Eine Extra-Portion Gesundheit?

Mai 2010

Antioxidantien im Tee, eine Extra-Portion Vitamine im Fruchtaufstrich oder probiotische Kulturen mit wissenschaftlich klingenden Namen im Joghurt: Gesundes Essen scheint heute mehr zu sein als fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag. Lebensmittelzusätze, die das Essen zum Heilelixier erheben, finden sich in zahlreichen Nahrungsmitteln. Doch wie beurteilen die Deutschen die angereicherten Speisen und Getränke? Greifen gesundheitsbewusste Menschen häufiger zum Zusatzstoff als diejenigen, die es in punkto Ernährung nicht ganz so genau nehmen?

Gute Ernährung ist, zumindest in der Theorie, in aller Munde: In Büchern, Zeitschriften, Online-Foren oder Blogs wird diskutiert, was man sich im Idealfall einverleiben sollte. Eine Studie des GfK Vereins zum Thema zeigt: Gesunde Ernährung spielt bei der Mehrheit der Menschen eine große Rolle. 70 Prozent achten im Großen und Ganzen darauf, weitere 14 Prozent nehmen sie sogar sehr wichtig. Frauen sind dabei gesundheitsbewusster als Männer, vielleicht auch, weil die richtige Ernährung ein Schritt auf dem Weg zur schlanken Linie ist. Auch das Alter spielt eine Rolle: Ab Mitte 30 rücken Fragen nach dem richtigen Essen stärker in den Blick. Insgesamt gesehen ist das Gesundheitsbewusstsein langfristig stabil; nachdem die Menschen um die Jahrtausendwende vorübergehend etwas weniger Wert auf gesunde Ernährung legten, ist ihr Bedürfnis danach in den letzten Jahren wieder angestiegen. Nur noch vier Prozent der Bevölkerung achten heute überhaupt nicht darauf, wie gut sie sich ernähren. Im Jahr 2001 waren es noch mehr als doppelt so viele.

Vitamine haben Vorreiterrolle

Doch was macht eine gesunde Ernährung aus? Welche Regeln gelten jenseits des „Viel Obst und Gemüse“-Gebots? Neben diversen Ernährungstipps bietet der Markt ein breites Angebot an Zusatzstoffen, die die Nahrung aufpeppen sollen: Vitamine, Mineralstoffe, probiotische Kulturen und vieles mehr findet man heute in jedem Supermarktregal, doch nicht jeder Zusatzstoff kommt bei den Verbrauchern gleich gut an. Am ehesten glauben die Menschen an den Sinn von Extra-Vitaminen und Mineralstoffen in der Nahrung. Jeweils 68 Prozent halten die Beigabe für sehr oder zumindest eher nützlich; der Anteil der Skeptiker liegt jeweils unter 30 Prozent. Und auch in der Bekanntheit schaffen es Vitamine und Mineralstoffe ganz nach vorn. Nur 5 beziehungsweise 6 Prozent der Verbraucher können mit Begriffen wie Vitamin C oder Kalzium nichts anfangen.

Probiotische Kulturen auf Platz Drei

Auf Platz drei auf der Beliebtheits-Skala folgen die probiotischen Kulturen, die zum Beispiel als Helfer der Abwehrkräfte und der Darmflora beworben werden. 60 Prozent der Verbraucher halten diese Stoffe für eher oder sehr nützlich. Allerdings gibt es hier schon etwas mehr Skeptiker: 12 Prozent der Befragten meinen, probiotische Zusätze seien sehr überflüssig. Ein Grund könnten die mitunter medienwirksamen kritischen Berichte sein. Deren Autoren bemängeln, das Plus sei nicht notwendig, der teuer verkaufte Zusatz habe keinen echten Mehrwert für den Verbraucher.

Die geringste Zustimmung erfahren jedoch die Flavonoide, die antioxidativ wirken sollen. Nur jeder Fünfte findet sie nützlich, während fast 60 Prozent der Deutschen den Pflanzenfarbstoff für eher überflüssig oder sogar absolut nutzlos halten. Wahrscheinlich spielt hier auch eine Rolle, dass so mancher mit diesen Zusatzstoff wohl allenfalls dem Namen nach kennt. Und gut ein Viertel der Befragten kann mit dem Begriff Flavonoide gar nichts anfangen. Im Mittelfeld der Verbraucherakzeptanz bewegen sich Spurenelemente und Carotinoide. Gut ein Drittel der Deutschen findet sie zwar eher oder sehr überflüssig, doch deutlich mehr Menschen wissen ihren Einsatz zu schätzen.

Gesundheitsbewusste greifen eher zu Probiotika

Wie jemand zu ergänzenden Wirkstoffen in der Nahrung steht, hängt nur teilweise davon ab, wie viel Wert er auf gesunde Ernährung legt. So kommen probiotische Kulturen tatsächlich am ehesten bei den Verbrauchern an, die ohnehin auf ihre Ernährung achten. Fast zwei Drittel aus dieser Gruppe halten sie für nützlich oder sogar sehr nützlich. Und so packen sie zusätzlich zu Obst und Gemüse wohl auch häufiger noch den angereicherten Joghurt in den Einkaufswagen. Zum Vergleich: Bei den Menschen, die überhaupt nicht auf ihre Ernährung achten, liegt der Anteil mit 47 Prozent deutlich darunter.

Etwas anders verhält sich das bei Vitaminen, wie sie beispielsweise Getränken zugesetzt sind. Hier zeigt sich ein bemerkenswerter Unterschied zwischen denen, die sehr genau auf ihre Ernährung achten und denen, die im Großen und Ganzen darauf Wert legen. Jeder Dritte, dem ein gesunder Speiseplan sehr wichtig ist, findet entsprechende Zusätze überflüssig und greift wahrscheinlich lieber zu frischen Lebensmitteln, die ohnehin Vitamine enthalten. Wer wie die breite Masse mal mehr und mal weniger auf eine gesunde Ernährung achtet, zeigt sich weniger kritisch gegenüber solchen Produktanreicherungen. Nur etwa jeder Vierte zählt hier zu den Skeptikern.

Zusatzstoffe: Gesundheit leicht gemacht?

Obwohl ein Teil der Verbraucher auf manchen Zusatzstoff eher verhalten reagiert, weiß die Mehrheit das Extra in den Lebensmitteln zu schätzen – zumindest wenn es sich um die bekannten Stoffe wie Vitamine, Mineralstoffe oder probiotische Kulturen handelt. Egal, ob wir in stressigen Zeiten keine Zeit finden oder wir es uns im Alltag einfach ein klein wenig leichter machen wollen – Zusatzstoffe vermitteln uns wohl das Gefühl, dass wir uns etwas Gutes tun. Auch wenn wir dafür nicht jedes Mal Gemüse schnippeln, sondern manchmal auch einfach nur ins Supermarktregal greifen.


Datenquellen: GfK Verein (Omnibusumfrage März 2010)
Rückfragen bitte an Claudia Gaspar: claudia.gaspar@gfk-verein.org