Nächstenliebe trotz Krise

April 2010

Durch die Krise werden die Menschen immer egoistischer – gut 70 Prozent der Verbraucher äußerten diese Befürchtung im vergangenen Sommer (siehe FokusThema 7/2009). Doch es gibt erfreulicherweise Indizien dagegen. Trotz Firmenpleiten, Angst vor Arbeitslosigkeit und schlechter Konjunktur haben die Deutschen im vergangenen Jahr mehr als zwei Milliarden Euro ganz uneigennützig ausgegeben. Am freigiebigsten zeigte sich wie bereits in den Jahren zuvor die Generation 60 plus. Die schlechte Nachricht: Insgesamt sank das Spendenvolumen, jedoch lediglich um 3 Prozent.

Schenken macht glücklich – das konnten im Krisenjahr 2009 nicht mehr ganz so viele Menschen wie in den Vorjahren so sehen. Mit etwa 12,7 Millionen Spendern ab 10 Jahren fiel die Spenderquote in Deutschland erstmals unter die 20-Prozent-Marke. Das zeigt die „Bilanz des Helfens“, eine Studie, die die GfK Panel Services seit 2004 regelmäßig im Auftrag des Deutschen Spendenrats e.V. durchführt. Vor allem im ersten Halbjahr – traditionell ohnehin die spendenschwächere Zeit – blieben die Deutschen zurückhaltend und das Spendenvolumen lag um gut 6 Prozent unter dem ersten Halbjahr 2008. Dieses Minus konnte im zweiten Halbjahr jedoch nahezu ausgeglichen werden. Als die Bilder der Opfer der Naturkatastrophen in Südostasien um die Welt gingen, ließen sich die Deutschen nicht lange bitten und die Spendenbereitschaft stieg drastisch an.

Ältere Menschen spenden am meisten

Den Löwenanteil am Spendenmarkt trug auch im vergangenen Jahr die Generation 60 plus. Gut ein Viertel der Deutschen ab 10 Jahren gehört zu dieser Altersgruppe, schultert dabei aber die Hälfte des gesamten Spendenaufkommens. Zum Vergleich: Ein Viertel ist zwischen 10 und 29 Jahre alt – und trägt nur 5 Prozent zum Spendenvolumen bei. Mag die zunehmende Alterung der Gesellschaft ein Problem für die Sozialkassen sein – für den Spendenmarkt sind die älteren Verbraucher eine wichtige Stütze. Ohne ihre Beiträge sähe es düster aus auf Deutschlands Spendenkonten.

Humanitäre Hilfe ist Spendern am wichtigsten

Bei der Wahl des Spendenzwecks ist sich Deutschland seit Jahren recht einig. Mit Abstand ganz oben auf der Liste steht die humanitäre Hilfe – mit dem Griff ins Portemonnaie unterstützen die Deutschen Opfer von Katastrophen, Notleidende, Kranke oder Menschen mit Behinderung oder fördern Bildungseinrichtungen. Gut drei Viertel der Gelder werden hierfür ausgegeben.

Jeder vierte gespendete Euro ging dabei 2009 an die Kirchen und andere Religionsgemeinschaften – ob dies angesichts der aktuellen Debatten so bleibt, wird die Folgestudie zeigen. Auf Platz zwei der humanitären Spendenzwecke folgt die Kinderhilfe – sie hat seit 2007 immer mehr Unterstützer gewonnen. Ihr Anteil am gesamten Spendenaufkommen betrug im vergangenen Jahr 20 Prozent. Besonders engagierten sich die 40- bis 49-Jährigen für die Schwächsten in der Gesellschaft. Während sie für 17 Prozent aller Geldspenden verantwortlich sind, tragen sie zu 20 Prozent zum Hilfsbudget für Kinder bei.

