Mit Sicherheit in die Zukunft

Januar 2015

Viele von uns kennen das: Zum Jahreswechsel blicken wir zurück, ziehen Bilanz und fassen Vorsätze für die kommenden Wochen und Monate. Silvester ist für so manchen die Zeit, sich über das Gedanken zu machen, was im Leben wichtig ist. Welche Werte spielen eine Rolle für uns? Was wird 2015 bedeutsamer? Für die Menschen in Deutschland fällt die Antwort eindeutig aus: Die große Mehrheit – fast 70 Prozent – glaubt, dass Sicherheit an Bedeutung gewinnen wird. Aber auch leistungsbezogene und soziale Werte sind in den Augen vieler Bundesbürger künftig relevant.

Zwar ist Deutschland gestärkt aus der Finanzkrise von 2007 hervorgegangen und verzeichnet nach wie vor positive volkswirtschaftliche Zahlen, doch offenbar haben die unsicheren Zeiten nachhaltige Spuren in den Köpfen der Menschen hinterlassen. Auch die weltweiten Krisen und Konflikte des vergangenen Jahres sorgten vermutlich dafür, dass die Deutschen beim Thema Werte der Zukunft vor allem an eines denken: Sicherheit. So sind 68 Prozent der Menschen der Ansicht, dass dieser Wert in Zukunft für unsere Gesellschaft wichtiger wird. Lediglich vier Prozent meinen, dass es künftig weniger darauf ankommt. Damit landet dieses Thema wie schon 2010 auf Platz eins im Ranking – und dies mit großem Abstand vor allen anderen Werten. Dies zeigen Ergebnisse der aktuellen Befragung des GfK Vereins zum Thema „Bedeutungswandel von Werten“, für die zum Jahreswechsel mehr als 1.000 Menschen gebeten wurden, insgesamt 13 Wertbegriffe nach ihrer künftigen Relevanz zu beurteilen.

Gut die Hälfte der Befragten glaubt zudem daran, dass Leistung noch mehr zählen wird als bisher. Damit liegt dieser Wert nun auf Platz 2. Doch bedeutet das auch, dass neben Arbeit und Strebsamkeit kein Platz mehr für Menschlichkeit und Gemeinschaftssinn bleibt? Das Gegenteil ist der Fall: Schließlich rangieren unter den Top-5 auch soziale und solide Werte wie Vertrauen, das eigene Zuhause und Verantwortung. Etwa jeder zweite Befragte meint, dass diese Aspekte ebenfalls mehr ins Gewicht fallen werden.

Halb voll statt halb leer: Optimismus wird wichtiger

Einen der schönsten Wettbewerbe hat Deutschland bereits erfolgreich hinter sich gebracht: Schließlich sind „Wir“ im vergangenen Jahr Fußball-Weltmeister geworden. Und auch auf anderen Gebieten ist die Bundesrepublik gut aufgestellt. Sich auf den Erfolgen auszuruhen, ist für viele Menschen dennoch keine Option. 43 Prozent der Befragten sagen, dass Wettbewerb ein Wert mit Zukunft bleibt. Dabei darf man in den Augen der Bundesbürger ruhig mutig auf neue Ziele zugehen: Ebenso viele sind nämlich der Ansicht, dass Optimismus ein Wert ist, der uns künftig noch besser zu Gesicht stehen wird. Schließlich hilft der Glaube an den Erfolg auch über Durststrecken hinweg – gerade auch, wenn es um die Entwicklung von Neuem geht: Innovationsbereitschaft steht in Deutschland hoch im Kurs. Allein im Jahr 2013 verzeichnete das Europäische Patentamt (EPA) 32.000 deutsche Neuanmeldungen – damit lag die Bundesrepublik hinter den USA und Japan an der Weltspitze, wie das „Handelsblatt“ im März vergangenen Jahres berichtete. Und 41 Prozent der Befragten sind sicher, dass die Zukunft denen gehört, die Innovationen wagen.

Ende der Skala: Luxus, Abenteuer und Verzicht

Allerdings sollten diese Neuentwicklungen nach Meinung mancher Menschen nicht nur einzelnen, sondern möglichst vielen von uns zu Gute kommen: 40 Prozent der Befragten meinen, dass Solidarität ein Wert mit Zukunft ist. Auf die hinteren Plätze im Ranking setzen die Verbraucher dagegen die Themen Macht, Luxus und Abenteuer. Diese als ich-bezogen geltenden Werte spielen nach Ansicht der Verbraucher eine untergeordnete Rolle. Doch auch der Verzicht wird in diesem Jahr nicht mehr so groß geschrieben: 23 Prozent halten es für wichtig, sich künftig öfter auch einmal einzuschränken.

