Unterwegs in der Zukunft

November 2017

Als die Macher von „Zurück in die Zukunft II“ vor knapp dreißig Jahren ihre Vorstellung vom Leben im Jahr 2015 präsentierten, gehörten fliegende Autos selbstverständlich dazu. Heute liegt diese Zukunft bereits in der Vergangenheit, und fliegende Autos gibt es allenfalls als Prototypen. Ein flächendeckender Einsatz ist nicht in Sicht – zu viele technische Fragen sind einfach ungelöst. Sicher jedoch ist: Die Art, wie wir von A nach B kommen, wird sich verändern. Wie sieht Mobilität in Zukunft aus? Welche Transportmöglichkeiten werden wir angesichts immer neuer technischer Möglichkeiten in einigen Jahren nutzen? Potenzial scheinen vor allem autonomes Fahren und elektrische Fahrzeugflotten zu haben. Sie werden nach Meinung vieler Menschen die Mobilität von morgen besonders prägen – vorausgesetzt, Sicherheitsrisiken werden ausgeschaltet.

Für viele Menschen ist das Auto mehr als ein reines Transportmittel: So mancher Schlitten wird liebevoll und zeitaufwändig gepflegt, individuell aufgerüstet, ja manchmal gar mit einem Kosenamen versehen. Wenn von autonomem Fahren die Rede ist, geht es beim Auto jedoch um noch viel mehr. Nicht nur, dass das Fahrzeug selbstständig fährt. Es wird darüber hinaus zum weiteren Lebensraum: elektrisch, vernetzt und ganz auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten. Fahrer werden erkannt und auf der Straße je nach Bedarf technisch unterstützt oder mit Musik, Nachrichten aus den sozialen Netzwerken oder anderen Medien unterhalten. Das Konzept des autonomen Fahrens wird in den Augen besonders vieler Menschen die mobile Zukunft mitbestimmen: 42 Prozent der Befragten in vier europäischen Ländern sind davon sehr oder völlig überzeugt. Fast ebenso viele (41 Prozent) meinen, dass selbstfahrende, elektrische Fahrzeugflotten unser Mobilitätsverhalten stark beeinflussen werden. Dies zeigen Ergebnisse der Studie „On the road again – Global survey on millennials` attitudes towards current and future mobility“. Für diese Studie des GfK Vereins in Zusammenarbeit mit GfK Automotive gaben insgesamt gut 7.000 Menschen aus sieben Ländern, darunter etwa 4.000 Menschen aus Deutschland, UK, Frankreich und Italien, ihre Einschätzung zu verschiedenen Mobilitätskonzepten der Zukunft ab. Beurteilt wurde der Einfluss von autonomem Fahren, Shared Mobility, selbstfahrenden Fahrzeugflotten und Drohnen-Taxis.

Auf Rang drei der einflussreichsten Konzepte rangiert das Drohnen-Taxi. 36 Prozent aller Befragten können sich vorstellen, dass Passagiere künftig von autonom fliegenden Drohnen zum Wunschziel gebracht werden und rechnen damit, dass diese Möglichkeit großen Einfluss auf die Mobilität von Menschen haben wird. Und immerhin noch gut jeder Dritte glaubt, dass Shared Mobility-Konzepte künftig eine wichtige Rolle spielen werden. Sollte dies der Fall sein, könnten wir aus einem umfangreichen Angebot des öffentlichen Verkehrs, Sharing-Konzepten und neuen Mobilitätsdiensten stets die beste Transportoption wählen – natürlich unterstützt durch virtuelle Helfer. 

