Gesundheit!

August 2014

Der eine wird regelmäßig von lästigen Allergien geplagt, der andere leidet seit Jahren unter Panikattacken, wieder andere müssen sich plötzlich mit lebensbedrohlichen Diagnosen auseinandersetzen. Wer krank ist, weiß und spürt das in der Regel früher oder später. Doch wie genau fühlt sich Gesundheit an? Was bedeutet dieser Zustand für uns? Und was tun wir dafür, gesund zu bleiben? Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Gesundheit in ihrer Verfassung von 1946 als „Zustand des vollständigen körperlichen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit und Gebrechen“. Doch was verbinden die Menschen in Europa und den USA mit Gesundheit? Inwieweit fühlen sie sich selbst dafür verantwortlich und handeln entsprechend?

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Keine Masern, kein Husten, kein Fieber – wer nicht krank ist, hat Grund zur Freude und oftmals auch schon eine erste Definition von Gesundheit gefunden. Denn in den meisten Ländern verbinden die Menschen als erstes die Abwesenheit von Krankheiten mit dem Gesundheitsbegriff. Lediglich in Deutschland und den USA wird dieser Aspekt erst an zweiter Stelle genannt. Für Amerikaner heißt Gesundheit in erster Linie, gut auf sich achtzugeben. Die Bundesbürger denken dabei vor allem an körperliche Leistungsfähigkeit und Fitness. Dies sind Ergebnisse der Studie „Self Care“, für die der GfK Verein über die Gfk Switzerland im März 2014 rund 9.000 Menschen aus acht verschiedenen Ländern – Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, die Schweiz, Schweden und die USA – online befragen ließ.

Assoziationen: Was heißt es, „gesund zu sein“?

In den meisten Ländern rangieren die gleichen Assoziationen unter den Top 3: Ein gesundes Gleich-gewicht zwischen Körper und Geist verbinden sowohl die Südeuropäer als auch Schweizer und Schweden häufig mit einem guten Gesundheitszustand. Neben dieser Ausgeglichenheit wird zudem auch das Gefühl, mit sich selbst im Einklang zu sein, in diesen Ländern genannt. Anders sieht dies in Deutschland, UK und den USA aus. In den beiden angelsächsischen Ländern denken die Menschen eher an körperliche Fitness und Leistungsfähigkeit sowie daran, auf sich achtzugeben, wenn sie den Begriff näher beschreiben sollen. Diese Achtsamkeit steht bei den Deutschen nicht im Vordergrund. Sie definieren Gesundheit sehr leistungsorientiert: Körperliche Leistungsfähigkeit steht auf Platz 1, gefolgt von der Abwesenheit von Krankheiten und, auf Rang drei, geistiger Fitness.

Wer nach Balance strebt, fühlt sich gesünder

Allein im Jahr 2010 wurden nach WHO-Angaben weltweit rund 6,5 Billionen US-Dollar für die Gesundheit der Menschen ausgegeben. Medizinischer Fortschritt und eine steigende Lebenserwartung in den Industrieländern lassen den Gesundheitsmarkt voraussichtlich auch in den kommenden Jahren weiter wachsen. Inwieweit diese Ausgaben für mehr Wohlbefinden bei den einzelnen Menschen sorgen, lässt sich an dieser Stelle nicht sagen. Zumindest die Befragten in den untersuchten Ländern sind jedoch aktuell ganz zufrieden mit ihrem Gesundheitszustand. Allerdings gibt es durchaus Unterschiede zwischen den einzelnen Nationen. Dabei fällt auf: Wer Gesundheit mit einem Gefühl der Ausgeglichenheit und des Einklangs assoziiert, ist offenbar zufriedener mit seinem momentanen Befinden als diejenigen, für die Gesundheit vor allem mit Leistungsfähigkeit verbunden ist: So sind fast drei Viertel der Schweizer glücklich mit ihrer Gesundheit, gefolgt von den Spaniern (69 Prozent) und Schweden (64 Prozent). Dagegen äußert sich in Großbritannien, wo die Befragten mit Gesundheit vor allem körperliche und Leistungsaspekte verbinden, nur gut jeder Zweite positiv. Das Land verzeichnet zudem mit 30 Prozent die meisten Menschen, die mit ihrem Befinden hadern. Und auch die leistungswilligen Bundesbürger vergeben in Sachen Zufriedenheit eher mittelmäßige Noten. Hierzulande blicken nur 56 Prozent entspannt auf ihr körperliches und geistiges Befinden.

Eigenverantwortung: Gesundheit selbst gemacht

Wer an seinem Gesundheitszustand etwas verbessern möchte, ist häufig selbst gefragt. Schließlich entscheiden die meisten eigenständig, ob sie sich genügend bewegen, gesund ernähren, bei Be-schwerden zum Arzt gehen oder ihre Medikamente regelmäßig nehmen. Auch die Mehrheit der Befragten stimmt der Aussage zu, für das eigene körperliche und geistige Wohlbefinden selbst verantwortlich zu sein. Doch die Werte einzelner Länder gehen mitunter deutlich auseinander. Wer wie die Deutschen die Leistungsfähigkeit in den Vordergrund stellt oder wie die Amerikaner „gesund sein“ mit Selbstfürsorge gleichsetzt, ist offenbar auch bereit, Verantwortung für sich zu übernehmen. So sehen drei Viertel der Deutschen und 68 Prozent der Amerikaner Gesundheit als Aufgabe jedes Einzelnen an. Allerdings sind es die nach Einklang mit sich selbst strebenden Schweden, die sich am stärksten in der Verantwortung für die eigene Gesundheit sehen: Fast 80 Prozent fühlen sich in erster Linie selbst für ihr gesundheitliches Befinden zuständig. Auch in der Schweiz teilen etwa drei Viertel der Befragten diese Ansicht. Im Vergleich dazu liegt für die Franzosen und Spanier die Gesundheit weniger in der eigenen Hand – wenngleich auch dort die Mehrheit die Einstellung vertritt, selbst für das persönliche Wohlergehen sorgen zu müssen. Dabei darf man allerdings nicht außer Acht lassen, dass in all diesen Ländern unterschiedliche Gesundheitssysteme etabliert sind, die die Selbstverantwortung des Einzelnen in verschieden starkem Maße fordern.

