Vor diesen Aufgaben steht die Welt

Oktober 2017

Eine schwächelnde Wirtschaft, politische Krisen oder fehlende Jobperspektiven sind nur einige der Themen, die die Menschen in aller Welt derzeit beunruhigen. Je nach Herkunftsland fallen die Antworten auf die Frage nach den aktuell wichtigsten Herausforderungen unterschiedlich aus: In Ländern wie Nigeria, Indonesien oder Russland ist es vor allem die sinkende Kaufkraft, die die Menschen als wichtige Aufgabe für die Zukunft sehen. In den westlichen Industrienationen steht das Thema Zuwanderung und Integration oft ganz oben auf der Agenda. Aber auch Arbeitslosigkeit, kränkelnde Gesundheitssysteme oder eine instabile Regierung gehören mancherorts zu den Top-Themen im globalen Herausforderungs-Ranking.

Die Mehrheit der Menschen in Nigeria ist sich einig: Steigende Preise beziehungsweise eine sinkende Kaufkraft sind ein Problem, das vordringlich angegangen werden muss. 67 Prozent der Verbraucher dort setzen das Thema auf den Spitzenplatz im Sorgenranking. Der Vergleich mit anderen Ländern zeigt: Nirgendwo sonst herrscht so viel Einigkeit bezüglich der Top-Herausforderung im eigenen Land. Kein Wunder: Durch den Preisverfall für Rohöl flossen weniger Einnahmen ins Land. In der Folge schwächelte die Währung und Importe verteuerten sich. So lag die Teuerungsrate 2016 deutlich im zweistelligen Bereich (siehe Weltbank).

Preise und Kaufkraft: Top-Herausforderung in Nigeria, Indonesien und Russland

Wie sie mit ihrem Einkommen auskommen sollen, beschäftigt global gesehen aber auch noch andere Nationen in besonderem Maße: In Indonesien und Russland liegt die Inflationsrate zwar deutlich unter dem nigerianischen Level, doch immerhin etwa je ein Drittel der Menschen sieht Preisstabilität auch in diesen Ländern als wichtigsten Auftrag an die Politik. Dies sind Ergebnisse der langjährigen Studie „Challenges of Nations“, für die der GfK Verein im ersten Quartal dieses Jahres 27.517 Menschen aus 24 Ländern offen, also ohne stützende Antwortvorgaben, nach den dringendsten Aufgaben gefragt hat, die gegenwärtig im jeweiligen Land zu lösen sind.

Arbeitslosigkeit: Europas Krisenländer weiter in Sorge

Auch wenn Preise stabil bleiben und die Kaufkraft in einem Land keinen Grund zur Besorgnis bietet – ohne eine geregelte und bezahlte Arbeitsstelle ist das Leben schwierig. Insbesondere für die Spanier ist das Thema Arbeitslosigkeit auch Jahre nach der Krise nicht vom Tisch. Zwar sind die Arbeitslosenzahlen inzwischen rückläufig, doch gerade für junge Menschen bieten sich oftmals schlechte Job-Aussichten. So verwundert es kaum, dass die Frage nach besseren Perspektiven weiterhin ganz oben auf der Agenda steht: 61 Prozent der Spanier – und damit eine deutliche Mehrheit – räumen dem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit höchste Priorität ein. In Frankreich und Italien hat dieses Thema ebenfalls für viele Befragte Vorrang: 51 Prozent der Franzosen und 46 Prozent der Italiener finden es derzeit am wichtigsten, etwas gegen fehlende Jobperspektiven zu tun. Etwas weniger, nämlich 30 Prozent der Befragten, sind es in Indien. Beim Blick auf die offizielle Arbeitslosenstatistik verwundert es zunächst, dass dieses Thema einen derart hohen Stellenwert hat. Doch die Lebensrealität sieht nach Einschätzung von Indienkennern wie zum Beispiel dem Schweizer Journalisten Bernard Imhasly etwas anders aus als die Statistik: Es gibt eine hohe verdeckte Arbeitslosigkeit, also Menschen, die von der offiziellen indischen Arbeitsmarktstatistik einfach nicht erfasst werden, weil sie im informellen Sektor (siehe Focus) tätig sind oder per Definition nicht als arbeitslos gelten (siehe Indien – ein Länderportrait). Zudem hat Indien auch mit den Folgen des sogenannten „demografischen Bonus“ zu kämpfen (siehe Heinrich-Böll-Stiftung): Durch das günstige Generationenverhältnis mit einer insgesamt sehr jungen Bevölkerung drängen in Zukunft sehr viele (oftmals gering qualifizierte) Berufseinsteiger auf den Arbeitsmarkt und kämpfen um die relativ wenigen Stellen.

