Punkt für die Umwelt

Oktober 2015

Anfang 1990, irgendwo auf einer deutschen Mülldeponie: Immer höher türmen sich die Abfallberge, der Lagerplatz wird zunehmend knapp. In der Politik macht man schnell vor allem die steigenden Mengen an Plastikverpackungen für den drohenden Deponie-Kollaps verantwortlich. Um diesen zu verhindern, wird das Duale System geschaffen. Und mit ihm der „Grüne Punkt“, der in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag feiert. An Bekanntheit mangelt es diesem millionenfach gedruckten Logo, das uns auf Milchpackung, Bonbontüte oder Konservendose begegnet, nicht: Die allermeisten Menschen kennen den „Grünen Punkt“ gut oder sehr gut. Und viele halten ihn für hilfreich: in Sachen Umweltschutz und auch als Wegweiser im Recycling-Dschungel. Dennoch läuft bei der Entsorgung von Verpackungsmüll auch 25 Jahre nach der Einführung des Logos mit den zwei Pfeilen nicht alles rund.

Ein Vierteljahrhundert, nachdem der damalige Umweltminister Klaus Töpfer das Duale System in der Abfallentsorgung und damit den “Grünen Punkt“ in Deutschland eingeführt hat, kennen fast 90 Prozent der Menschen das kleine runde Logo, das sich auf vielen Verpackungen aus Kunst- und Verbundstoffen oder Metall findet. Der Bekanntheitsgrad fällt dabei unabhängig von Geschlecht oder Herkunft gleichermaßen hoch aus. Dies zeigen Ergebnisse einer Studie des GfK Vereins, für die im September knapp 2.000 Menschen nach ihren Einstellungen zum „Grünen Punkt“, dem „Gelben Sack“ bzw. der „Gelben Tonne“ sowie nach ihren Gewohnheiten bei der Abfalltrennung gefragt wurden.

Vor allem bei der Generation zwischen 50 und 64 Jahren ist der „Grüne Punkt“ im Bewusstsein verankert. Kein Wunder, schließlich wurde er zu der Zeit eingeführt und durch Kampagnen beworben, als sie ins Berufsleben starteten und ihren ersten eigenen Haushalt einrichteten – inklusive verschiedener Behälter für Plastik, Restmüll oder Bioabfälle. 93 Prozent dieser Altersgruppe kennen das Symbol gut oder sehr gut. Fünf Prozent haben es zumindest schon einmal gesehen, auch wenn sie nicht wissen, wofür die zwei gegenläufigen Pfeile stehen. In der jüngsten Gruppe ist dies deutlich häufiger der Fall: 16 Prozent kennen die Bedeutung nicht; 4 Prozent ist der „Grüne Punkt“ nie zuvor begegnet.

Logo mit Nutzen: Besserer Umweltschutz

Doch wofür steht das Symbol in den Augen der Menschen? Tatsächlich prangt das Logo auf Verpackungen, für deren Entsorgung und Wiederverwertung die Produkthersteller finanziell aufkommen. Sie tun das, indem sie eine Gebühr an die „Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH“ bezahlen, die sich um die Abholung und Weiterverwertung der Verpackungsabfälle kümmert bzw. Entsorgungsunternehmen vor Ort damit beauftragen. Dies soll Müllberge wie in den frühen 90er Jahren vermeiden helfen und damit auch die Umwelt entlasten. Davon gehen auch knapp drei Viertel der Befragten aus. Sie sind der Ansicht, dass der „Grüne Punkt“ den Umweltschutz unterstützt – und zwar relativ unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft.

Einer der Kritikpunkte am Dualen System sind von jeher die Recycling-Regeln. Darf alles mit „Grünem Punkt“ in den „Gelben Sack“ bzw. in die „Gelbe Tonne“? Wohin gehört kaputtes Plastikspielzeug? Und was soll überhaupt noch in den Restmüll? Die Deutschen fühlen sich recht souverän in diesen Fragen und sagen mehrheitlich von sich, dass sie auch ohne den „Grünen Punkt“ die Regeln der Mülltrennung beherrschen. Zwei Drittel wissen eigenen Angaben zufolge, welcher Abfall in welchen Behälter gehört, vor allem die 25- bis 34-Jährigen zeigen sich mit 75 Prozent recht sicher. Ostdeutsche sind von ihren Trenn-Qualitäten etwas überzeugter als Westdeutsche (72 Prozent bzw. 66 Prozent), Frauen sicherer als Männer (71 bzw. 64 Prozent).

