Großstädte in Deutschland: bei Singles beliebt

April 2016

Ein Blind-Date im Museum, Spiele-Abende oder eine Radeltour zum Start in den Frühling – die Liste der Aktivitäten, die heutzutage speziell für Singles angeboten werden, ist lang. Wer das Stadtleben liebt und zugleich seine Flirtchancen erhöhen möchte, sollte zumindest statistisch gesehen über einen Umzug nach Leipzig, Hannover, Berlin, München oder Düsseldorf nachdenken. Hier liegt der Anteil an Ein-Personen-Haushalten – und damit auch an potenziellen Singles  – bei über 50 Prozent und somit deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Insgesamt gab es im Jahr 2015 in der Bundesrepublik 38 Prozent Ein-Personen-Haushalte. In der Hauptstadt sieht das ganz anders aus: Gut die Hälfte (51 Prozent) der rund 3,4 Millionen Berliner Bürger lebte im vergangenen Jahr allein. Im studentisch geprägten Leipzig sind es mit knapp 52 Prozent sogar noch mehr. Ähnlich hohe Quoten wie in Berlin gibt es noch in Hannover, München und Düsseldorf. Doch auch in den anderen großen Städten ist der Anteil vergleichsweise hoch: Frankfurt am Main und Nürnberg bringen es auf jeweils 48 Prozent Singlehaushalte und landen damit auf Platz 6 im Ranking, gefolgt von Hamburg und Köln mit jeweils 47 sowie Bremen und Dresden mit 46 Prozent. In den Ruhrmetropolen Essen und Dortmund leben 45 Prozent der Einwohner allein, ebenso viele sind es in Stuttgart. Im Vergleich dazu gibt es in Duisburg mit 42 Prozent relativ wenige Ein-Personen-Haushalte. Dies zeigt die Studie „GfK Bevölkerungsstrukturdaten Deutschland 2015“, aus der wir hier einen Auszug zu den 15 einwohnerreichsten Städten vergleichen. Die Studie selbst enthält regionale Informationen zu soziodemografischen Zielgruppenmerkmalen für alle Regionen in Deutschland – vom Bundesland bis zur Gemeinde oder Postleitzahl.

Familien mit Kindern: am seltensten in Leipzig

Doch woran liegt es, dass in bestimmten Großstädten so viel mehr Ein-Personen-Haushalte als Familien mit Kindern zu finden sind? Neben dem umfangreicheren Kultur- und Bildungsangebot liegt das vielleicht auch daran, dass für einzelne Personen die Hürden auf dem städtischen Wohnungsmarkt leichter zu bewältigen sind. Eine bezahlbare Unterkunft in guter Großstadtlage für eine Familie mit Kindern zu finden, kann in manchen Gegenden Deutschlands schließlich zu einer großen Herausforderung werden – vor allem im urbanen Raum. Auch finden sich in vielen deutschen Metropolen Universitäten und ein attraktives Umfeld für junge Menschen, die eben meist noch keine Familie haben. Ebenso ist für ältere Menschen das Wohnen in der Stadt attraktiv, da sie hier im Gegensatz zum „platten Land“ alles Wichtige zu Fuß erreichen können. Die „Single“-Haushalte sind folglich meist sehr jung oder im Seniorenalter. Vermutlich ist das auch ein Grund dafür, dass sich Haushalte mit Kindern in den 15 einwohnerstärksten Städten seltener finden als im Bundesdurchschnitt. Während im gesamtdeutschen Durchschnitt fast jeder Dritte (32 Prozent) die eigenen vier Wände mit Kind und Kegel teilt, sind es im teuren München gerade einmal 23 Prozent. Hannover und Dresden melden ebenso geringe Quoten. Düsseldorf und Berlin bringen es ebenfalls nur auf 24 Prozent Mehrpersonenhaushalte mit Kindern, in Hamburg, Bremen und Nürnberg sind es 25 Prozent. Den kleinsten Anteil der 15 einwohnerstärksten Städte erreicht Leipzig mit 20 Prozent, den größten Duisburg mit 29 Prozent. Die übrigen Metropolen liegen mit 26 bzw. 27 Prozent dazwischen. Wer dem Single-Dasein ein Ende setzt und eine Familie gründet, tauscht das breite Angebot an Bars, Restaurants oder Kinos offenbar häufig gegen ein ruhigeres Leben im Grünen.

Zusammen ohne Kind: Am häufigsten in Dresden

Doch was ist mit all jenen Menschen, die kinderlos sind, aber nicht alleine leben? Man könnte vermuten, dass die Großstädte neben Singles auch viele kinderlose Paare oder Wohngemeinschaften anziehen. Doch die Studie zeigt, dass die Zahl der Mehrpersonenhaushalte ohne Kinder in den 15 einwohnerstärksten Städten ziemlich um den Durchschnitt pendelt. Stuttgart, Bremen sowie in die Ruhrgebietsstädte Dortmund, Duisburg und Essen weichen mit jeweils 29 Prozent kaum vom Bundesdurchschnitt (30 Prozent) ab. Hamburg mit 28 sowie Leipzig, Nürnberg und München mit 27 Prozent zeigen zumindest kleine Abweichungen. Berlin, Frankfurt, Hannover und Düsseldorf weisen im Vergleich der 15 größten Städte mit 26 Prozent den geringsten Anteil an Mehrpersonenhaushalten ohne Kinder auf. Einzig im Elbflorenz Dresden liegt der Anteil der Haushalte ohne Kinder mit 32 Prozent leicht über dem Bundesdurchschnitt.

