Reisetrends: Wir sind dann mal weg

September 2017

Am 5. Juli 1841 war es so weit: 570 englische Arbeiter reisten für einen Schilling pro Person mit der Bahn von Leicester ins etwa zehn Meilen entfernte Loughborough. Im Reisepreis enthalten war nicht nur der Transport, sondern auch die Verpflegung für die Ausflügler. Anbieter und Organisator war Thomas Cook, einer der Pioniere der Pauschalreise. Seine Idee, Fahrt und Verköstigung zu einem Fixpreis anzubieten, setzte sich in den folgenden Jahren in England und international durch und brachte – getreu dem Cook’schen Motto „Railways for the Millions“ – zahlreiche Menschen in nahe und ferne Gefilde. Auch heute noch gilt die Pauschalreise als bewährtes Urlaubsmodell: Etwa jeder zweite deutsche Reisende hat in den vergangenen Jahren ein entsprechendes Angebot gebucht. Daneben träumen die Deutschen aber verstärkt von anderen Reisevarianten. Und attestieren vor allem All-Inclusive-Paketen und Wellnessurlauben hohe Trendqualitäten.

Hätte Thomas Cook neben Fahrt und Verpflegung auch noch die Übernachtung am Urlaubsort sowie verschiedene Sport- und Freizeitangebote in seinen Pauschalpreis integriert, stünde sein Konzept auch heute noch an der Spitze der Reisetrends. Denn das Komplettpaket „All-Inclusive-Urlaub“ ist in den Augen einer Mehrheit der Deutschen besonders angesagt: 58 Prozent meinen, es läge voll im Trend, 28 Prozent sehen das zumindest tendenziell so. Dagegen finden lediglich 7 Prozent, dass all inclusive etwas aus der Mode gekommen ist. Und nur 1 Prozent der Bundesbürger hält das Konzept für völlig out, die übrigen 6 Prozent haben keine Meinung dazu. Dies zeigen aktuelle Zahlen des GfK Vereins aus einer Umfrage im Juli 2017. Rund 2.000 Personen (ab 14 Jahren, repräsentativ für die deutsche Bevölkerung) wurden unter anderem danach gefragt, welche Urlausmodelle ihrer Ansicht nach hierzulande im Trend liegen, welche sie persönlich attraktiv finden und für welche Urlaubsarten sie sich in den vergangenen fünf Jahren tatsächlich schon einmal entschieden haben.

Auf Platz 2 im Ranking finden sich Wellnessurlaube, die ebenfalls eine Mehrheit (53 Prozent) für sehr und 33 Prozent für eher trendverdächtig halten. Dass diese Form des Urlaubens ihre besten Zeiten schon hinter sich hat, glauben nur 6 Prozent; und gerade einmal 1 Prozent der Befragten findet sie komplett unmodern.

Hinterm Horizont geht’s weiter: Hochseekreuzfahrten gelten als trendy

Tagelang auf dem Meer unterwegs sein, relaxen und zwischendurch beim Landgang neue Eindrücke sammeln: Das alles können Reisende erleben, die sich für eine Hochseekreuzfahrt entscheiden. In den Augen der Deutschen hat diese Vorstellung durchaus etwas: Jeder Zweite hält sie für absolut angesagt, mehr als ein Viertel zumindest tendenziell für trendy – damit landen Kreuzfahrten auf hoher See auf Platz drei der Reisetrends. Anderer Meinung sind hier nur 12 Prozent der Deutschen. Auf Platz 4 folgen die Pauschalreisen (für 44 Prozent „voll im Trend“, für 39 Prozent „eher im Trend“), die ebenfalls in den Augen nur weniger Menschen (11 Prozent) aus der Mode sind. Städtetrips sprechen 36 Prozent großes und 42 Prozent immerhin ein gewisses Trendpotenzial zu, während 16 Prozent diese als eher oder völlig „out“ bewerten. Sich per Schiff auf Flüssen treiben zu lassen, liegt im Gegensatz zu den Hochseekreuzfahrten mit 24 Prozent für sichtlich weniger Menschen „voll im Trend“. 21 Prozent halten diese Reiseform zudem für etwas angestaubt, 5 Prozent meinen, sie sei völlig aus der Mode.

