Optimismus trotz Krise?

März 2009

Deutschland schlittert gerade in die schlimmste Rezession seit 1945. Doch noch sind deren Auswirkungen nicht beim Verbraucher angekommen, was die erstaunlich robuste Konsumstimmung der vergangenen Monate zeigt. Abzuwarten bleibt jedoch, wie sich die Arbeitslosenzahlen in 2009 entwickeln und ob die Rettungspakete der Bundesregierung nachhaltig wirken ….

„Krise kann ein produktiver Zustand sein. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ Max Frisch, der Schriftsteller und Büchner-Preis-Träger, hat das einmal gesagt. Doch woher sollen Verbraucher und Unternehmer den Optimismus nehmen, den Frisch fordert? Angesichts täglicher Horrormeldungen von Dax-Abstürzen, Konjunktureinbrüchen und Unternehmenspleiten will es nicht so recht gelingen, an ein entspanntes Jahr 2009 zu glauben.

Sicher, die Krise ist da und Deutschland schlittert gerade in die schlimmste Rezession seit 1945. Doch noch sind deren Auswirkungen nicht beim Verbraucher angekommen, was die erstaunlich robuste Konsumstimmung der vergangenen Monate zeigt. Die Gründe dafür sind in hohen Tarifabschlüssen, aber auch im niedrigen Preisniveau zahlreicher Produkte zu suchen. Dazu zählen vor allem Benzin und Heizöl. Positiv wirkt auch die Inflationsrate. Sie bleibt in diesem Jahr vergleichsweise niedrig und wird 0,5 Prozent aller Voraussicht nach nicht übersteigen. Zudem haben manche Branchen durchaus Grund, positiv in die Zukunft zu blicken.

Gut aufgestellt: Der Lebensmitteleinzelhandel

So war 2008 für den Lebensmitteleinzelhandel das beste Jahr seit Langem. Erstmals gaben die Verbraucher mehr für Lebensmittel und Drogerieartikel aus als für Nonfood-Artikel wie beispielsweise Textilien oder Elektrogeräte. Für das Jahr 2009 rechnen die GfK Konsumexperten mit Ausgaben von ca. 154 Milliarden Euro im Lebensmitteleinzelhandel. Demgegenüber wird der Nonfood-Handel (Elektro, Hartwaren, Textil) mit rund 145 Milliarden Euro deutlich schlechter abschneiden. Dies zeigen Ergebnisse aus den Studien GfK ConsumerScan und GfK ConsumerScope.

Was den einen schadet, hilft den anderen. So sind die Umsätze in der Gastronomie nach der Studie „GfK TrinkTrends“ im Dezember 2008 um gut sieben Prozent eingebrochen. Dies dürfte jedoch dem Lebensmitteleinzelhandel zugute kommen. Denn die Erfahrung zeigt: In Krisenzeiten zieht es den Verbraucher aufs Sofa – Cocooning ist das Wort der (Krisen-)Stunde. Gespart wird beim Ausgehen, und zwar zugunsten des Konsums vor dem heimischen Fernseher. So dürfen die Hersteller von Schokolade, Fertiggerichten oder Soft-Getränken mit steigenden Umsätzen rechnen. Ganz nach dem Motto: Viel Wohlgefühl zum kleinen Preis.

Zu den Gewinnern der Krise gehören definitiv die Discounter und Handelsmarken. Letztere können ihre Marktanteile seit Jahren kontinuierlich ausbauen, aber auch die Premiummarken stehen gut da. Seit Jahren können Sie ihren Marktanteil zwischen 12 Prozent (2004) und aktuell knapp 15 Prozent halten.

Es trifft nicht alle Konsumenten

Natürlich konnten und können sich Haushalte mit geringem Einkommen teure Produkte nicht leisten. Doch die besser gestellten Verbraucher mit sicherem Arbeitsplatz oder im Ruhestand – das sind aktuell 46 Prozent der Bevölkerung – verzichten auch in der Krise nicht auf „ihre“ Premiummarken. Und vor allem sie legen beim Einkaufen Wert auf Qualität. War die Güteklasse im Jahr 1999 für 45 Prozent der Verbraucher Kaufgrund Nummer 1, so lag dieser Wert 2008 bei 47 Prozent. Allerdings achten Konsumenten jetzt zusätzlich darauf, wer ihnen die Butter aufs Brot schmiert: Sie erwarten von den Produkten nicht nur Qualität, sondern von deren Herstellern zunehmend auch soziale Verantwortung, Umweltbewusstsein oder eine positive Klimabilanz.

Warum in die Ferne schweifen…

Zuhause bleiben – ein Trend, der sich auch in den Urlaubsplänen der Deutschen niederschlägt. Schon im Sommer 2008 wurden 42,9 Millionen Urlaube zwischen Nordsee und Alpen verbracht, so ein Ergebnis aus dem GfK TravelScope, einer Studie der GfK Panel Services Deutschland, die das Reiseverhalten der Deutschen misst. Und bereits jetzt sind 2,5 Prozent mehr Inlandsreisen geplant als im Vorjahr, ein Trend, der neben der heimischen Tourismusindustrie auch dem Lebensmitteleinzelhandel zugute kommt. Bleiben die Benzinpreise unten, können die Deutschen ihren Urlaub dann sogar im eigenen und dank Abwrackprämie vielleicht sogar neuem Auto antreten.

Abzuwarten bleibt jedoch, wie sich die Arbeitslosenzahlen in 2009 entwickeln, ob die Rettungspakete der Bundesregierung tatsächlich die Wirtschaft stärken und die Verbraucher davon profitieren. Doch bis dahin gilt: Noch ist die Krise keine Katastrophe.


Datenquellen: GfK Panel Services (Consumer Scan, Travel Scope)
Rückfragen bitte an Claudia Gaspar: claudia.gaspar@gfk-verein.org