Zuwanderung und Integration: Top-Thema in Teilen Europas und den USA

Die Flüchtlingsbewegungen der letzten Zeit und der Umgang mit den Zuwanderern haben vor allem in der Bundesrepublik Spuren in den Köpfen der Menschen hinterlassen. Wie gehen wir mit all jenen um, die hierzulande Hilfe suchen? Dass diese Frage zügig beantwortet werden muss, findet gut jeder zweite Deutsche (56 Prozent). Ähnlich viele sind es in Österreich (53 Prozent), dem Land, das vor allem 2015 und 2016 zahlreiche Menschen auf dem Weg Richtung Deutschland passierten. In der Schweiz setzt etwa jeder Dritte (36 Prozent) das Thema ganz oben auf die Liste der wichtigsten Aufgaben. Fast ebenso viele (35 Prozent) tun dies in Schweden. Das dürfte vor allem darin begründet liegen, dass das Land gemessen an der eigenen Bevölkerungszahl besonders viele Flüchtende aufgenommen hat. Doch nicht nur in Europa, sondern auch jenseits des Atlantiks steht die Zuwanderung auf Platz 1 der Sorgenliste – wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau: 17 Prozent der US-Amerikaner nennen diese Aufgabe spontan als Top-Herausforderung.

Gesundheitswesen: Defizite in Teilen Europas und Südamerikas

Was passiert, wenn ich plötzlich krank werde? Wer bezahlt einen Arztbesuch oder eine Operation? Diese Fragen beschäftigen die Befragten – ebenso wie die Arbeitslosenzahlen – in 4 von 24 Ländern ganz besonders. Vor allem die Brasilianer zeigen sich hier beunruhigt: Mehr als jeder Zweite (56 Prozent) setzt das Thema auf Platz 1 des Rankings. Zwar sieht das öffentliche Gesundheitswesen für alle Einwohner bei Bedarf eine kostenlose medizinische Behandlung vor, doch das System gilt als marode (siehe Pharmazeutische Zeitung). So mangelt es beispielsweise an der Krankenhausausstattung, an gut ausgebildeten Ärzten und oftmals auch an der nötigen Infrastruktur (u.a. schlecht ausgebaute Straßen), um tatsächlich alle Einwohner des größten und bevölkerungsreichsten Staates in Südamerika gut zu versorgen. Zu weite, schlecht ausgebaute Wege sind in Großbritannien, den Niederlanden und Polen wohl kaum das Problem. Dennoch sehen die Menschen auch dort Handlungsbedarf in Sachen Gesundheitsversorgung. Für 31 Prozent der Briten liegt hierin die Top-Herausforderung. Ärztemangel, der durch den nahenden Brexit noch verstärkt werden dürfte (siehe arzt-wirtschaft.de) und lange Wartezeiten (siehe aerzteblatt.de) dürften Gründe dafür sein. Letztere Kritikpunkte sind offenbar auch in den Niederlanden ein Thema. Laut einem Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung besteht nach wie Konfliktpotenzial wegen langer Wartezeiten auf eine Krankenhausbehandlung (siehe Bundeszentrale für politische Bildung). Denn beim Übergang von der ambulanten in die stationäre Behandlung gibt es oft Probleme. Darüber hinaus werden in den Niederlanden immer wieder die hohen Selbstbeteiligungskosten und die faktisch fehlende freie Arztwahl diskutiert (siehe Die Presse)  – und so hält es jeder vierte Befragte für wichtig, das Gesundheitswesen auf Vordermann zu bringen. In Polen geht das angesichts struktureller Defizite und einer chronischen Unterfinanzierung (siehe Ärztezeitung) 22 Prozent der Menschen so.

