Ernährung? Geschmackssache!

Juni 2014

Sind Sie Fußball-Fan und zurzeit im WM-Fieber? Wenn ja, dann stellen auch Sie sich vielleicht die Frage, wie Sie ihren Fußball-Fernsehabend kulinarisch abwechslungsreich gestalten können. Tipps gibt es viele: So kreierte Fernseh-Koch Alfons Schuhbeck kürzlich zur Vorbereitung auf den deutschen Gegner Ghana Süßkartoffelpüree mit Okraschoten und Hühnchen. Frauenzeitschriften bieten leichte Snack-Varianten als Alternative zu Chips und Co, und Online-Portale wie lecker.de locken mit Fußball-Rezepten à la „Abseits-Farfalle“ oder „Schiri-Griller“ – ganz nach dem Motto: Vielfalt statt Einheitsbrei. Denn schließlich gibt es kein allgemeingültiges Rezept, was unsere Ernährungsvorlieben betrifft. Doch in einigen grundsätzlichen Fragen ist sich eine Mehrheit der Verbraucher recht einig.

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So ist den meisten Deutschen in Sachen Ernährung vor allem eines wichtig: Sie wollen, dass ihre Lebensmittel keine weiten Wege zurücklegen, bevor sie auf dem heimischen Tisch bzw. im Topf landen. Wenn sie die Wahl haben, entscheiden sich 63 Prozent der befragten Verbraucher für Produkte aus der Region. Dies zeigen aktuelle Ergebnisse des GfK Vereins, der im Mai mehr als 1.000 Menschen nach ihren Einstellungen rund um das Thema Ernährung gefragt hat.

Passend dazu äußern fast 60 Prozent auch eine Vorliebe für frische und saisonale Lebensmittel. 58 Prozent bzw. 57 Prozent der Befragten geben an, nicht konservierte Produkte sowie Obst und Gemüse zu bevorzugen, das in der jeweiligen Jahreszeit wächst. Immerhin jeder vierte Befragte zieht dabei Lebensmittel mit Bio-Siegeln solchen ohne entsprechende Kennzeichnung vor.

Für altbewährte Rezepte begeistern sich auch heute noch mehr als die Hälfte der Konsumenten: Bei 56 Prozent finden sich Klassiker der traditionellen Hausmannskost wie Schnitzel, Eintopf oder Bratkartoffeln auf dem Speiseplan. Gentechnisch verändert sollten die Zutaten aber möglichst nicht sein, findet eine Mehrheit der Deutschen. Jeder Zweite bevorzugt Lebensmittel, die klar gekennzeichnet ohne diese Technologie auskommen. Ansonsten sind die Bundesbürger mitunter durchaus experimentierfreudig beim Essen. Gut 40 Prozent begeben sich gern auf kulinarische Reisen und testen genüsslich Spezialitäten aus anderen Ländern.

Von Pragmatikern und Gesundheitsbewussten

Neben dem Genuss ist für viele Deutsche aber auch das eigene körperliche Wohlbefinden ein Teil der Ernährungsphilosophie: So achten 40 Prozent der Befragten beim Essen vor allem auf die Gesundheit. Etwas weniger (35 Prozent) behalten zudem die Waage im Auge oder kontrollieren beim Einkaufen die Zutatenliste der Lebensmittel. Doch nicht alle setzen sich so intensiv mit dem Thema Ernährung auseinander. So sagen 37 Prozent, dass ihnen zu viel Wirbel um die Ernährung gemacht wird. Und 32 Prozent ist es weniger wichtig ob das Essens gesund ist oder nicht – solange es nur schmeckt.

Jeder vierte Befragte schaut zudem auch anderen gerne beim Gemüseschnippeln, Würzen und Braten zu und genießt Kochsendungen im Fernsehen. Wenn der Appetit dann besonders groß ist, kann man das Gesehene entweder gleich selbst nachkochen oder sich gemütlich zurücklehnen und den Lieferdienst kommen lassen. 23 Prozent der Deutschen verlassen sich beim Essen gern auf die Fähigkeiten anderer – sie greifen zum Telefon und lassen sich ihr Abendessen liefern, oder sie gehen zum Imbiss um die Ecke. Auch Fertiggerichte packen 17 Prozent gern in den Ofen.

Ältere Menschen: klassische und gesunde Küche

Dass die Geschmäcker sprichwörtlich verschieden sind, ist hinlänglich bekannt. Dabei scheint vor allem das Alter eine Rolle zu spielen. So legen ältere Menschen mehr Wert auf regionale, frische und saisonale Produkte als jüngere Verbraucher. Beim Kochen greift die Generation im Rentenalter dann gerne auf Bewährtes zurück – die klassische Hausmannskost favorisieren drei Viertel der Älteren, Spezialitäten aus anderen Ländern dagegen probieren die Senioren deutlich seltener als der Durchschnitt. Mit steigendem Alter werden auch die gesundheitlichen Aspekte der Ernährung immer wichtiger, und es reift offenbar die Erkenntnis, dass man mit gesunder Ernährung körperlichen Einschränkungen entgegensteuern kann. So geht es überdurchschnittlich vielen Menschen über 65 beim Thema Ernährung vor allem um die Gesundheit. Frei nach dem Motto: „Deine Nahrungsmittel seien deine Heilmittel.“ Diesen Satz soll der griechische Arzt Hippokrates einst gesagt haben.