Investieren statt verzichten

Doch was genau hat sich im Vergleich zur ersten Befragung im Jahr 2010 verändert? Halten die Deutschen an ihren Wertvorstellungen fest, oder haben Krisen, Kriege, aber auch Erfolge die gängigen Wertvorstellungen verändert? Obwohl Sicherheit in den Augen der Bundesbürger weiter Hochkonjunktur hat, scheinen sich die Prioritäten etwas verschoben zu haben. Familiäre oder soziale Aspekte wie das eigene Zuhause, Solidarität und Verantwortung haben im Vergleich zu 2010 einige Prozentpunkte eingebüßt. Nachdem die Bedrohung durch die Finanz- und Wirtschaftskrise abgewendet wurde, ist offenbar etwas Entspannung eingekehrt und die Deutschen packen ihre Zukunft an, investieren und stellen sich der Konkurrenz. So haben die Werte Wettbewerb, Innovation und Luxus um fünf Prozentpunkte zugelegt. Und selbst wenn es kein Nobel-Auto oder das Penthouse in bester Lage sein muss – die Menschen hierzulande wollen sich wieder mehr gönnen. So ist Verzicht heute nur noch für knapp jeden Vierten ein Wert mit Zukunft. 2010 sahen das noch 35 Prozent so. 

Leistung, Macht und Luxus werden etwas wichtiger

Mit Blick auf Geschlecht und Herkunft zeigen sich ebenfalls Unterschiede in der Beurteilung der Werte: So setzen Männer häufiger auf leistungsbezogene Aspekte als Frauen. Wettbewerb, Innovation und Leistung sehen sie überdurchschnittlich oft als zukunftsweisend. In vielen anderen Wertefragen – allen voran in puncto Sicherheit – sind sich die beiden Geschlechter jedoch recht einig. Und auch zwischen Ost- und Westdeutschen gibt es viele Übereinstimmungen. Dabei glauben die Menschen im Osten der Republik jedoch eher, dass Wettbewerb und Optimismus wichtiger werden und schätzen auch Macht, Luxus und Abenteuer als bedeutsamer für die Zukunft ein. Im Westen hingegen halten die Menschen Verantwortung und Solidarität für überdurchschnittlich zukunftsrelevant.  

Junge Erwachsene: Fokus auf Leistung und Abenteuer

Wie schon vor fünf Jahren überrascht die jüngste Altersgruppe auch diesmal mit besonders großer Zustimmung, wenn es um Leistung geht. Als einzige Gruppe setzen die 14- bis 24-jährigen nämlich nicht Sicherheit auf den ersten Platz. Fast zwei Drittel glauben vielmehr daran, dass es künftig noch stärker darauf ankommt, anzupacken – offenbar haben Umstrukturierungen im Bildungssystem wie das achtjährige Gymnasium oder die Bologna-Reform, die junge Menschen fit machen sollen für den europäischen Wettbewerb,  ihre Spuren hinterlassen. Doch die Jugend denkt nicht nur an die Pflicht, sondern auch an den Spaß: Abenteuer zu erleben halten fast 40 Prozent dieser Altersgruppe für einen relevanten Zukunftswert. Diese Freude am Unbekannten sinkt mit zunehmendem Alter rasch ab. In der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen stehen ebenfalls leistungsbezogene Werte im Vordergrund: Wettbewerb, Macht und Luxus rangieren in diesem Alter deutlich weiter vorn als zu einem späteren Lebenszeitpunkt. Dann besinnen sich die Menschen offenbar stärker auf ihre Wurzeln: Das eigene Zuhause ist für mehr als jeden zweiten über 35 Jahre ein Wert, der Zukunft hat.

Trendinteressierte: Leistung und Sicherheit auf ähnlichem Niveau

Außerdem spielt es auch eine Rolle, ob die Befragten an neuen Trends interessiert sind oder eher nicht. Diejenigen, die sich weniger um Trends kümmern halten das Zuhause überdurchschnittlich häufig für einen Wert, der an Bedeutung gewinnen wird: 52 bzw. 53 Prozent derer, die sich nicht für neue Trends erwärmen können, sehen das so. Leistung steht für Trendinteressierte besonders hoch im Kurs: Zwei Drittel meinen, dass Leistung ein Wert von zunehmender Wichtigkeit ist – und sehen ihn als ähnlich bedeutsam an wie das Thema Sicherheit. Und auch die Werte Wettbewerb, Innovation und Abenteuer erfahren bei Menschen, die an Neuem interessiert sind, überdurchschnittlich große Zustimmung.

Doch egal, ob man für die Zukunft eher die eigenen vier Wände im Fokus hat oder von Abenteuern in der Ferne träumt, ob man Verantwortung und Vertrauen für zukunftsweisend hält oder auf neue Trends setzt – grundlegend ist für die Bundesbürger das positive Gefühl der Sicherheit. Dass es ohne diese Basis im Leben nicht geht, wusste auch schon der Gelehrte und Mitgründer der Berliner Universität, Wilhelm von Humboldt, der sagte: „Ohne Sicherheit vermag der Mensch weder seine Kräfte auszubilden noch die Frucht derselben zu genießen – denn ohne Sicherheit ist keine Freiheit.“


Datenquelle:  GfK Verein, BUS-Umfrage, Januar 2015

Rückfragen bitte an Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org).


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