Lichtblicke inmitten der Krise: Gutes in schlechten Zeiten

Juni 2009

Hurra, wir leben noch! So betitelte kürzlich ein Nachrichtensender einen Kommentar zur Krise. Und stellte – wie viele andere Medien, Experten und vor allem Verbraucher – fest: Der Aufschwung kommt. Nur wann? Immerhin: Der ifo Geschäftsklimaindex ist zum dritten Mal in Folge gestiegen, das Konsumklima hat sich im Juni verbessert und die Menschen können sogar Krisenzeiten etwas Gutes abgewinnen.

Denn fragt man die Deutschen explizit nach positiven Folgen der Krise, so findet fast ein Drittel Antworten. Das ergab eine Studie, die die GfK Marktforschung im Auftrag des GfK Vereins durchgeführt hat. Etwa 31 Prozent sind der Ansicht, dass die aktuell schwierige Situation Gutes mit sich bringt. Innerhalb dieser Gruppe glauben 12 Prozent daran, dass der Crash die Chance auf einen Neuanfang birgt. Ähnlich viele sind der Ansicht, dass die Menschen künftig vorsichtiger mit ihren Finanzen sein werden. Und 14 Prozent führen moralische Lerneffekte an: Die Verbraucher werden künftig bescheidener sein, glauben sie. Auf Platz zwei liegt weniger die Moral, sondern vielmehr ein Effekt, der sich im Portemonnaie bemerkbar macht. Knapp 20 Prozent derer, die an das Gute im Schlechten glauben, führen sinkende Verbraucherpreise an und freuen sich über günstige Angebote.

Die Preise sinken tatsächlich, das zeigt auch der Consumer Index der GfK Panel Services. Seit Januar 2009 liegen die von den Verbrauchern bezahlten Preise im Lebensmitteleinzelhandel regelmäßig unter den Durchschnittspreisen im Vorjahresvergleich. Vor allem die Discounter bieten Schnäppchen; aber auch Modelle à la Abwrackprämie, die längst nicht mehr nur in der Automobilbranche zu finden sind, locken manchen Verbraucher.

Hoffnung der Verbraucher: Mehr Transparenz

So groß die Freude über niedrige Preise, so groß ist auch der Wunsch danach, dass diese Krise die letzte bleibt. Nicht nur, weil Geld verloren ging, wie das bei einem Fünftel der Befragten der Fall ist. Sondern vor allem, weil die Sorgen drücken. „Ich habe mehr Zukunftsangst als früher“ – diese Aussage trifft nach Ansicht von 18 Prozent der Befragten stark zu, weitere 36 Prozent schließen sich zumindest teilweise an. Die Unsicherheit fällt dabei je nach der persönlichen finanziellen Situation unterschiedlich aus. Unter denen, die sich kaum oder gar nicht einschränken müssen, fühlt sich nur etwa ein Drittel mehr oder weniger verunsichert. Wer dagegen seinen Arbeitsplatz verloren hat oder ihn bedroht sieht, sorgt sich stärker. Völlig gelassen reagieren dagegen etwa 12 Prozent der Verbraucher.

Mehr Kontrolle der Finanzmärkte wünscht sich dennoch so mancher. Und ein Großteil der Verbraucher glaubt auch, dass die Krise zu strengeren Regeln führen könnte. Dass es in Deutschland zu einer stärkeren Überwachung kommen wird, sagen knapp 70 Prozent aller Befragten. Und auch unter denen, die ohnehin an positive Folgen der Krise glauben, liegt das Thema Transparenz auf Platz eins im Ranking. Knapp ein Viertel sieht im Crash den Vorteil darin, dass der Markt danach durchschaubarer wird.

Nicht nur über die Konsequenzen für die gesamte Gesellschaft, sondern auch über die persönlichen Folgen der Krise machen sich die Konsumenten Gedanken. Genauer hinsehen, vergleichen, überprüfen – das wollen sie in Zukunft tun. Eine deutliche Mehrheit hat vor, stärker als bisher Preise zu vergleichen. Insgesamt 85 Prozent planen dies für künftige Gänge durch Supermarkt, Warenhaus & Co. Eine ähnlich hohe Zahl an Konsumenten hat vor, sich vor dem Kauf gründlicher zu informieren.

Ab in den Einkaufskorb: Produkte aus der Region

Weitere zwei Drittel der Befragten wollen mehr darauf achten, regionale Produkte zu kaufen. Dass größere Anschaffungen durch die Krise komplett gestrichen sind, zeigt die Befragung übrigens nicht. Insgesamt betrachtet wollen knapp 40 Prozent der Befragten ihre Kaufpläne nicht auf die lange Bank schieben. Allerdings variieren die Zahlen stark je nachdem, wie groß der Finanzspielraum der Befragten ausfällt. In der Gruppe derer, die relativ uneingeschränkt leben, werden sogar zwei Drittel ihr Kaufverhalten nicht ändern. Im Gegensatz dazu wollen gut 80 Prozent der Verbraucher, die sich stark einschränken müssen, größere Anschaffungen erst einmal auf Eis legen.

Gekauft wird auch mit Blick auf die Zukunft. Wertbeständige Gegenstände liegen trotz – oder vielleicht sogar gerade in – der Krise im Trend, zeigt die Untersuchung. Knapp die Hälfte der Verbraucher will künftig darauf achten, entsprechende Produkte zu kaufen.

Appell an Unternehmen: Soziales Engagement

Auch das gute Image der Unternehmen spielt eine Rolle. So will etwa die Hälfte aller Befragten darauf achten, bei Unternehmen zu kaufen, die sich sozial engagieren. Doch auch sich selbst nehmen die Konsumenten in die Pflicht. Rund 20 Prozent planen, mehr für gemeinnützige Projekte in der näheren Umgebung zu spenden; bei Gutsituierten liegt der Wert nur leicht über dem Durchschnitt.

Dafür spart diese Gruppe deutlich weniger am Ausgehen. Etwa 80 Prozent haben nicht vor, ihre Außer-Haus-Aktivitäten einzuschränken; bei Geringverdienern sind es etwa 30 Prozent. Ein Drittel aller Befragten plant zudem, es sich zuhause gemütlicher zu machen und etwas mehr in eine schöne Wohnung zu investieren. Dann lässt es sich besser aushalten, bis die Krise endlich vorbei und der Aufschwung da ist.


Hier geht es zum Blitzinterview mit Dr. Gernot Nerb vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung


Datenquellen: GfK Verein (Omnibusumfrage, Mai/Juni 2009)
Rückfragen bitte an Claudia Gaspar: claudia.gaspar@gfk-verein.org