Ländervergleich: Italiener trauen neuen Konzepten besonders viel zu

Der Blick auf die Ergebnisse einzelner europäischer Länder zeigt: In puncto Mobilität sehen vor allem die Italiener Veränderungen auf uns zukommen. Sie sprechen diesbezüglich allen vier Konzepten jeweils das größte Potenzial zu. So glaubt gut jeder Zweite daran, dass selbstfahrende Fahrzeugflotten das Transportwesen künftig sehr beeinflussen werden, fast ebenso viele (49 Prozent) halten Shared Mobility-Konzepte für besonders aussichtsreich. Doch auch das Drohnen-Taxi und autonomes Fahren haben in den Augen der Befragten gute Chancen: 44 bzw. 43 Prozent sehen hierin zukunftsträchtige Möglichkeiten, mobil zu sein. Zumindest mit Blick auf das autonome Fahren schließen sich die Menschen in Frankreich, UK (beide 41 Prozent) und Deutschland (42 Prozent) den Italienern an. Dass der Fahrer unterwegs weniger zu tun hat, weil das Auto bestimmte Tätigkeiten automatisch übernimmt, ist offenbar für viele schon vorstellbar. Bezüglich der anderen Konzepte sind die Befragten in den übrigen drei Ländern jedoch teilweise anderer Meinung. Dass selbstfahrende Flotten die Mobilität von morgen stark prägen werden, meinen nur 39 Prozent der Franzosen, 38 Prozent der Briten und 36 Prozent der Deutschen. Auch am Drohnen-Taxi scheiden sich die Geister: 38 Prozent der Befragten in UK können sich diese Variante als wichtiges Transportmittel der Zukunft vorstellen. In Frankreich sind es immerhin noch 34 Prozent, in der Bundesrepublik sehen das dagegen nur noch 29 Prozent so. Auch mit Blick auf die Bedeutung von Shared Mobility äußern sich die Menschen in UK, Deutschland und Frankreich deutlich zurückhaltender als die Italiener.

Es mag ja sein, dass ein Drohnentaxi oder ein vollautomatisiertes Fahrzeug irgendwann zum Trend für die Allgemeinheit wird – doch würden wir selbst in eines einsteigen? Welches Mobilitätskonzept die Menschen allgemein für zukunftsfähig halten, hat nur bedingt etwas mit ihren eigenen Nutzungsabsichten zu tun. Am ehesten können sich die Befragten aller Länder vorstellen, mit selbstfahrenden Fahrzeugflotten von A nach B zu gelangen. 33 Prozent sagen von sich, solche Möglichkeiten künftig sehr oder äußerst wahrscheinlich zu nutzen. Auf dem zweiten Platz rangieren Drohnen-Taxis mit einer Nutzungsabsicht von 26 Prozent, gefolgt vom autonomen Fahren mit 25 und Shared Mobility mit 24 Prozent. Insgesamt jedoch zeigt sich: Der potenzielle Einfluss aller vier Konzepte wird allgemein höher eingeschätzt als die individuelle Bereitschaft, diese auch tatsächlich in Anspruch zu nehmen.

Nutzungspläne: Selbstfahrende Flotten haben das größte Potenzial

Differenziert man in dieser Frage nach den einzelnen Ländern, so liegt Italien auch in Sachen Nutzungswahrscheinlichkeit vorn – und zwar bei allen abgefragten Konzepten. 40 Prozent der Italiener halten es für sehr oder äußerst wahrscheinlich, sich in einigen Jahren per Fahrzeugflotte auf den Weg zu machen. Frankreich, UK und Deutschland erreichen hier deutlich niedrigere Werte um die 30 Prozent. Sich von einer Flugdrohne abholen und befördern zu lassen, kann sich jeder dritte Italiener vorstellen. In Frankreich dagegen gilt das nur für 19, in Deutschland für 23 Prozent der Befragten. Nur die Briten nähern sich mit 30 Prozent Zustimmung der italienischen Marke an. Diese liegt auch beim Thema autonomes Fahren überdurchschnittlich hoch: 31 Prozent der Italiener rechnen fest damit, irgendwann im intelligenten Auto unterwegs zu sein. Abermals sind es im Vereinigten Königreich fast ebenso viele (29 Prozent); in Frankreich und Deutschland können sich dagegen nur 23 bzw. 16 Prozent dafür begeistern. Und während Shared Mobility für 30 Prozent der Italiener nach einer interessanten Mobilitäts-Variante klingt, trifft dies nur auf 19 Prozent der Bundesbürger, 22 Prozent der Briten und 26 Prozent der Franzosen zu.

