„Nicht ohne mein Handy“ – auch jenseits der 50

Juni 2016

Sich mit der Wandergruppe per WhatsApp zur nächsten Tour verabreden, beim Städtetrip mit dem Smartphone-Navi zurück ins Parkhaus finden oder der Kontrollblick in die Adressdatei, weil man die Hausnummer des wichtigen Kunden vergessen hat. Dies sind nur einige der komfortablen Anwendungen, die heutige Handy-User genießen. Längst haben auch Frauen und Männer jenseits der 50 die umfassenden Vorzüge von Handy und Smartphone entdeckt. Der Anteil an Handy- und Smartphone-Besitzern in der älteren Generation wächst stetig. Heute besitzen bereits 60 Prozent der 50- bis 60-Jährigen, 37 Prozent der 60- bis 69-Jährigen und 14 Prozent der über 70-Jährigen ein Smartphone.

Nahezu vollversorgt mit Mobilfunkgeräten ist die Gruppe im Alter zwischen 50 und 59 Jahren. Bereits 2012 hatten 93 Prozent dieser Befragten ein Handy. Das steigerte sich 2014 auf einen Anteil von 96 Prozent, der 2016 stabil blieb. Während es bei dieser hohen Ausgangsquote nur noch geringes Steigerungspotenzial gab, gingen die Smartphone-Besitzer dieser Altersgruppe sprunghaft nach oben: von 7 Prozent 2012 über 32 Prozent 2014 auf stattliche 60 Prozent heute im Jahr 2016. Das zeigen die Ergebnisse der GfK „Consumer Study“ zum Thema mobile Kommunikation, in der zum dritten Mal in Folge gut 2000 Deutsche – neben vielen anderen Europäern – rund um dieses Thema befragt wurden.

„Nicht ohne mein Handy“ gilt auch für die meisten Menschen in der Altersgruppe zwischen 60 und 69 Jahren. 80 Prozent von ihnen besaßen bereits 2012 ein Handy. Einen sachten Zuwachs auf 83 Prozent gab es 2014 und aktuell stieg der Wert auf 88 Prozent. Der Anteil der Smartphone-Besitzer hat sich dabei von Befragung zu Befragung jeweils ungefähr verdreifacht: von 4 Prozent (2012) auf 13 Prozent (2014) und 37 Prozent (2016). Der immense Zuwachs zeigt, dass die Multitalente auch bei jenen, die die 60 überschritten haben, immer mehr ankommen. Das mag unter anderem  daran liegen, dass Personen dieses Alters Handys und Smartphones oft während ihres  aktiven Arbeitslebens kennen – und schätzen gelernt haben.

Auch die 70-Jährigen und Älteren sind mittlerweile zu Dreivierteln mit Handy versorgt: 54 Prozent in 2012, 65 Prozent in 2014 und 75 Prozent in 2016. Sie steigen aber vergleichsweise zögerlicher als die Jüngeren auf ein Smartphone um. Nur 0,3 Prozent nannten 2012 solch einen Minicomputer, mit dem man auch telefonieren kann, ihr Eigen. 2014 waren es immerhin 4 Prozent und 2016 lag der Anteil bei 14 Prozent. Dies dürfte unter anderem daran liegen, dass ältere Nutzer ihrem vertrauten Mobilfunkgerät  länger treu bleiben statt regelmäßig auf ein neues Modell zu wechseln. Für viele mag es ausreichen, vor allem im Notfall telefonisch erreichbar zu sein beziehungsweise telefonieren zu können. Auch haben manche von ihnen möglicherweise keine Lust auf immer neue Auseinandersetzungen mit der Bedienung, für die es auch nicht immer eine gut verständliche, schriftliche Anleitung gibt.

85 Prozent der 50- bis 59-Jährigen nutzen das Internet

Für viele, vor allem junge Deutsche, ist das Internet heute ein fester Bestandteil des Alltags. Doch auch die 50- bis 59-jährigen Befragten zeigen eine hohe Online-Affinität. 72 Prozent gaben im Jahr 2012 an, dass sie innerhalb der vergangenen  4 Wochen im World Wide Web unterwegs waren, 10 Prozent mehr waren nur zwei Jahre später erreicht und heute sind es 85 Prozent. Währenddessen ging die Hälfte der 60- bis 69-Jährigen 2012 online. Einen Anstieg auf 55 Prozent wies die Befragung 2014 aus. Und einen großen Sprung auf 68 Prozent zeigt die aktuelle Umfrage. Senioren ab 70 Jahren surfen zwar bei Weitem nicht so häufig wie die beiden anderen Gruppen der Generation 50 plus. Dennoch steigerte sich der Anteil der Internetnutzer bei den Ältesten von 17 Prozent in 2012 rasant auf 29 Prozent in 2014, und liegt heute bei 38 Prozent. Die Indizien sind klar: Für das Internet wird es auf Dauer keine Altersgrenze nach oben geben. Schließlich sind die 50-Jährigen von heute die 60- und 70-Jährigen von morgen und übermorgen.