Hinter Kirche und Kindern rangiert die Not- und Katastrophenhilfe, in die immerhin noch knapp 15 Prozent des Spendenbudgets für humanitäre Projekte floss. Es ist vor allem die Gruppe der über 60-Jährigen, die sich für die Opfer von Katastrophen stärker verantwortlich fühlt. Fast zwei Drittel des Budgets für die Not- und Katastrophenhilfe wurde von dieser Altersgruppe erbracht. Aber auch die unter 30-Jährigen engagieren sich in diesem Bereich stärker. Ihr Spendenanteil ist mit etwa 8 Prozent fast doppelt so hoch wie ihr Anteil am gesamten Spendenaufkommen.

Bei so viel Einsatz für die Unterstützung notleidender Menschen bleibt für die Förderung der Kultur oder den Tier- und Umweltschutz entsprechend weniger übrig. Je fünf Prozent geben die Deutschen für Kultur und Denkmalpflege sowie für den Tierschutz aus. Knapp dahinter folgt der Einsatz für den Umweltschutz. An Organisationen, die sich um bedrohte Arten, den Schutz des Waldes oder der Meere kümmern gingen im vergangenen Jahr 4 Prozent aller Spenden. Auch hier zeigt sich, dass Menschen unterschiedlichen Alters auch verschiedene Schwerpunkte beim Spenden setzen. So werden fast 45 Prozent der Spenden für den Umweltschutz von unter 50-Jährigen erbracht – damit ist ihr Spendenanteil rund 10 Prozentpunkte höher als bei allen Geldspenden.

Spender richtig ansprechen

Naturkatastrophen, Kriege oder unterernährte Kinder – Hilfe ist an vielen Stellen nötig und der Spendermarkt entsprechend umkämpft. Die direkte Ansprache hat sich bei der Suche nach Spenden bewährt: So waren 2009 diejenigen Organisationen am erfolgreichsten, die potenzielle Geber mit persönlich adressierten Briefen um Unterstützung baten. Fast 30 Prozent der Spendengelder kamen so zustande. Bei den über 60-Jährigen konnten sogar 37 Prozent aller Spenden auf diese Weise gewonnen werden.

Aufrufe durch die Kirche sowohl während als auch außerhalb der Gottesdienste führten zu gut 10 Prozent des Spendenvolumens. Die Mitgliedschaft in einer Charity-Organisation oder ein Hinweis von Freunden mobilisierte die Menschen zu 8 bzw. 6 Prozent aller Spenden. Übrigens: Mitunter ist zusätzliche Werbung für den guten Zweck gar nicht notwendig. Immerhin ein Fünftel aller Spenden gaben die Menschen nicht aufgrund einer Aufforderung, sondern schlicht aus guter Gewohnheit. Bei den unter 50-Jährigen rangiert die regelmäßige Spende sogar an der Spitze der Hitliste der Spendenauslöser.

Start ins Spendenjahr 2010: Hilfen für Haiti

Obwohl 2009 weniger Menschen weniger für soziale Zwecke ausgegeben haben, werden die Deutschen auch in diesem Jahr ein Herz für Schwächere und Hilfsbedürftige haben. So stieg die Spendenbereitschaft im Januar und Februar dieses Jahres rapide an – als die ersten Nachrichten vom Erdbeben auf Haiti durch die Medien gingen. Die Deutschen wollen helfen, und viele sind bereit ein Stück vom „Wohlstandskuchen“ abzugeben, um so die Schwächsten auf dieser Welt zu unterstützen. Denn wie stellte einst schon der französische Mathematiker, Physiker und Philosoph Blaise Pascal fest: „Der eigentliche Sinn des Reichtums ist, freigiebig davon zu spenden.“


Datenquellen: GfK Panel Services (GfK CharityScope, April 2010)
Rückfragen bitte an Roland Adler, Tel: +49 911 395-4157, E-Mail: roland.adler@gfk.com, Burkhard Winz, Tel: +49 911 395-3036, E-Mail: burkhard.winz@gfk.com oder Claudia Gaspar, Tel: +49 911 395-2624, E-Mail: claudia.gaspar@gfk-verein.org

Für alle weiteren Fragen zu GfK Compact steht Ihnen Claudia Gaspar vom GfK Verein zur Verfügung: claudia.gaspar@gfk-verein.org

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