Mit Sicherheit zum Aufschwung

Januar 2011

„Ich sage es sehr offen: Wir können nicht erwarten, dass der Wirtschaftseinbruch schnell wieder vorbei ist.“ Diesen Satz sagte Angela Merkel in ihrer Neujahrsansprache vor einem Jahr und mit eben diesem Zitat startete damals auch unser FokusThema zum Wertewandel 2010. Ein Jahr später zieht die Kanzlerin eine deutlich positivere Bilanz und erklärt: „Wir sind sogar gestärkt aus der Krise herausgekommen.” Deutschland hat sich vom Jahr der Bankenpleiten und Rettungsschirme erstaunlich schnell erholt. Und damit haben sich auch die Prioritäten im Werteverständnis der Deutschen geändert. Den Rückzug ins eigene Heim halten heute weniger Menschen als in der Krise für einen steigenden Trend. Leistungsbezogene Ideale dagegen stehen mittlerweile stärker im Fokus. Das Thema Sicherheit hat jedoch offensichtlich nach wie vor Hochkonjunktur.

So landet dieser Wert – wie bereits im Januar 2010 – erneut auf dem Spitzenplatz im Ranking. Dies zeigen Ergebnisse der aktuellen Befragung des GfK Vereins zum Thema „Bedeutungswandel von Werten“, für die im Januar 2011 zum dritten Mal mehr als 1.000 Menschen danach gefragt wurden, wie sich die Wichtigkeit bestimmter Werte ihrer Meinung nach in Deutschland entwickeln wird.

Fast 70 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass es immer wichtiger wird, in Sicherheit leben zu können. Lediglich zwei Prozent glauben, die Bedeutung könnte sinken. So ganz traut Deutschland dem Frieden in Form von positiven Wirtschaftszahlen, rosigen Beschäftigungsstatistiken oder geretteten Firmen offenbar noch nicht. Vielleicht ist es aber auch der Blick über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus, der für etwas Skepsis sorgt. Griechenland ist hoch verschuldet, die irische Wirtschaft schwankt, weitere Länder werden als Pleitekandidaten gehandelt. Auch innenpolitisch ist die Nachrichtenlage nicht wirklich ruhig: Krebserregendes Dioxin in Hühnereiern, die Terrorwarnung von Innenminister de Maizière im November oder steigende Gesundheitskosten machen so manchen nervös und sorgen dafür, dass das Thema Sicherheit auf Platz eins bleibt.

Doch „von nichts kommt nichts“, scheinen sich viele zu denken und messen auch dem Thema Leistung für die Zukunft besonders steigende Bedeutung zu. Fast zwei Drittel glauben, dass es künftig noch wichtiger wird, in die Hände zu spucken und setzen Leistung im Ranking auf Platz zwei. Das sind immerhin 5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Offenbar wollen die Menschen jetzt die Weichen dafür stellen, dass der noch junge Aufschwung weiter an Fahrt gewinnt.

Balance zwischen Leistung und Verantwortung

Soziale Werte auf der einen, leistungsbezogene Werte auf der anderen Seite – die Deutschen scheinen es ausgeglichen zu mögen. Nahezu gleichauf liegen die Themen Verantwortung, Vertrauen und Zuhause, Optimismus und Wettbewerb im aktuellen Ranking. Jeweils etwa die Hälfte der Menschen ist der Ansicht, dass diese Werte in Zukunft stärker in den Vordergrund rücken. Dass Deutschland sich im Wettbewerb gegen zunehmende Konkurrenz künftig stärker durchsetzen muss, glauben heute mit fast 50 Prozent übrigens deutlich mehr Menschen als noch vor einem Jahr. Und dass dies nur mit mehr Innovationen funktioniert, vermuten heute ebenfalls mehr Befragte als noch Anfang 2010. Auch die Notwendigkeit der eigenen Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen könnte in den Augen der Befragten zunehmend steigen – zumindest der leichte Rückgang beim Thema Solidarität deutet darauf hin, dass der persönliche Erfolg an Bedeutung zulegt. Passend dazu wird auch die Frage nach mehr Macht häufiger gestellt als früher. Heute befürchtet ein Drittel der Menschen einen zunehmenden Ellenbogeneinsatz in der Gesellschaft. Vor einem Jahr stimmte dieser These nur ein Viertel der Befragten zu.

Sich wieder mehr gönnen

Auf den hinteren Plätzen landen – wie schon im Vorjahr – die Werte Luxus und Abenteuer, allerdings mit steigender Tendenz. Gut 20 Prozent der Menschen finden, dass es Zeit wird, sich häufiger Exklusives zu gönnen oder sein Glück auf ganz neuen Wegen zu suchen. Wer aber abenteuerliche Reisen plant, braucht das nötige Kleingeld und kann nicht sparen. So sind heute auch weniger Menschen der Ansicht, dass es den Gürtel künftig enger zu schnallen gilt und Verzicht zu üben. Hielten es vor einem Jahr noch 35 Prozent der Menschen für zunehmend wichtig, sich einzuschränken, sehen das heute nur noch 30 Prozent so.

Leistungsprinzip eint die Generationen

Jugendliche und junge Erwachsene bis 24 Jahre halten Verzicht dabei am seltensten für einen Wert mit Zukunft. Nur knapp ein Viertel glaubt, dass es künftig stärker als bisher darauf ankommt, sich einzuschränken. Diese Altersgruppe ist es auch, die überdurchschnittlich häufig auf Abenteuer setzt. Fast 30 Prozent freuen sich auf eine aufregende Zukunft. Zum Vergleich: Bei den über 50-Jährigen gilt das nur für etwa ein Fünftel der Befragten. Doch wer glaubt, dass die Jugend nur noch auf Spaß und Spannung setzt, der irrt: Ranklotzen statt Faulenzen – diesem Credo schließen sich junge Erwachsene zwischen 25 und 34 Jahre überdurchschnittlich häufig an. Bei ihnen steht das Leistungsprinzip besonders hoch im Kurs, auch wenn sich die Generationen bei den meisten Werten insgesamt bemerkenswert einig sind.

Vorsichtiger Optimismus

Deutschland ist beim IWF das „Konjunktur-Vorbild” überschrieb die Zeitung „Die Welt“ kürzlich einen Artikel zum jüngsten Weltwirtschaftsausblick des Internationalen Währungsfonds (IWF). Auch andere Medien loben den Erfolg des Landes beim Überwinden der Krise. Und das Konsumklima befindet sich im Hoch – dennoch: Sicherheit bleibt gefragt nach dieser ökonomischen Durststrecke des letzten Jahres. Das scheinen die Menschen nicht nur von der Politik zu erwarten, sondern sie wollen selbst etwas dafür tun: mit Tatendrang und Leistungswillen – und einer guten Portion Optimismus.


Datenquelle: GfK Verein (Omnibusumfrage Januar 2011)
Rückfragen bitte an Claudia Gaspar, Tel: +49 911 395-2624, E-Mail: claudia.gaspar@gfk-verein.org