Grünes Reisen und Bildungstrips: noch wenig trendverdächtig

In der Hektik des Alltags kommt vieles zu kurz, was den Menschen gut tut – das Fitnessprogramm zum Beispiel. Wie gut, dass man im Urlaub zumindest einen Teil dessen nachholen kann, was man sonst oft hinten anstellt. Egal, ob Golfen, Klettern, Wildwasser-Rafting, ein Segelkurs oder einfach eine Tour zu Fuß: Sporturlaube sind ebenso wie Wanderreisen für jeden fünften Deutschen ein wichtiger Reisetrend, für 40 bzw. 37 Prozent haben sie zumindest ein gewisses Trendpotenzial. Allerdings ist der Sporturlaub für etwa jeden Vierten teilweise oder völlig aus der Mode, beim Wanderurlaub denkt sogar gut jeder Dritte so. Mit Blick auf den Urlaub in einem der zahlreichen nationalen und internationalen Clubhotels sehen das 35 Prozent ähnlich. Für sehr oder eher modern halten diese Urlaubsform mit 50 Prozent aber insgesamt mehr Menschen. Am Ende des Rankings finden sich Studienreisen und „grüne Reisen“. 15 Prozent meinen, dass Bildungsurlaube sehr in sind, 31 Prozent denken, sie liegen zumindest tendenziell im Trend. Die Deutschen betrachten sie damit offenbar eher als Nischenthema: Schließlich finden 29 Prozent, dass sie nicht ganz zeitgemäß sind. Und 6 Prozent denken sogar, sie seien völlig von gestern. Von „grünem Reisen“ haben dagegen viele Befragte entweder noch gar nichts gehört oder sich bislang keine Gedanken darüber gemacht: Etwa ein Drittel hat dazu nämlich keine Meinung. 12 Prozent sprechen der nachhaltigen und umweltfreundlichen Auszeit vom Alltag dagegen große Trendqualitäten zu, 33 Prozent finden, diese Urlaubsvariante liege eher im Trend. 16 Prozent halten sie dagegen für etwas unmodern, 5 Prozent sogar für völlig out.

Welche Urlaubsvariante als angesagt gilt, variiert je nach Alter und Geschlecht der Befragten. So sprechen dem Wellnessurlaub vor allem Frauen zwischen 35 und 49 Jahren Trendqualitäten zu. Diese Altersgruppe ist es auch, die All-Inclusive-Reisen häufiger als der Durchschnitt (63 Prozent) für angesagt hält – allerdings über die Geschlechtergrenzen hinweg. Flusskreuzfahrten sind wiederum besonders nach Meinung der Frauen und älteren Verbraucher aktuell: Mehr als jeder vierte weibliche Befragte und sogar jeder Dritte der Generation 65 plus denkt so. Davon, dass Wanderurlaube nach wie vor absolut gefragt sind, sind vor allem die 50- bis 64 Jährigen überzeugt (24 Prozent). Die jüngste Generation der 14- bis 24-Jährigen hält beim Thema Reisetrends überdurchschnittlich häufig zwei Urlaubsarten für modern, die wenig miteinander gemein haben. Den klassischen Cluburlaub nennen 25 Prozent, die Studienreise 20 Prozent dieser Altersgruppe auf die Frage nach den wichtigen Reise-Trendkandidaten.