Logo mit Lücken: ein Viertel der Verbraucher bleibt kritisch

Der „Grüne Punkt“ auf der Verpackung heißt nicht automatisch, dass diese wiederverwertet wird. Für Verpackungen aus Papier, Glas, Weißblech, Aluminium, Kunststoff und Verbundstoffen, die bei privaten Endverbrauchern anfallen, gibt die Verpackungsverordnung laut Bundesumweltamt Quoten für die stoffliche Verwertung vor. Diese liegen bei 36 Prozent für Kunststoffverpackungen, 60 Prozent für Aluminium- und Verbundverpackungen, 70 Prozent für Weißblech- und Papierverpackungen und bei Glasverpackungen bei 75 Prozent. Auch wenn diese Quoten übertroffen werden: Nicht allen Verbrauchern ist klar, dass neben dem Recycling auch das Verbrennen von Abfällen zur Energiegewinnung erlaubt ist. So gehen 67 Prozent davon aus, dass alles wiederverwertet wird, was den „Grünen Punkt“ trägt. 61 Prozent sehen in dem Symbol vor allem eine Erleichterung bei der Mülltrennung. Und 55 Prozent achten auf das Pfeilsymbol als Orientierungshilfe bei der Entsorgung ihrer Abfälle. Die ursprüngliche Idee hinter dem „Grünen Punkt“ – nämlich bei der Produktion Verpackungen zu reduzieren – sieht nur eine Minderheit realisiert. 35 Prozent der Befragten glauben, dass Hersteller durch ihn zur Verpackungs-Vermeidung animiert werden. Und immerhin fast jeder Vierte steht dem Nutzen des Punktes skeptisch gegenüber.

Gelber Sack und Gelbe Tonne: Wichtig für den Umweltschutz

„Grüner Punkt“ und „Gelber Sack“ bzw. die gleichfarbige Tonne wurden gemeinsam eingeführt und werden von den Deutschen auch ähnlich positiv gesehen. Auch wenn in einigen Kommunen Deutschlands schon die sogenannte Wertstofftonne Einzug gehalten hat, stehen in der überwiegenden Mehrheit der Haushalte „Gelber Sack“ oder „Gelbe Tonne“ und haben dort auch einen wichtigen Stellenwert in der Abfallentsorgung. 87 Prozent halten das Entsorgungssystem „Gelber Sack / Gelbe Tonne“ in puncto Umweltschutz für wichtig. Fast ebenso viele (85 Prozent) sehen darin eine Voraussetzung für gutes Recycling. Neben Umweltschutzaspekten spielen aber auch praktische Überlegungen eine Rolle: 82 Prozent der Befragten finden es nicht schwer zu verstehen, was in den „Gelben Sack“ oder die „Gelbe Tonne“ hineingehört. Und 75 Prozent bezeichnen das System als praktisch. Immerhin 25 Prozent bewerten es allerdings als lästig für sich.

Wissen, was wohin gehört: Deutsche zeigen sich selbstbewusst

Wie gut wir unsere Kenntnisse in Sachen Mülltrennung einschätzen, hängt sowohl vom Alter, als auch von Region und Geschlecht ab. So fühlen sich 41 Prozent der 50- bis 64-Jährigen sehr sicher bei der Frage, ob Plastikbügel oder Tetra-Pack in den „Gelben Sack“ bzw. die „Gelbe Tonne“ gehören oder nicht. Am ehesten haben die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 24 Jahre zu kämpfen. Nur jeder fünfte weiß genau Bescheid, wenn es um die korrekte Entsorgung geht. Der Blick auf die Regionen zeigt, dass Westdeutsche mit 36 Prozent „Kennern“ zumindest in der eigenen Wahrnehmung leicht vor den Ostdeutschen (32 Prozent) liegen. Und auch Frauen erklären mit 38 Prozent öfter als Männer, genau zu wissen, was in den „Gelben Sack“ bzw. die „Gelbe Tonne“ darf und was nicht.

