Nachhaltige Bekanntheit

Oktober 2015

Sie wollen ein gutes Gewissen beim Einkaufen haben? So konsumieren, dass Mensch und Umwelt geschont werden? Aber Sie wissen nicht genau, wie Sie das anfangen sollen? Vielleicht hilft ja der „Nachhaltige Warenkorb", den der Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung erarbeitet hat. Egal, ob ressourcenschonendes Renovieren, Gärtnern, Reisen oder Shoppen, auf gut einhundert Seiten gibt es Tipps für nahezu alle Lebenslagen. Der „Warenkorb“ will Hilfe und Orientierung bieten. Und auch jene für das Thema begeistern, die bislang noch kaum in Kontakt gekommen sind mit dem Prinzip Nachhaltigkeit. Denn ein bisschen etwas bleibt durchaus noch zu tun für die Verfechter dieser Idee. In Deutschland kann zwar die große Mehrheit der Menschen mit dem Begriff etwas anfangen, doch nachdem der Bekanntheitsgrad in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist, stagniert der Wert nun erstmals.

Für 85 Prozent der Deutschen ist Nachhaltigkeit heute ein Begriff, dem sie schon einmal begegnet sind. 38 Prozent geben dabei an, den Terminus ganz sicher zu kennen, den übrigen kommt er zumindest bekannt vor.

Damit ist das Thema Nachhaltigkeit in den Köpfen der meisten Menschen hierzulande verankert –  nur 15 Prozent können nichts damit anfangen. Dies sind Ergebnisse einer Umfrage, für die die GfK Marktforschung im Auftrag des GfK-Vereins im September zum fünften Mal in Folge knapp 1.000 Personen befragt hat. Offensichtlich haben die Info- und Aufklärungskampagnen zu einem Bewusstseinswandel in der Bevölkerung geführt. Doch nun scheint die Bekanntheit des Begriffs zu stagnieren. Nachdem die Zahl der Kenner zwischen 2012 (77 Prozent) und 2014 (86 Prozent) um fast 10 Prozentpunkte gestiegen war, ist in der diesjährigen Umfrage kein weiterer Wissenszuwachs zu verzeichnen. Auch die Zahl derer, denen der Begriff definitiv etwas sagt, ist nicht weiter gestiegen.

Regionen und Geschlechter: Bekanntheit ausgeglichen

Rund 1200 Projekte und Events wurden bei den „Deutschen Aktionstagen Nachhaltigkeit“ 2015 präsentiert. Rund eine Woche lang zeigten Kommunen, Privatleute, Institutionen oder Unternehmen, was sie unter Nachhaltigkeit verstehen. Die Aktionen waren flächendeckend über das gesamte Bundesgebiet verteilt. Und auch der Begriff ist regional offenbar gleichermaßen  bekannt. Unterschiede zwischen Ost und West gibt es nicht mehr: 84 Prozent der West- und 86 Prozent der Ostdeutschen sind mit ihm mehr oder weniger gut vertraut. Auch das Bekanntheitsgefälle zwischen Männern und Frauen ist nahezu verschwunden, wenngleich „Mann“ sich in puncto Wissen nach wie vor etwas sicherer gibt als „Frau“. 40 Prozent der Männer kennen Nachhaltigkeit ganz sicher, 47 Prozent haben zumindest schon einmal davon gehört. Bei den Frauen sagen 37 Prozent von sich, den Terminus sicher zu kennen. 46 Prozent kommt er bekannt vor.

Altersgruppen: mittlere Generationen wissen am meisten

Der Blick auf die verschiedenen Altersgruppen zeigt wie schon in den Vorjahren leichte Unterschiede. So steigt der Bekanntheitsgrad zunächst mit dem Alter etwas an, um dann wieder zu sinken. Wie schon in den Vorjahren ist die Gruppe der 50- bis 64-Jährigen – die „Kinder der Umweltbewegung“ – am besten mit dem Begriff Nachhaltigkeit vertraut. 88 Prozent haben nach eigenen Angaben schon einmal von dem Terminus gehört oder kennen ihn sicher. Hier können die 35- bis 49-jährigen aber locker mithalten: 87 Prozent Kenner finden sich in dieser Altersklasse. Zudem tummeln sich in dieser Gruppe die meisten Menschen, denen Nachhaltigkeit ganz sicher etwas sagt. Am wenigsten kann die Generation 65 plus etwas mit Nachhaltigkeit anfangen. Doch immerhin 78 Prozent sind auch hier schon einmal damit in Berührung gekommen. Die jüngste Altersgruppe der 14- bis 34-Jährigen bewegt sich mit 85 Prozent Kennern im Mittelfeld.

Assoziationen: Umweltaspekte weiter vorn

Was den Kennern des Begriffs beim Gedanken an Nachhaltigkeit in den Sinn kommt, hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. Erneut verbinden sie den Terminus am stärksten mit umweltbewusstem Handeln und Wirtschaften: Für mehr als jeden Vierten drückt sich darin Nachhaltigkeit aus. 18 Prozent denken bei Nachhaltigkeit an die Verwendung nachwachsender Rohstoffe, 14 Prozent assoziieren damit eine lange Lebensdauer. Etwa jeder zehnte Kenner bringt den Begriff mit Recycling und dem Sparen von Ressourcen in Verbindung; ähnlich viele sehen darin eine Investition in die Zukunft oder das Prinzip, an die Folgen des Handelns zu denken. Die kommenden Generationen haben nur noch 5 Prozent der Kenner im Sinn, wenn sie sich mit dem Begriff beschäftigen. Und für 4 Prozent bedeutet er, Energie zu sparen oder gleich auf regenerative Energien à la Windkraft, Solarstrom oder Biomasse umzusatteln.

Bedeutung im Zeitvergleich: umweltbewusst schlägt dauerhaft

Dass umweltbewusstes Handeln so klar die Hitliste der Nachhaltigkeits-Assoziationen dominiert, war nicht von Anfang an so. Im Jahr 2012 rangierte dieses Thema nur auf Rang vier. Am häufigsten verbanden die Kenner den Begriff damals mit der Idee der Dauerhaftigkeit: Jeder Fünfte nannte diese Assoziation; derzeit sind es nur noch 14 Prozent, die mit diesem eher vagen Begriff Nachhaltigkeit verbinden. Auch der schonende Umgang mit Ressourcen oder Energie sparen fällt den Kennern heute seltener ein, wenn sie nach ihren Gedanken zur Nachhaltigkeit gefragt werden.

Alles in allem hat sich das Verständnis von Nachhaltigkeit in der Bevölkerung offenbar in Richtung Umweltbewusstsein entwickelt. Wer sich darin üben möchte, selbst umweltbewusst zu handeln, aber keine Lust auf dicke Broschüren hat, dem sei der „Nachhaltige Warenkorb“ noch einmal in seiner neuesten Version empfohlen – als App für unterwegs. Egal, ob man im Baumarkt nach einem umweltfreundlichen Holzboden sucht oder beim Bankberater nach nachhaltigen Geldanlagen fragen will – nachhaltig sein geht jetzt auch mobil.


Datenquelle: GfK Verein, Studie "Nachhaltigkeitseinfrage" (September 2015)

Rückfragen bitte an Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org) oder Claudia Castaldi (claudia.castaldi@gfk-verein.org).


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