Korruption: Jeder zweite Kenianer sieht hier Handlungsbedarf

Auf der internationalen Rangliste für Korruption, die jährlich von der Nichtregierungsorganisation Transparency International (siehe Transparency International) veröffentlicht wird, rangieren Schwellen- und Drittweltländer seit Jahren am kritischen Ende der Skala. Auch Kenia schnitt 2016 schlecht ab und belegte Rang 148 von 176. Die Bevölkerung rückt die schwerwiegenden Folgen, die Bestechlichkeit für ihr Land hat, entsprechend stark in den Fokus: Jeder zweite Befragte (51 Prozent) nennt Korruption spontan als wichtigste Herausforderung. Mit dem Problem steht Kenia zwar längst nicht alleine auf der Welt da, es wird dort aber offenbar als besonders gravierend empfunden. Denn in keinem anderen Land taucht Korruption als Top-Herausforderung im Ranking auf.

Kriminalität: Mexiko und Südafrika besonders betroffen

Drogenkartelle, Konflikte zwischen bewaffneten Banden und staatlichen Sicherheitskräften, Überfälle und Schusswechsel auf offener Straße – die Bevölkerung Mexikos leidet nach wie vor unter hoher Kriminalität. 43 Prozent der Befragten sehen deren Bekämpfung aktuell auch als wichtigstes Ziel. Fast ebenso viele – 39 Prozent – sind es in Südafrika. Dort gilt die Sicherheitslage vor allem in den Großstädten und deren Umland als angespannt.

Wirtschaftliche Stabilität: Top-Thema in Südkorea

In diesen Tagen ist Südkorea vor allem wegen des aufflammenden Konflikts mit dem Nachbarn im Norden in den Schlagzeilen. Daneben sehen 42 Prozent der Südkoreaner in der wirtschaftlichen Stabilität des Landes die größte aktuelle Herausforderung. Mit diesem Problem haben zwar auch andere Nationen zu kämpfen, doch nirgendwo sonst schafft es das Thema auf den Spitzenplatz.

Politik und Regierung: Iraner, Belgier und Türken beunruhigt

In puncto Regierung und Politik sieht das etwas anders aus: Diese Aufgabe beschäftigt die Befragten in 3 der 24 Länder am stärksten. Vor allem im Iran blicken sie beunruhigt auf die politischen Entwicklungen in ihrem Land: 40 Prozent halten weitere Reformen für die wichtigste Herausforderung. In Belgien sind die Zeiten der fehlenden Regierung zwar vorbei, doch nach wie vor ist das politische System dort so komplex, dass es selbst für die Einheimischen mitunter schwer zu verstehen ist. Dementsprechend setzt dort jeder vierte Befragte das Thema Politik / Regierung ganz vorne auf die Sorgenliste. Fast ebenso viele Menschen (22 Prozent) sind es in der Türkei, die nach dem Putschversuch 2016 alles andere als zur Ruhe gekommen ist.

Familienpolitik: Japaner in Sorge um Nachwuchs

Ganz andere Sorgen macht man sich aktuell in Japan. Hier landet die Familienpolitik an erster Stelle – auch wenn sich keine Mehrheit der Bevölkerung darauf einigen kann, dass hier der größte Handlungsbedarf besteht. 22 Prozent der Japaner äußern angesichts rückläufiger Geburtenraten ihre Besorgnis. Tatsächlich ist die Zahl der Neugeborenen im Jahr 2016 erstmals unter eine Million gesunken – ein Grund dafür dürfte die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf sein. Fehlende Möglichkeiten der Kinderbetreuung sowie unflexible und lange Arbeitszeiten stehen der Gründung einer Familie in Japan offenbar häufig im Weg.

