unter 13.000 Kilometer. Und über 65-Jährige geben an, nur etwa 8.500 Kilometer zurückzulegen.

Der Umwelt zuliebe: Frauen lassen den Wagen öfter stehen

Autofahren kann sehr praktisch sein: Man bleibt flexibel, hat seine Ruhe und kommt – zumindest jenseits der zahlreichen Staustrecken – schnell ans Ziel. Doch da gibt es auch noch die andere Seite: Abgase, die die Umwelt und den Menschen belasten zum Beispiel. Aus ökologischen Gründen verzichten 34 Prozent aller Befragten öfter darauf, Auto zu fahren. Sie machen sich lieber zu Fuß auf den Weg, radeln oder steigen in eines der öffentlichen Verkehrsmittel. Unter den Nicht-Fahrern bzw. denen, die gar kein Auto haben, hat sich etwa die Hälfte aus Umweltschutzgründen für den Verzicht entschieden. Dagegen fällt bei den aktiven Fahrern die Bereitschaft, das Auto der Umwelt zuliebe stehen zu lassen,  geringer aus: nur 27 Prozent nutzen häufig Alternativen zum Pkw. Auch macht es einen Unterschied, ob man Männer oder Frauen nach ihren Gewohnheiten fragt. Während 31 Prozent aller befragten Männer über 18 angeben, aus Öko-Gründen das Auto öfter stehen zu lassen, unterschreiben diese Aussage 38 Prozent der Frauen. Vor allem die mittleren Altersklassen zeigen sich hier umweltbewusster: 41 Prozent der weiblichen Befragten unter 50 berichten von regelmäßigem Pkw-Verzicht. Und auch der Wohnort entscheidet über die Zahl derer, die freiwillig  ihr Auto stehen lassen: Unter Großstädtern (ab 500.000 Einwohnern), die besonders häufig von Staus, Parkplatznot, Abgasen oder Lärm betroffen sind, klettert der Anteil derer, die Alternativen nutzen (können), auf 45 Prozent.

Antriebsfrage: Jeder siebte Autofahrer zieht den E-Motor in Betracht

Schön wäre es doch, wenn man die Vorteile des Autofahrens nutzen und die Nachteile gleichzeitig minimieren könnte. Elektro-Fahrzeuge könnten beispielsweise dazu beitragen, dass unsere Mitmenschen weniger Lärm und Abgasen ausgesetzt sind, wenn wir an ihnen vorbeifahren. Das scheinen auch die 14 Prozent der Autofahrer so zu sehen, die auf die Frage nach der bevorzugten Antriebsart „Elektro“ antworten. Doch nach wie vor ist nicht der E-Motor, sondern der Klassiker Benzin die beliebteste treibende Kraft bei den Fahrern. Sie wurden gefragt, welche Antriebsart für sie in Frage käme, wenn sie ihren Erst- oder Zweitwagen in den kommenden 12 Monaten ersetzen müssten. Mehrfachantworten waren hier erlaubt, im Durchschnitt nannte jeder Befragte zwei Varianten. 83 Prozent würden demnach einen Benziner in Betracht ziehen, wenn sie in den kommenden 12 Monaten ihren Erstwagen ersetzen müssten. 80 Prozent sagen das für den Fall, dass ihr Zweitwagen ersetzt werden müsste. Diesel-Motoren können sich 51 Prozent vorstellen, wenn es um ein neues (Erst-)Auto geht, 30 Prozent würden sich gern ein Auto mit Hybrid-Antrieb zulegen (Zweitwagen 29 Prozent). Autogas als Wunsch-Antrieb kommt noch für 20 Prozent der Autofahrer infrage (Zweitwagen 19 Prozent), Wasserstoff gerade einmal für 7 Prozent (Zweitwagen 7 Prozent). Noch rangiert Strom als Antriebsquelle also eher auf den hinteren Plätzen der Beliebtheitsskala. Doch dies gilt nicht für alle Fahrer gleichermaßen. Frauen mit Kindern bzw. Familien erwägen beim Ersatz ihres aktuellen Fahrzeugs häufiger den Kauf eines E-Autos. So kann sich gut jede fünfte Frau zwischen 35 und 49 Jahren vorstellen, künftig mit einem solchen Pkw durch die Lande zu fahren. Ähnlich sieht es bei Familien aus. Offenbar sind die Menschen, die aus Öko-Gründen ihr Auto besonders oft stehen lassen, auch eher bereit, über umweltschonende Alternativen beim Fahren nachzudenken. Schließlich gibt es so manche Situation – wie beispielsweise den Großeinkauf oder die Fahrten zum Sport- oder Spielplatz –  in denen gerade Familien schlecht aufs Auto verzichten können.

