Gen-Food: Gefahr oder Segen?

Juli 2014

Vermutlich sagen Begriffe wie „MON 810“, Amflora oder „Mais 1507“ den wenigsten Menschen etwas. Dabei steckt hinter allen dreien ein Prinzip, das immer wieder für Diskussionen sorgt: Gentechnik. MON810 & Co. sind gentechnisch veränderte Mais- bzw. Kartoffelpflanzen, die auf europäischen Äckern schon einmal Wurzeln geschlagen haben oder über deren Zulassung zum Anbau die EU-Kommission demnächst entscheiden soll. In Deutschland beschleicht viele Menschen beim Gedanken an Gentechnik auf dem Teller offenbar ein flaues Gefühl im Magen.

52 Prozent der Deutschen bevorzugen Lebensmittel, auf deren Etikett „ohne Gentechnik“ zu lesen ist – das hat bereits das Juni-FokusThema zu den Ernährungseinstellungen der Deutschen gezeigt. Doch wie bekannt ist das Konzept von gentechnisch veränderten Lebensmitteln in der Bevölkerung? Und welche Aspekte verbinden die Menschen konkret mit dieser Technologie? Dazu hat der GfK Verein aktuell rund 2.000 Menschen nach ihrem Wissen und den Einstellungen rund um das Thema Gentechnik gefragt. Es zeigt sich ganz klar: Die Mehrheit der Deutschen ist mit dem Begriff „gentechnisch veränderte Lebensmittel“ schon einmal in Berührung gekommen. Dennoch hat längst nicht jeder eine klare Vorstellung, was sich genau dahinter verbirgt.

Begriff Gentechnik: flächendeckende Bekanntheit

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Zumindest medial sorgen gentechnische Verfahren, beispielsweise in der Landwirtschaft, immer wieder für Aufregung. Diese Präsenz schlägt sich auch in der Bekanntheit des Begriffs nieder. Die Formulierung „gentechnisch veränderte Lebensmittel“ haben 90 Prozent der Deutschen schon einmal irgendwo gehört, gelesen oder gesehen – 49 Prozent sind sich dessen sogar ganz sicher. Dagegen ist der Begriff nur jedem Zehnten völlig fremd. Dieser hohe Bekanntheitsgrad zieht sich relativ unabhängig von Alter, Geschlecht oder Region durch alle Bevölkerungsgruppen hindurch, die Unterschiede fallen eher gering aus. So schneiden Befragte mittleren Alters überdurchschnittlich ab: Zwischen 35 und 64 Jahren kennt mehr als jeder Zweite den Begriff ganz sicher. Außerdem zeigen sich Frauen jüngeren und mittleren Alters (bis 49 Jahre) tendenziell besser informiert als Männer in der gleichen Altersgruppe. Dieses Verhältnis kehrt sich jedoch später um: Ab 50 Jahre liegen die Männer in puncto Begriffsbekanntheit vorn.

Assoziationen: Vorteilhaft oder verbotswürdig?

Für die Befürworter sind gentechnische Verfahren Heilmittel gegen Hunger und Mangelernährung, für die Kritiker stellen sie einen Eingriff in die Natur dar, der ungeahnte Folgen für den Menschen haben kann. Doch was genau verbinden die Menschen in Deutschland mit Gen-Nahrungsmitteln? Die Antworten der Kenner fallen gespalten aus und spiegeln die gesamte Bandbreite an Einstellungen wieder. Negative Aspekte wie „unnatürlich / künstlich“, „schädlich“ oder „Unsicherheit / Risiken“ werden ebenso genannt wie positive oder wertfreie Assoziationen. So steht Gentechnik für jeden Fünften ganz neutral für Lebensmittel, die in puncto Geschmack oder Aussehen verändert sind. Jeder Zehnte denkt an Genmanipulationen und eine veränderteDNA, andere wiederum an bearbeitetes Saatgut und Tierfutter. 15 Prozent der Befragten äußern sich positiv und assoziieren mit Gentechnik Produkte und Pflanzen, die in Sachen Haltbarkeit, Resistenz und Ertrag Pluspunkte bieten.