Kennen Sie das auch? Man ist unterwegs, zum Beispiel in der U-Bahn oder der Fußgängerzone und sieht plötzlich lauter junge Männer mit dickrandigen dunklen Brillen. Oder Frauen mit selbstgethermomixten Smoothies to go. Oder Jugendliche auf Pokémon-Jagd. In jedem Bereich unseres Lebens tauchen Entwicklungen auf, die zunächst nur einige Menschen, dann eine breite Masse begeistern. Dennoch springt nicht jeder auf jeden Mode-Zug auf und kann auch nicht mit jeder Form der Freizeitgestaltung etwas anfangen, und sei sie noch so angesagt. Das gilt auch beim Thema Reisen: Hier klaffen teilweise große Lücken zwischen dem, was die Menschen für trendy halten und dem, was sie persönlich begeistert. Besonders groß fallen die Salden bei den Top-3 aus: Hochseekreuzfahrten hält jeder zweite für absolut angesagt, doch nur jeder vierte Befragte, der ab und an verreist, findet Urlaube à la „Traumschiff“ besonders attraktiv. Einige Tage im Wellnesshotel sind für jeden dritten Reisenden eine sehr interessante Urlaubsvariante, obwohl deutlich mehr, nämlich 53 Prozent, diese Art der Erholung als brandaktuell einstufen. Beim Spitzenreiter, dem All-Inclusive-Urlaub, liegen Trendstatus und persönliche Vorlieben zwar näher beieinander, jedoch ebenfalls keineswegs gleichauf. 58 Prozent glauben daran, dass die Komplett-Pakete allgemein hoch im Kurs stehen; persönlich sehr attraktiv finden sie aber nur 48 Prozent.

Voll im Trend – auch für mich?

Ein ähnlich großer Unterschied besteht beim Thema Pauschalreise: Zwar halten sie 44 Prozent der Befragten für ausgesprochen angesagt, doch nur ein gutes Drittel fühlt sich von diesem Konzept selbst besonders angezogen. Bei den weiteren Reisetrends fallen die Salden zunehmend geringer aus: Eine Differenz von 8 Punkten ist beim Sporturlaub zu verbuchen, bei Flusskreuzfahrten, Wander- und Cluburlauben sind es jeweils 6 Punkte. Doch immer gilt: Die Menschen halten die einzelnen Formen für angesagter, als sie sie selbst empfinden. So auch bei den Trendschlusslichtern Grünes Reisen (Saldo 5 Punkte) und Studienreisen (4 Punkte).

Sie will beim Bergblüten-Aufguss in der Sauna entspannen, er lieber den Nachmittags-Snack im All-Inclusive-Hotel mitnehmen, bevor es mit der Beach-Volleyball-Gruppe an den Strand geht: Die Wahl der schönsten Urlaubsform kann für Paare zur Herausforderung werden. Vielleicht tröstet da der Gedanke, dass die gemeinsame Urlaubsplanung mit zunehmendem Alter leichter werden könnte. Schließlich gleicht sich der Wunsch nach einzelnen Modellen bei Männern und Frauen immer stärker an, wobei die Begeisterung der Frauen über die Jahre insgesamt eher nachlässt, die der Männer dagegen tendenziell steigt. Zumindest, wenn es um Wellnesstrips oder Kreuzfahrten geht: So zeigen sich beispielsweise 43 Prozent der 14-bis 24-jährigen Frauen von Sauna, Massage und Co. sehr angetan. Sie werden aber – zumindest statistisch gesehen – oftmals unter sich bleiben, denn nur 15 Prozent der jungen Männer können sich für so viel Entspannung und Pflege begeistern. Die Unterschiede bleiben zunächst auch in den folgenden Altersgruppen recht groß. Doch ab 65 Jahren sind Wellnessreisen auf der Wunschliste beider Geschlechter fast gleich häufig zu finden: 37 Prozent der Frauen und 32 Prozent der Männer bescheinigen ihnen große Attraktivität.

Männer und Frauen: Im Alter nähern sich Reisewünsche an

Von Hochseekreuzfahrten träumen junge Frauen zwischen 14 und 24 Jahren ebenfalls deutlich häufiger als Männer: 30 Prozent sind von dieser Urlaubsart sehr angetan; bei den Männern sind es gerade einmal 9 Prozent. Im Rentenalter könnten sich die beiden Gruppen aber durchaus auf einem Kreuzfahrtschiff begegnen. Immerhin findet gut jede vierte Frau ab 65 Jahren Kreuzfahrten attraktiv. Die Männer dieser Altersgruppe liegen hier mit 29 Prozent sogar knapp darüber. Auf den All-Inclusive-Urlaub können Sie und Er sich dagegen in nahezu jedem Alter gut verständigen. Selbst bei der jüngsten Gruppe liegt der Wert der Frauen nur 5 Prozentpunkte über dem der Männer. Schon ab 35 Jahren liegen beide Geschlechter dann in etwa gleichauf. Insgesamt rangiert der All-Inclusive-Urlaub bei Männern und Frauen und in jedem Alter auf Rang 1 der Attraktivitäts-Liste – mit den Jahren lässt seine Anziehungskraft aber spürbar nach.