Doch warum haben – selbst in Italien – die Menschen häufig noch Bedenken angesichts neuer Mobilitätskonzepte? Es sind in erster Linie Sicherheitsaspekte, die die Verbraucher zögern lassen. So nennen 33 Prozent aller Befragten, die autonomes Fahren, Drohnen-Taxi und Co. sehr wahrscheinlich nicht nutzen werden, mögliche Gefahren für die Passagiere als Grund für ihre Ablehnung. Für 29 Prozent sorgt konkret die Angst vor einem möglichen Kontrollverlust beim Fahren für Skepsis. Jeder Fünfte gibt an, kein Vertrauen in die Technologie zu haben, 16 Prozent bezeichnen sie sogar als beängstigend oder bezweifeln, dass sie überhaupt funktioniert. Neben diesen Aspekten rund um das Thema Sicherheit werden auch weitere mögliche Nachteile als Argumente gegen die Mobilitätskonzepte ins Feld geführt: Gut 20 Prozent der Nicht-Nutzer sehen darin keine wirklichen Vorteile oder vermuten Probleme mit dem Datenschutz. Für 21 Prozent spielen außerdem potentielle Preisaufschläge eine wichtige Rolle.  Etwas weniger Menschen (15 Prozent) sehen sich in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt oder bemängeln den fehlenden Fahrspaß. Die Deutschen äußern in diesen Fragen fast durchweg größere Bedenken als der Durchschnitt: Bei 8 der 10 meistgenannten Barrieren liegen die Bundesbürger über dem Mittelwert der betrachteten europäischen Länder. Insbesondere bei den Themen Sicherheit und Datenschutz ist man hierzulande offenbar deutlich besorgter. Vergleichsweise groß ist auch die Skepsis gegenüber den neuen Technologien. Lediglich in puncto „Zusatzkosten“ und bei der Frage nach einem möglichen Kontrollverlust beim Fahren zeigen sich die Bundesbürger vergleichsweise gelassen und liegen mit 21 bzw. 29 Prozent im Länderdurchschnitt. 

Barrieren: Sicherheitsaspekte und Angst vor Kontrollverlust lassen Verbraucher zögern

Welche Aspekte die Gruppe der voraussichtlichen Nicht-Nutzer besonders stören, variiert von Konzept zu Konzept. Vor allem Drohnen-Taxis schneiden häufig schlechter ab als die anderen Mobilitäts-Ideen – gerade, wenn es um Aspekte rund um das Thema Sicherheit geht. So gehen 44 Prozent der Nicht-Nutzer von Sicherheitslücken beim Einsatz fliegender Taxis aus – vermutlich weil deren Entwicklung noch relativ am Anfang steht. Kontrollverlust vermuten die Befragten ebenfalls bei den Drohnen-Taxis (36 Prozent) in besonderem Maß; zudem finden überdurchschnittlich viele (29 Prozent) diese Art der Fortbewegung einfach beängstigend – angesichts der Idee, Menschen vollautomatisiert zu transportieren, ist dies kaum verwunderlich. Mangelndes Vertrauen in die Technologie ist für 29 Prozent ein Grund, ablehnend zu bleiben. Jeder Vierte glaubt außerdem, dass dieses Mobilitätskonzept einfach nicht funktioniert. Diesbezüglich schneiden Systeme zum autonomen Fahren (12 Prozent) deutlich besser ab. Hier wiegt jedoch die Sorge um die Datensicherheit schwerer: 27 Prozent nennen diese Barriere als Grund dafür, autonomes Fahren künftig wahrscheinlich nicht zu nutzen. Dass ein Mobilitätskonzept keine wirklichen Vorteile bringt, trifft in den Augen der Nicht-Nutzer vor allem auf autonomes Fahren sowie Shared Mobility besonders zu. Letztere stehen auch überdurchschnittlich oft im Verdacht, die Entscheidungsfreiheit zu stark einzuschränken (23 Prozent). Mangelnder Fahrspaß und die Angst vor Zusatzkosten sind dagegen vor allem mit Blick auf das automatisierte Fahren ein Hemmnis.