Mehr Unabhängigkeit dank Smartphone

Es ist noch gar nicht so lange her, dass man auf Reisen ein Internet-Café aufsuchen musste, wenn man seinen Lieben zu Hause Bilder senden oder seine E-Mails checken wollte. Heute ermöglicht es das Smartphone, nahezu immer und an jedem Ort online zu gehen, was nicht nur junge Leute praktisch finden. Denn das erhöht die Unabhängigkeit. Auch in reiferem Alter schätzt man beispielsweise den Blick aufs Display, das via Internetverbindung verrät, wann der nächste Bus oder Zug fährt oder den Hinweis auf die nächste Tankstelle, das nächste Hotel oder Restaurant gibt. Die Zahlen sprechen für sich: Der Prozentsatz älterer Menschen, die mit dem Smartphone ins Internet gehen, hat sich in nur drei Jahren fast verdreifacht, bei den Ältesten sogar vervierfacht. Die 50- bis 59-Jährigen steigerten sich von 2012 auf 2014 von 23 auf 41 Prozent. Heute nutzen 64 Prozent dieser Altersgruppe das Internet per Handy. Ähnlich sieht es bei den 60- bis 69-Jährigen aus. 2012 waren es erst 15 Prozent, die mit dem Handy surften, 2014 schon 26 Prozent und 2016 schließlich 40 Prozent. Bei den über 70-Jährigen versuchten sich erst nur 4 Prozent (2012) an der Internetnutzung per Smartphone, dann 9 Prozent (2014) und nun sind es 17 Prozent (2016).

Für viele Menschen ist das Handy oder Smartphone mittlerweile zum unverzichtbaren Begleiter und Unterstützer im Alltagsleben geworden. Das gilt zunehmend auch für über 50-Jährige wie die Zustimmung zu verschiedenen Aussagen und Einstellungen bezüglich des Nutzungsverhaltens und der Relevanz von Handys zeigt. So pflichten 62 Prozent der 50- bis 59-Jährigen, 39 Prozent der 60- bis 69-Jährigen und immerhin ein Fünftel der 70-Jährigen und Älteren der Aussage bei „Am besten bin ich über mein Handy erreichbar“. Vermutlich aus diesem Grund geben immer mehr Befragte sogar nur noch ihre Mobil- - statt der Festnetznummer weiter. Dies bestätigen 31 Prozent der 50- bis 59-Jährigen und 19 Prozent der 60- bis 69-Jährigen als zutreffend. Nur bei den über 70-Jährigen sind es erst  7 Prozent.

„Das Internet mit dem Handy/Smartphone, Laptop oder Tablet jederzeit und an jedem Ort nutzen zu können, spart mir viel Zeit“ trifft für 45 Prozent der 50- bis 59-Jährigen, für 32 Prozent der 60- bis 69-Jährigen und 13 Prozent der 70-Jährigen und Älteren zu. Das belegt den Status der Geräte als stets bereite Alltagshelfer. Ein Teil der Befragten organisiert schon sein Leben inklusive Kontakten, Terminen oder Navigation mittels Mobilfunkgerät. Das geben 28 Prozent der 50- bis 59-Jährigen, 18 Prozent der 60- bis 69-Jährigen und 8 Prozent derjenigen ab 70 Jahren an.

Angesichts der Datenfülle, die solch ein Handy/Smartphone heute bündelt, wundert es nicht, wenn bei den Reiferen der Verlust eines solches Minicomputers bisweilen eine kleine Katastrophe darstellt. „Für mich wäre es schlimmer, mein Handy/Smartphone zu verlieren, als meine Geldbörse“ bejahen immerhin 17 Prozent der 50- bis 59-Jährigen, 11 Prozent der 60- bis 69-Jährigen und 7 Prozent der Frauen und Männer ab 70 Jahren.

Die Zeiten haben sich massiv geändert. Das Internet, die mobilen Telefone und schließlich die handlichen Minicomputer im Jackentaschenformat, die Smartphones, haben viele alltägliche Abläufe merklich umgestaltet. Was einst teuer oder zeitaufwändig war – beispielsweise Auslandstelefonate oder Bankgeschäfte – lässt sich heute preisgünstig und sprichwörtlich im Gehen erledigen. Und davon profitieren alle Altersgruppen. „Nicht ohne mein Smartphone“ – so viel kann man schon heute sagen – wird als Schlagwort für eine ausschließlich junge Lebenskultur bald ausgedient haben.


Datenquelle: GfK Verein, GfK Consumer Study (2012, 2014, 2016)

Rückfragen zu diesem Artikel bitte an Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org), Rückfragen zur Studie bitte an Ronald Frank (ronald.frank@gfk-verein.org).

Allgemeine Fragen zu GfK Compact an Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org).


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