Eine Prise Hoffnung

Januar 2010

Mit Feuerwerk und Korkenknallen sind viele Deutsche ins Jahr 2010 gestartet. Gute Vorsätze haben dieser Tage Hochkonjunktur, ebenso wie der Wunsch, dass es ein gutes Jahr werden möge – anders als das letzte, das ganz im Zeichen der Krise stand. Dass diese Krise bald überstanden sein könnte, daran glauben immer mehr Menschen. Langsam und noch etwas vorsichtig schöpfen sie Hoffnung.

Das Schlimmste liegt hinter uns – dies stellten im Dezember 2009 insgesamt 17 Prozent der Deutschen aufatmend fest. Das mag wenig klingen, doch immerhin hat sich die Zahl der Optimisten damit innerhalb eines halben Jahres fast verdreifacht – wenngleich sich der Stimmungsaufschwung zuletzt verlangsamt hat. Umgekehrt sank die Zahl derer, die der Zukunft mit Angst entgegensehen. 42 Prozent sahen im Frühsommer letzten Jahres das dicke Ende der Krise noch kommen, sechs Monate später sind es mit 24 Prozent deutlich weniger. Dies zeigen Ergebnisse einer Umfrage im Auftrag des GfK Vereins, der im vergangenen Jahr immer wieder der Frage nachging, wie tief die Bürger Deutschland in der Krise glauben. Gleich geblieben ist dabei die Zahl derer, die die Talsohle erreicht sehen. 36 Prozent waren es im Sommer, ebenso viele im Dezember. Ein kleiner Trost: Immerhin glaubt diese Gruppe auch, dass es nun nicht mehr weiter abwärts geht.

Am optimistischsten sind die Menschen, bei denen der Hauptverdiener im Haushalt einen sicheren Arbeitsplatz hat, die einigermaßen gut situiert oder der jüngeren Generation angehören. Für Befragte aus diesen Gruppen ist der Crash besonders häufig längst Geschichte. Kein Wunder, dass Menschen, die sich sicher versorgt oder jung genug für die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt fühlen, gelassener in die Zukunft blicken. Doch auch Befragte mit weniger guten Voraussetzungen schöpften zum Jahresende wieder etwas mehr Hoffnung.

Leben mit der Ungewissheit: Hoffnung wächst auch bei schlechter Gestellten

Noch vor wenigen Monaten hing der Blick in die Zukunft vor allem von der Sicherheit des Arbeitsplatzes und dem Blick auf den Kontostand ab. Wer sich um die feste Stelle des Hauptverdieners sorgte oder mit knappem Budget kämpfen musste, war überdurchschnittlich pessimistisch. Heute sieht die Situation etwas anders aus. Zwar steigt der Optimismus mit wachsender Sicherheit und höherem Kontostand, doch verliert die Krise auch bei weniger gut Gestellten einen Teil ihres Schreckens. „Das Schlimmste liegt noch vor uns“, sagten im Mai noch 53 Prozent der Menschen, die um den Arbeitsplatz des Hauptverdieners im Haushalt fürchteten. Im Dezember waren es nur noch 28 Prozent und damit nur etwas mehr als bei den Befragten, die sich mit Blick auf den Job sicher im Sattel fühlen.

Vielleicht sind es die Maßnahmen zur Schadensbegrenzung, die die Politik ergriffen und umgesetzt hat: Vor allem Kurzarbeit, Staatshilfen und die Hoffnung der Unternehmen, dass die Wirtschaft bald wieder anspringt, haben dazu beigetragen, dass der Arbeitsmarkt bislang relativ verschont blieb. Auch eine kurzfristige Sicherung der Jobs lässt die Menschen offenbar ein wenig Hoffnung schöpfen.

Ost-West-Vergleich: Die Kluft wird kleiner

Inzwischen hat sich der Optimismus auch im Osten der Republik etwas stärker ausgebreitet. Bis in den Herbst hinein lag die Region in punkto Optimismus deutlich hinter dem Westen. Dort war die Zahl der Pessimisten im August und September auf 26 Prozent gesunken, im Osten blieben 37 Prozent der Menschen skeptisch. Mittlerweile hat sich diese Schere jedoch fast wieder geschlossen. Insgesamt 27 Prozent der Ostdeutschen fürchten heute noch, dass die Talsohle der Krise noch nicht erreicht ist, die Westdeutschen liegen mit 23 Prozent nur geringfügig darunter.

Wie wird es weitergehen in diesem Jahr? Wird die Krise tatsächlich weiter an Schrecken verlieren oder die Deutschen auch künftig im Griff haben? Entscheidend wird sein, wie sich der Arbeitsmarkt weiter entwickelt und ob aus Kurzarbeitern Arbeitslose werden. In dieser Hinsicht begann das neue Jahr mit einer positiven Botschaft. Der Jobmarkt stemmt sich bislang halbwegs erfolgreich gegen die Krise. So ist die Zahl der Arbeitslosen im Dezember nur leicht auf etwa 3,3 Millionen gestiegen; Experten zeigten sich positiv überrascht von diesen Zahlen. Sie sind zwar kein Grund, schon jetzt erneut die Korken knallen zu lassen. Doch vielleicht ein Grund, hoffnungsvoller in die Zukunft zu blicken.


Datenquellen: GfK Verein (Omnibusumfrage Dezember 2009)
Rückfragen bitte an Claudia Gaspar: claudia.gaspar@gfk-verein.org