Egal, welche Hürden die einzelnen Mobilitäts-Konzepte noch zu nehmen haben, über eines dürften sich wohl alle Menschen freuen, die eines Tages damit in Berührung kommen: das Plus an freier Zeit unterwegs. Statt uns konzentriert durch endlose Staus zu quälen oder tatenlos im übervollen Bus Halt zu suchen, hätten wir schließlich so viel Besseres zu tun. Was das autonome Fahren betrifft, so würden die meisten Befragten die gewonnene Zeit dafür nutzen, den Blick schweifen zu lassen und die Umgebung zu genießen. Über alle Länder hinweg nennen 36 Prozent der Befragten dies als favorisierte Alternative zum aufmerksamen Fahren. Das zeigt die Auswertung der Antworten auf die Frage, wie sich die verfügbare Zeit am sinnvollsten nutzen ließe. Ebenso viele würden Musik, Nachrichten oder Hörbüchern lauschen, 33 Prozent würden im Internet surfen, 32 Prozent die Zeit für ein Nickerchen nutzen. Etwas weniger als ein Drittel der Verbraucher könnte sich vorstellen, unterwegs zu essen oder zu trinken, zu lesen oder mit anderen zu plaudern. Kommunikation via Mail, SMS oder Whats-App käme für 25 Prozent in Frage, 24 Prozent würden unterwegs am liebsten Videos und Filme ansehen. Knapp jeder Fünfte würde die Zeit im autonom fahrenden Auto für ein Päuschen nutzen, 18 Prozent hätten unterwegs gern eine Massage.

Was tun, wenn weniger Zeit auf der Strecke bleibt?

In erster Linie wünschen sich die Menschen in allen untersuchten Ländern also offenbar freie Zeit für Entertainment, Kommunikation mit anderen und Entspannung im stressigen Alltag. Aber auch Arbeiten kommt für so manchen in Frage: 18 Prozent würden die gewonnene Zeit für den Job nutzen, 16 Prozent für Videocalls mit Kollegen oder Freunden. 15 Prozent können sich außerdem vorstellen, Spiele zu spielen. Und auch um den eigenen Körper könnte man sich zwischendurch kümmern: Styling, ein neues Make-up oder eine frische Rasur sind allerdings nur für 9 Prozent der Befragten vorstellbar, eine Sport- und Trainingseinheit hinter dem Lenkrad für 8 Prozent der Befragten. Und schließlich gibt es auch einen gar nicht so kleinen Anteil an Menschen, die sich auch im autonomen Auto der Zukunft voll aufs Fahren konzentrieren würden. 19 Prozent nämlich können sich nicht vorstellen, etwas anderes in der gewonnenen Zeit zu tun.

Freizeit im Auto: surfen, lauschen, genießen

Auch in dieser Frage sind sich die Menschen in den einzelnen Ländern nicht immer einig. Für die Bundesbürger steht der entspannte Blick ins Grüne nicht an erster Stelle. Sie würden die gewonnene Zeit beim autonomen Fahren am liebsten damit verbringen, im Netz zu surfen. 34 Prozent nennen diese Idee. Auch die Briten haben eine andere Lieblingsvorstellung als der Durchschnitt über alle Länder. 42 Prozent würden gerne ganz entspannt Musik, Radio, Nachrichten oder Hörbücher hören, wenn sie unterwegs sind. In Italien und Frankreich steht dagegen mit 42 bzw. 39 Prozent das Genießen der Umgebung an erster Stelle.

Sind diese Vorstellungen und Wünsche der Menschen bloße Zukunftsmusik? Nicht unbedingt. So beschloss die britische Regierung kürzlich, selbstfahrende Autos massiv zu fördern und ab 2021 auf die Straße zu bringen. Auch autonome Fahrzeugflotten sind keine Fiktion mehr: Der Fahrdienstvermittler „Uber“ plant beispielsweise, eine solche Flotte aufzubauen. Und schon heute sind Shared-Mobility-Konzepte, die verschiedene Transportmöglichkeiten intelligent kombinieren, denkbar. Doch was ist mit den Drohnen-Taxis? Hier dürften allein aus technischen und Sicherheitsgründen die größten Hürden bestehen. Doch unüberwindbar sind sie offenbar nicht. So wurde im September in Dubai eine Passagierdrohne testweise auf ihren Jungfernflug geschickt – allerdings noch unbemannt. Vielleicht behalten die Macher von „Zurück in die Zukunft II“ also doch recht mit ihrer Idee vom fliegenden Auto. Schließlich haben sie auch andere Entwicklungen wie Bildtelefone, Flachbildschirme und tragbare Telefone für alle recht treffsicher vorhergesehen.


Datenquelle: On the road again – Global survey on millennials‘ attitudes towards current and future mobility (GfK Verein and GfK Automotive), Oktober 2017

Rückfragen bitte an Bettina Saffer (bettina.saffer@gfk.com oder Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org).


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