Junge Erwachsene: probieren, wie’s woanders schmeckt

Die junge Generation zwischen 20 und 34 Jahren geht insgesamt etwas unkritischer mit dem Thema Ernährung um. Sie kümmert sich weniger um gesundheitliche Aspekte und greift entsprechend häufiger zu Fast Food und Fertiggerichten als die Durchschnittsbevölkerung. Dafür sind die Jungen aber auch etwas experimentierfreudiger: Jeder zweite Verbraucher unter 35 lässt sich gerne Gerichte aus aller Welt auf der Zunge zergehen.

Frauen mögen‘s gesund, Männer lecker

Wer jemals die Gelegenheit hatte, in einem Sternerestaurant einen Blick in die Küche zu werfen, dürfte eines festgestellt haben: Es sind häufig Männer, die mit heißen Pfannen hantieren oder Saucen schaumig schlagen. Im Privaten dagegen interessieren sich vor allem die Frauen für das Thema Ernährung und Essen – sie gehen insgesamt viel bewusster mit Fragen rund um Lebensmittel, Kochen und Gesundheit um. So achten Frauen überdurchschnittlich häufig auf Inhaltsstoffe und Bio-Siegel und bevorzugen frische, saisonale und regionale Produkte sowie gentechnikfreie Ware. Sie schalten häufiger Kochsendungen ein, denken beim Essen und Trinken an die Kalorien und greifen deutlich seltener zu Fertiggerichten und Fast-Food als Männer. Diese interessieren sich dagegen in erster Linie für den Geschmack: 42 Prozent finden es nicht so wichtig, wie gesund das Essen ist, solange es mundet. Und fast jeder zweite Mann meint, dass viel zu viel Trubel rund ums Essen gemacht wird. Bei den Frauen sieht das nur etwa ein Viertel so.

Junge Frauen und Männer: unterschiedliche Ernährungswelten

Wer nun glaubt, dass Geschlechterunterschiede vor allem bei älteren Verbrauchern zu finden sind, der irrt. Gerade junge Frauen und Männer sind es, die in ihren Einstellungen zum Thema Ernährung am weitesten auseinander liegen. So achten junge Frauen zwischen 20 und 34 Jahre wesentlich stärker auf kurze Transportwege, Frische und saisonale Angebote als ihre männlichen Altersgenossen. Sie interessieren sich auch sehr viel mehr für die Inhaltsstoffe in Lebensmitteln. Außerdem achten mehr als doppelt so viele junge Frauen bei der Ernährung auf ihre Figur und ihre Gesundheit. Bei jungen Männern erfreut sich hingegen Fast Food großer Beliebtheit: 52 Prozent der Männer zwischen 20 und 34 Jahren essen gerne etwas von der Imbissbude oder vom Lieferdienst. Bei den jungen Frauen sind dies nur 30 Prozent. Dafür schauen sie gerne den – meist männlichen – Spitzenköchen im Fernsehen zu. 37 Prozent der Frauen zwischen 20 und 34 Jahren sehen gerne Kochsendungen im Fernsehen während dieses TV-Format nur bei 12 Prozent ihrer männlichen Altersgenossen eine größere Anhängerschaft findet. Mit zunehmendem Alter nähern sich Mann und Frau in puncto Ernährung etwas an, wie das Beispiel Saisonalität besonders gut zeigt. So greift mehr als jede zweite Frau unter 35 zu Obst und Gemüse der Saison, aber nicht einmal jeder fünfte Mann derselben Altersgruppe. Bei den über 65-Jährigen verringern sich die Differenzen, und die Geschlechter liegen nur noch 9 Prozentpunkte auseinander.

Vielfalt auf dem Teller

In puncto Ernährung ist heutzutage ja (fast) alles möglich: Während Veganer mit Begeisterung eingelegte Tofu-Streifen und diverse Gemüsesorten auf den Grill legen, pilgern Steak-Spezialisten auf der Suche nach dem zartesten Stück Fleisch durch die Metzgereien. Zahlreiche Hobby-Köche holen sich ihre Inspiration von den Profis im TV, die heute von den Vorteilen der Molekular-Küche schwärmen und morgen das Comeback der Kartoffelsuppe proklamieren. Wer sich angesichts so vieler Möglichkeiten vor dem nächsten WM-Spiel jetzt nicht entscheiden kann, ob er zur Bratwurst greift, einen kalorienarmen Snack aus Obst und Gemüse der Saison zubereitet oder sich einfach etwas vom Thailänder an der Ecke kommen lässt, der sollte es mit Immanuel Kant halten und einfach das zu sich nehmen, was ihm am besten bekommt und mundet. Denn schließlich wusste schon der große deutsche Philosoph: „Über Geschmack lässt sich nicht disputieren.“.


Datenquelle: GfK Verein (Omnibus Umfrage, Mai 2014)

Rückfragen zu diesem Artikel bitte an Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org) oder Claudia Stürmer (claudia.stuermer@gfk-verein.org).

Juni 2014