Plastik ist nicht gleich Plastik: Fehler beim Entsorgen

Selbsteinschätzung und Realität gehen in dieser Frage allerdings auseinander. Die Deutschen gelten zwar als Recyclingfans und ordentliche Mülltrenner und nutzen die verschiedenfarbigen Tonnen recht engagiert, doch es landen durchaus auch Abfälle im „Gelben Sack“ oder der „Gelben Tonne“, die nicht hinein gehören: So entsorgen dort 63 Prozent der Befragten Kunststoffgegenstände, die nicht den Verpackungen zugerechnet werden. 44 Prozent werfen altes oder kaputtes Plastikspielzeug hinein, 17 Prozent sehen Sack und Tonne als geeignet für CDs und DVDs. Deutlich seltener werden abgelaufene, noch verpackte Lebensmittel und Elektroaltgeräte (je 3 Prozent) sowie Batterien (2 Prozent) in die entsprechenden Behälter geworfen. Dass „Gelber Sack“ und „Gelbe Tonne“ für Kunststoff-, Verbund-, Metall- und Styropor-Verpackungen vorgesehen ist, hat sich unter den Befragten aber durchaus etabliert. Diese Abfallarten entsorgen die meisten Menschen korrekt. 56 Prozent werfen Alu-Verpackungen in die Behälter, 45 Prozent Verpackungen aus Metall wie Dosen oder andere Metallkonserven. Und ebenso viele Verbraucher nutzen „Gelben Sack“ oder „Gelbe Tonne“ ausschließlich für Material, auf dem der „Grüne Punkt“ prangt.

Einstellungen zur Mülltrennung: Überzeugte Sortierer

So ganz unkompliziert ist es also nicht, das System der Abfalltrennung in der Bundesrepublik. Trotzdem sind die Menschen hierzulande recht zufrieden damit: Drei Viertel bewerten es als gut, und fast ebenso viele finden es richtig, dass wir gesetzlich zur Abfalltrennung verpflichtet sind. Viele Menschen trennen also aus Überzeugung ihren Müll – doch auch die Gewohnheit spielt eine Rolle. 55 Prozent sortieren das, was weggeworfen werden muss, weil sie es so gelernt haben. Vor allem bei den jüngsten Befragten unter 25 Jahre ist das der Fall. Sie zeigen auch das geringste Interesse an Informationen rund um die Mülltrennung: Während sich insgesamt 45 Prozent der Befragten nach eigenen Angaben gut über dieses Thema informiert haben, sind es bei den Jüngsten nur 25 Prozent. Entsprechend öfter ist ihnen unklar, wie manche Abfälle richtig zu entsorgen sind: Mehr als jeder zweite junge Erwachsene hat manchmal Schwierigkeiten mit der Mülltrennung. In der Gesamtbevölkerung ist dies bei 43 Prozent der Fall. Um die Wissenslücken zu schließen, wünschen sich 41 Prozent der Befragten mehr leicht zugängliche Informationen zum Thema. Kritische Töne werden dagegen seltener laut: Nur jedem fünften Befragten sind die Vorgaben zur Abfalltrennung lästig; auch hier liegen die Jüngsten mit 25 Prozent über dem Durchschnitt. 18 Prozent der Deutschen machen sich keine Gedanken über den Nutzen des Sortierens. Und in den Augen von 14 Prozent übertreiben es die Gemeinden in puncto Mülltrennung im Haushalt.

Auch wenn seit 2009 keine Verpflichtung mehr für die teilnehmenden Hersteller besteht, den „Grünen Punkt“ auf die Verpackungen zu drucken und damit das Logo wohl immer seltener im Supermarktregal anzutreffen ist, erfreut es sich  großer Bekanntheit bei den Deutschen – vor allem bei jenen, die mit dem „Grünen Punkt“ groß geworden sind. Dennoch ist es für viele Verbraucher auch nach 25 Jahren nicht ganz leicht zu erkennen, was in den „Gelben Sack“ oder die „Gelbe Tonne“ gehört. Mal ehrlich, hätten Sie gewusst, dass Sie auch Baumwollsäcke darin entsorgen dürfen? Wer mitunter rätselnd vor den verschiedenfarbigen Mülltonnen steht und keine komplizierten Gesetzestexte lesen möchte, dem kann vielleicht die Trennhilfe des „Grünen Punktes“ weiterhelfen. Und für die jüngeren Generationen könnte die Recycling Master-App etwas sein – ein Spiel, bei dem gewinnt, wer geschickt ist und sich außerdem gut mit Mülltrennung auskennt. Wenn der „Grüne Punkt“ aber auch in Zukunft eine Orientierungshilfe bleiben soll, könnte ein wenig mehr Aufklärungsarbeit wahrscheinlich nicht schaden.


Datenquelle: GfK Verein, Studie „Grüner Punkt“ (September 2015)

Rückfragen bitte an Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org) oder Claudia Castaldi (claudia.castaldi@gfk-verein.org).


Möchten Sie künftig informiert werden, sobald ein neues Fokusthema erscheint? Dann können Sie sich hier anmelden.