Vom Urlaub träumen lässt sich zu nahezu jeder Zeit und an fast jedem Ort. Doch wie nahe liegen Urlaubsphantasie und Realität beieinander? Fakt ist: Bei so mancher Reiseart ist das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft, wie der Vergleich des Attraktivitätsniveaus mit dem tatsächlichen Reiseverhalten zeigt. So finden 25 Prozent der Befragten eine Hochseekreuzfahrt und 18 Prozent eine Fluss-Schiffsreise sehr attraktiv – doch nur 7 bzw. 6 Prozent haben in den vergangenen Jahren auch tatsächlich eine solche unternommen. Auch beim Thema Wellness sind noch nicht alle Verbraucherwünsche erfüllt. Begeistern kann sich jeder dritte für die Idee, in die Tat umgesetzt hat sie nur etwa jeder Vierte. Andere Angebote wurden in der Vergangenheit häufiger gebucht als erträumt: Eine Städtereise hat in den letzten fünf Jahren jeder Zweite bereits einmal unternommen – aber nur ein Drittel findet sie sehr attraktiv. Ähnlich sieht das bei den Pauschalreisen aus (Saldo 14 Punkte). Warum ist das so? Vielleicht liegt es daran, dass diese Reisen die Urlauber tatsächlich nicht ausnahmslos begeistert haben. Vermutlich spielen aber auch der Preis und damit verbunden das Image solcher Trips eine Rolle bei der Bewertung. Schließlich gibt es sowohl bei Städte- als auch bei Pauschalreisen zahlreiche Angebote und oft günstige Schnäppchen, die – spontan gebucht – die Zeit bis zum eigentlichen „Haupturlaub“ zwar angenehm verkürzen, aber eben nicht als besonders exklusiv angesehen werden. Auch Wanderurlaube lösen nicht immer nur ungeteilte Begeisterung aus. 23 Prozent waren in den letzten Jahren auf ‚Schusters Rappen‘ unterwegs, aber nur 14 Prozent äußern sich enthusiastisch über diese Art der Erholung. Anders ist es beim All-Inclusive-Urlaub: 46 Prozent haben so ein Rundum-Sorglos-Paket in den letzten 5 Jahren mindestens einmal gebucht. Etwa ebenso viele (48 Prozent) halten auch große Stücke auf diese Art der Ferien. Bei den übrigen Reiseformen liegen Wunsch und Wirklichkeit ähnlich nah beieinander.

Schon heute an den Urlaub von morgen denken

Die Sommerreisezeit ist leider für viele schon vorbei, die Koffer sind ausgepackt und die Souvenirs an die Lieben zuhause verschenkt. Alle, die das Feriengefühl trotz Rückkehr in den Alltag noch eine Weile bewahren wollen, finden im Internet zahlreiche Tipps: Wer den ersten Arbeitstag auf die Wochenmitte legt, für den liegt das Wochenende in greifbarer Nähe und das allein hebt ja bekanntlich schon die Laune. Wer im Büro zwischendurch an Sonnencreme schnuppert oder sich nach Feierabend ein landestypisches Gericht kocht, holt sich das Urlaubsfeeling immer wieder zurück. Und wenn all das nichts hilft, bleibt nur eins: Reisepläne für die nächsten freien Tage schmieden und sich jetzt schon einmal überlegen, wo es demnächst hingehen soll.


Datenquelle: GfK Verein & GfK Travel & Logistics, Studie „Reisen“, Juli 2017

Rückfragen bitte an Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org) oder Dörte Nordbeck (doerte.nordbeck@gfk.com).


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