Essen, Duisburg und Dortmund: viele ältere Hauptverdiener

Dass unsere Gesellschaft immer älter wird, ist längst kein Geheimnis mehr. Da verwundert es auch nicht, dass sich in der Generation 60 plus bundesweit die meisten Haushaltsvorstände finden: In mehr als jedem dritten Haushalt (36 Prozent) ist zumindest der Haupteinkommensbezieher 60 Jahre oder älter. In Essen wird dieser Wert mit 37 Prozent sogar noch leicht übertroffen. Duisburg und die einwohnerreichste Stadt des Ruhrgebiets Dortmund liegen in etwa auf dem gesamtdeutschen Niveau. Doch das sind die Ausnahmen. In den anderen hier untersuchten Großstädten sind ältere Haushalte unterrepräsentiert. Ganz besonders gering ist der Anteil in Frankfurt: Hier sind es nur 29 Prozent. Und auch in Berlin, Hamburg und München ist die betagtere Generation mit lediglich mit etwa 30 Prozent vertreten. 

Leipzig und Dresden: Städte für junge Haushalte 

Hauptverdiener zwischen 40 und 60 Jahren leben im gesamten Bundesgebiet in 38 Prozent (jeweils 19 Prozent zwischen 40 und 50 sowie 50 und 60 Jahren) der Haushalte. Während 50- bis 60-Jährige seltener zu finden sind als im Rest der Republik, zeigen sich bei der Gruppe der 40- bis 50-Jährigen in den meisten der 15 hier verglichenen Großstädte kaum Abweichungen zum Bundesdurchschnitt. Ausnahmen bilden hier nur Leipzig und Dresden. Ein anderes Bild zeigt sich in den jüngeren Altersgruppen. Während im Bundesdurchschnitt in 15 Prozent der Haushalte ein 30- bis 40-jähriger Hauptverdiener lebt, liegt der Anteil in den meisten Großstädten deutlich höher – allen voran in München und Frankfurt: Hier liegt der Anteil über 20 Prozent. Noch extremer sind die Abweichungen bei den jüngsten Haushalten mit Hauptverdienern unter 30 Jahren. Während sie im bundesdeutschen Durchschnitt 12 Prozent ausmachen, liegt der Wert in vielen der betrachteten Großstädte erheblich darüber. Gerade Leipzig ist offenbar nicht nur eine Stadt mit vielen Singles, sondern auch die Metropole mit überdurchschnittlich vielen jungen Haushalten (22 Prozent), gefolgt von Dresden mit 20 Prozent. Berlin, Hannover und Nürnberg folgen mit einigem Abstand und Werten von 16 bzw. 15 Prozent.

Stress in der Stadt: Orte der Ruhe finden

Egal, ob man nun kinderloser Rentner mit Theater-Abo, Mittdreißigerin mit Großfamilie oder aufstrebender Hauptverdiener Ende 20 ist – in Deutschland gibt es für die unterschiedlichsten Bedürfnisse passende Städte und Regionen – sofern man angesichts familiärer Bindungen oder dem Angebot an Arbeitsplätzen so frei ist, sich den Wunsch-Wohnort aussuchen zu können. Wer sich in einer der Großstädte niederlässt, auf den warten ein breites Kulturangebot, eine gute Infrastruktur und jede Menge Abwechslung. Doch das Stadtleben hat auch Nebenwirkungen, wie Mazda Adli, Leiter des Forschungsbereiches „Affektive Störungen“ an der Berliner Charité und Chefarzt der Fliedner-Klinik, festgestellt hat: Wenn soziale Dichte und soziale Vereinsamung zusammenträfen, entstehe stadtspezifischer, sozialer Stress. (Siehe Berliner Zeitung vom 20.10.2014). Wer also auf engstem Raum lebt und die Nachbarn ständig hört, aber nicht kennt, läuft Gefahr, krank zu werden. Ein Umzug in eine ruhigere Gegend kann da helfen – oder aber man geht in der Stadt regelmäßig auf Abstand zu Chaos und Trubel: „Finden Sie Ihre Oase in der Großstadt!“ meint Mazda Adli „… Das kann <auch> eine Parkbank sein, dazu muss man nicht an einen See nach Brandenburg fahren.“


Datenquelle: GfK Geomarketing „GfK Bevölkerungsstrukturdaten Deutschland“ (2015)

Rückfragen zu diesem Artikel bitte an Cornelia Lichtner (cornelia.lichtner@gfk.com) oder Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org).

Rückfragen zu GfK Compact bitte an Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org).


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