Deutschland: Mehr Eigenverantwortung im Alter

In der Bundesrepublik fällt das Gefühl der Eigenverantwortung also insgesamt recht stark aus, wobei Männer hier mehr als Frauen die Verantwortung für ihre Gesundheit bei sich selbst sehen. Unabhängig vom Geschlecht finden mit zunehmendem Lebensalter immer mehr Menschen, dass sie für ihr körperliches und geistiges Wohlbefinden selbst aktiv werden müssen. Während unter den 20- bis 30-jährigen Männern noch jeder Zehnte dem Prinzip Eigenverantwortung eine Absage erteilt, tut dies bei den über 50-Jährigen nicht einmal mehr jeder 20. Auch bei den Frauen steigt die Zustimmung zur Gesundheit in Eigenregie mit dem Alter an.

Informationsverhalten: Wissen wollen, was gesund hält

Wer sich selbst um sein körperliches und seelisches Wohlbefinden kümmern möchte, benötigt vor allem eines: passende Informationen. Dabei ist das Interesse an Gesundheitsthemen nicht in allen Ländern gleich groß. Während in Spanien nur rund ein Drittel der Befragten mehr über Vorsorgeuntersuchungen, Krankheitssymptome oder Behandlungsmöglichkeiten lernen will, sind es in Italien stolze 61 Prozent. Damit zeigen sich die Italiener aber auch im Vergleich zu den restlichen Ländern als besonders wissbegierig. In Großbritannien und den USA – also den Ländern, in denen Gesundheit vor allem durch „auf sich Acht geben“ definiert wird, signalisiert jeder Zweite Interesse. In Schweden, Frankreich, der Schweiz und Deutschland zeigen sich dagegen nur etwas über 40 Prozent ziemlich oder sehr am Thema Gesundheit interessiert.

Informationssuche: am liebsten online

Wer im Internet nach Informationen rund um den Begriff „Gesundheit“ sucht, der erhält fast 80 Millionen Suchmaschinen-Einträge. Das World Wide Web ist auch Hauptinformationsquelle für die meisten Verbraucher und rangiert in allen Ländern auf dem ersten Platz der fünf meistgenutzten Quellen. Am häufigsten surfen die Italiener auf der Suche nach Wissenswertem rund um die Gesundheit durchs Netz. Und auch in Schweden und den USA informiert sich fast jeder Vierte regelmäßig online.

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!

„Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ – so lautet bekanntermaßen der gute Rat, wenn es um Medikamente geht. Diesen Appell nehmen sich die Befragten durchaus zu Herzen. Ärzte und Krankenschwestern sind ist vor allem für die Menschen in Südeuropa wichtige Informationsgeber und landen dort auf Platz zwei im Ranking. In den übrigen Ländern verlassen sich die Verbraucher eher auf Erfahrungen aus dem persönlichen Umfeld. Familie, Freunde und Bekannte sind in Deutschland, Großbritannien, Schweden, den USA und der Schweiz die zweitwichtigste Informationsquelle nach dem Internet. Und wenn Oma, Onkel oder die beste Freundin nicht mehr weiterwissen, greifen die Menschen zur Fachlektüre. Während die Schweizer und die Deutschen ihren Wissensdurst mithilfe von Gesundheitszeitschriften wie beispielsweise der „Apotheken-Umschau“ stillen, nutzen viele andere Befragte Fachbücher zum Thema: In sieben Ländern gehört Gesundheitsliteratur zu den Top 5 der oft genutzten Quellen. Besonders häufig werden die Bücher in Schweden aus dem Regal geholt; hier nutzt sie jeder Zehnte regelmäßig.

Vom Glück, gesund zu sein

Doch egal, wie viele Gesundheitsratgeber man kauft, wie viele Ärzte und Krankenschwestern man kennt oder mit wie vielen Usern man online über Themen von Akne bis Zeckenbiss diskutiert – was Gesundheit bedeutet, ist individuell verschieden und damit eine höchstpersönliche Angelegenheit. Deshalb sollte man sich auch höchstpersönlich um ihren Erhalt kümmern – wofür es manchmal gar keine schmerzhaften Spritzen und bittere Pillen braucht, sondern vor allem Lebensfreude. Diese verschrieb sich zumindest schon der französische Philosoph und Schriftsteller Voltaire. Auf seinem „Rezept“ soll gestanden haben: „Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.“.


Datenquelle: GfK Verein, GfK Switzerland (Studie “Self Care”, März 2014)

Rückfragen zu diesem Artikel bitte an Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org) oder Claudia Castaldi (claudia.castaldi@gfk-verein.org).

Für alle weiteren Fragen zu GfK Compact wenden Sie sich bitte an Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org).

August 2014