Kauf von Gen-Food: ja, nein, vielleicht?

Der Blick auf die vergangenen zehn Jahre zeigt: Die Menschen in der Bunderepublik sind tendenziell etwas kritischer geworden. Kam 2004 für insgesamt 44 Prozent der Kauf von Gen-Food definitiv nicht in Frage, stieg der Wert nun auf 53 Prozent. Allerdings stößt die Technologie keinesfalls bei allen Bundesbürgern auf Ablehnung. Uneingeschränkt würde zwar nur ein Prozent der Befragten zu Gen-Food greifen, doch immerhin 11 Prozent können sich vorstellen, solche Lebensmittel zu erwerben – wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind. Die potenziellen Käufer achten dabei in erster Linie auf die Sicherheit und Gesundheit der Produkte: Diese dürfen weder Mensch noch Umwelt schaden und sollen möglichst gesünder sein als die konventionelle Kost. Auch ein besserer Geschmack, Preisvorteile oder ein Hersteller, dem man vertraut, sind Argumente, die für die Kaufentscheidung eine Rolle spielen.

Zehn-Jahres-Bilanz: Zahl der Verweigerer leicht gestiegen

Eine andere Gruppe von Verbrauchern will dagegen keine Argumente, sondern erst einmal genügend Informationen zum Thema. Jeder vierte Befragte nämlich gibt an, einfach nicht genug zu wissen, um sich eine fundierte Meinung zum Kauf von Gen-Food bilden zu können – hier besteht neben Interesse am Thema offenbar seit Jahren Informationsbedarf. Schließlich liegt der Anteil dieser Gruppe seit 2004 konstant bei 26 Prozent. Dennoch hat sich das Verhältnis von Verweigerern, potenziellen Käufern und den Menschen, die sich noch keine Meinung gebildet haben, seit 2004 verschoben: So ist der Anteil der potenziellen Käufer von 17 Prozent auf aktuell 11 Prozent gesunken, während die Verweigerer anteilsmäßig zulegten. An Brisanz hat das Thema für die Verbraucher offenbar nicht verloren. Das zeigt auch der leicht rückläufige Anteil derer, die sich nicht für das Thema Gentechnik bei Lebensmitteln interessieren (2004: 12 Prozent, 2014: 9 Prozent).

Gen-Veränderungen: Kleine Ursache, große Wirkung

Die Sorte „Mais 1507“ könnte demnächst von der EU-Kommission freigegeben werden – das wäre nach mehr als 10 Jahren die erste Neuzulassung für den Anbau von gentechnisch verändertem Mais in der EU. Und selbst dann können die einzelnen Mitgliedsstaaten nationale Anbauverbote erlassen. Ob die Saat von „Mais 1507“ auf europäischen Äckern jemals aufgehen wird, ist also noch längst nicht entschieden. Die Verbraucher stimmt das offensichtlich wenig sicher – ihr Informationsbedarf ist weiter hoch. Darauf haben öffentliche Einrichtungen wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft oder das Bundesamt für Verbraucherschutz reagiert. Auf ihren Seiten wird erklärt, wie man gentechnisch veränderte Inhaltsstoffe in Lebensmitteln erkennt oder was das freiwillige Siegel „ohne Gentechnik“ bedeutet, das der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG e.V.) vergibt. Wer noch im Supermarkt wissen möchte, was sich in den Produkten verbirgt, der könnte es mal mit der App „Barcoo“ für das Smartphone versuchen. Dieser Barcode-Scanner liefert dem Nutzer die verschiedensten Produktinformationen – auch in puncto Gentechnik.


Datenquelle: GfK Verein (Omnibus Umfrage, Juni 2014)

Rückfragen zu diesem Artikel bitte an Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org) oder Claudia Stürmer (claudia.stuermer@gfk-verein.org).

Juli 2014