Pro Elektroantrieb: Umweltschutz und geringe Verbrauchskosten

In einem sind sich die Menschen, die sich für ein Elektroauto interessieren, einig: Würden sie auf einen strombetriebenen Pkw umsteigen, wären Umweltschutz und die geringen Verbrauchskosten die Hauptmotive. Drei Viertel der befragten Autofahrer mit Interesse an E-Autos nennen umweltfreundliches Fahren, fast ebenso viele den günstigen Unterhalt der Wagen. Über letzteres wird in der Fachwelt allerdings kontrovers diskutiert. Vielleicht kann hier ja eine neue App weiterhelfen, die Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum jüngst entwickelt haben. Fahrer sollen damit typische Strecken aufzeichnen, während sie mit ihrem aktuellen Fahrzeug unterwegs sind. Aus den Daten erstellt das Programm dann eine Liste mit Modellen, die den Anforderungen des Fahrers gerecht werden, beispielsweise, was die Reichweite betrifft. Auch ein Kostenvergleich ist mit integriert, melden die Entwickler. Die Kostenfrage in puncto Steuern ist dagegen auch ohne App ganz klar zu beantworten: Wer heute ein Elektroauto kauft, zahlt aktuell zehn Jahre lang keine KfZ-Steuern. Das dürften auch die 52 Prozent der E-Auto-Befürworter mit bedenken, die geringe Kosten für Versicherung und Steuer auf die Pro-Liste setzen. Steuerliche Vergünstigungen und Kaufprämien, wie sie aktuell für Elektroautos gewährt werden, nennen 46 Prozent. Und das fehlende Motorengeräusch wäre immerhin noch für 39 Prozent ein wichtiger Grund, um umzusteigen.  

Contra Elektro-Auto: hoher Kaufpreis und geringe Reichweite

Bis 2020 will die Bundesregierung eine Million Elektroautos auf die Straße bringen. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es derzeit neben steuerlichen Vergünstigungen eine Prämie von bis zu 4.000 Euro pro Fahrzeug. Dennoch bleiben Elektroautos insgesamt oft noch teurer als Fahrzeuge mit klassischen Verbrennungsmotoren, was vor allem an den hohen Produktionskosten liegt. Den befragten Autofahrern ist der finanzielle Anreiz offenbar zu gering  – zumindest, wenn man auf die Gründe blickt, die sie gegen die Elektroautos ins Feld führen. Hohe Anschaffungskosten sprechen in den Augen von  67 Prozent  gegen den Umstieg. Auch die Frage nach der Reichweite fällt ins Gewicht: 56 Prozent befürchten, irgendwo auf halber Strecke liegenzubleiben, weil dem Akku der Strom ausgeht. Doch wie weit müsste man mit einer Strom-Ladung denn fahren können, damit ein Elektroauto in Frage kommt? Zwischen 400 und 500 Kilometer, meinen 29 Prozent der aktiven Autofahrer. 18 bzw. 17 Prozent wären auch schon mit einer Reichweite bis 200 bzw. 300 Kilometer zufrieden, 24 Prozent würden gerne mehr als 500 Kilometer ohne Lade-Stopp unterwegs sein können. Momentan erreichen die strombetriebenen Fahrzeuge den Herstellern zufolge je nach Modell ganz unterschiedliche Reichweiten. Dabei gilt: Wer weiter kommen will, muss deutlich mehr bezahlen.

Die Hälfte der Fahrer befürchtet fehlende Lademöglichkeiten

Die Abhängigkeit von einer vollständig geladenen Batterie könnte eine ausreichende Anzahl Ladestationen zumindest abmildern. Doch das Netz an Ladestationen scheint so manchem Autofahrer noch nicht dicht genug zu sein. Und so nennt die Hälfte der Befragten die unzureichende Dichte an „Stromtankstellen“ als Hürde für den Kauf. Fast ebenso viele (49 Prozent) befürchten langen Batterieladezeiten. Weniger als die Hälfte, nämlich 43 Prozent merken an, zuhause bzw. am Arbeitsplatz keine Lademöglichkeit zu haben. Dass die recht neue Technologie zudem noch nicht ausgereift sein könnte, fürchtet ein Drittel der Deutschen über 18 Jahre; ähnlich viele (30 Prozent) nennen die Strompreise, deren Entwicklung schlecht einzuschätzen sei und die langfristig so zum Kostentreiber werden könnten. 25 Prozent hindert zudem der Batterieverschleiß bzw. das Recycling der Akkus und 22 Prozent haben generell Zweifel an der Zuverlässigkeit des Fahrzeugs. Dass Elektroautos bei ungünstigen Wetterbedingungen (Kälte) Reichweite einbüßen können, ist für jeden Fünften ein wichtiger Grund, nicht auf die strombetriebene Alternative umzusteigen.

In Zukunft elektrisch?

Fahrzeuge mit Elektroantrieb sind also für so manchen Fahrer grundsätzlich interessant, doch noch sind nicht wenige Hürden zu überwinden. Allerdings gibt es von Seiten der Hersteller und der Forschung zahlreiche Initiativen, die angebotenen Fahrzeuge zu verbessern und so Nachteile auszugleichen: So wird in neue leistungsstärkere Akkus investiert und weltweit an weiteren, günstigeren Modellen gearbeitet. Es gibt Ideen, die Reichweiten durch integrierte Solarmodule zu erhöhen, die unterwegs bei gutem Wetter ständig Energie gewinnen. Und immer mehr Unternehmen und Kommunen bieten die Möglichkeit an, das E-Auto auf dem Firmen- oder Rathausparkplatz mit neuer Energie „aufzutanken“. Wenn dann auch noch die Anschaffungskosten sinken, haben auch mehr Autofahrer mit Durchschnittsbudget, die Möglichkeit, elektrisch unterwegs zu sein. Wenn auch vielleicht nicht in den Modellen, die sich Top-Schauspieler leisten können.


Datenquelle: GfK Global Green Index,  April 2016

Rückfragen bitte an Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org), Ronald Frank (ronald.frank@gfk-verein.org) oder Philipp Schmidt (philipp.schmidt@gfk.com)


Möchten Sie künftig informiert werden, sobald ein neues Fokusthema erscheint? Dann können Sie sich hier anmelden.