Europa: Arbeitsplätze, Zuwanderung und Gesundheit an der Spitze

Betrachtet man die Herausforderungen durch die europäische Brille, verschieben sich die Schwerpunkte leicht im Vergleich zum globalen Ranking. So taucht die Familienpolitik im europäischen Kontext nicht als Top-Aufgabe auf. Dafür aber haben die Menschen hier zusätzlich Themen wie Armut, Verkehrspolitik oder Umweltschutz im Blick – wenngleich mit einer eher geringen Brisanz. Besonders stark beschäftigt die Menschen in Europa dagegen die Sorge um einen sicheren Arbeitsplatz. Am stärksten ist das in Spanien, Frankreich und Italien der Fall. Auch die Integration von Zuwanderern rangiert in Teilen Europas – vor allem Deutschland und Österreich – ganz oben auf der Sorgenliste. In Polen dagegen, das sich bislang recht erfolgreich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen gewehrt hat, sieht nur ein kleiner Teil der Menschen hierin die wichtigste Herausforderung (3 Prozent). Dort konzentriert man sich stärker auf innenpolitische Themen, speziell auf das Gesundheitswesen. Mehr als jeder fünfte Befragte (22 Prozent) nennt gesundheitspolitische Reformen als Top-Thema. Übertroffen wird dieser Wert nur noch in den Niederlanden und Großbritannien.

Platz 4 bis 7: Politische Systeme, Preise und Renten

Veränderungen im politischen System beschäftigen derzeit vor allem die Menschen in Belgien und der Türkei: In beiden Ländern setzt fast ein Viertel der Befragten diesen Aspekt ganz oben auf die Tagesordnung. Zum Vergleich: In Schweden, aber auch in Russland sehen hier nur jeweils 2 Prozent akuten Handlungsbedarf – wohl aber aus unterschiedlichen Gründen. So hat die russische Bevölkerung trotz zuletzt sinkender Inflationsraten vor allem die Entwicklung der Kaufkraft im Blick. Der wichtigste Aspekt, der dabei von 20 Prozent der Befragten explizit dazu genannt wird, hat allerdings nichts mit Preissteigerungen zu tun, sondern mit einer gewünschten Erhöhung der Löhne. Insgesamt wird in keinem anderen Land des europäischen Kontinents das Problem der Kaufkraft als wichtigste Herausforderung genannt. Um die Versorgung im Alter machen sich dagegen die Schweizer die größten Gedanken: Fast jeder Vierte empfindet die Sicherung der Renten als dringlichste Aufgabe.

Platz 8 bis 11: Bildung, Kriminalität, Wirtschaft und Wohnraum

Im Mittelfeld des europäischen Rankings finden sich die Bereiche Bildungspolitik, Kriminalität, wirtschaftliche Stabilität und Mieten bzw. Immobilienpreise. Veränderungen im Bildungswesen fordern vor allem die Österreicher (14 Prozent) sowie Spanier und Deutsche (jeweils 12 Prozent). Letztere liegen europaweit auch vorne, wenn es um den Wunsch nach einer besseren Kriminalitätsbekämpfung geht: Für 16 Prozent der Bundesbürger liegt darin die größte Herausforderung, ebenso viele sind es in Frankreich. Um eine funktionierende Wirtschaft bangen derzeit in erster Linie die Italiener und die Türken: 15 bzw. 14 Prozent mahnen hier Veränderungen an. Und die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum halten die Menschen in Russland mit 16 Prozent für eine wichtige Aufgabe, die es zu erledigen gilt.

Schlusslichter: Armut, Verkehrspolitik, Umweltschutz und Korruption

Am Ende des Rankings finden sich – abgesehen vom Thema Korruption – Aspekte, die auf der globalen Sorgenliste nicht auftauchen: Armut beispielsweise spielt in den Augen der Deutschen eine wichtige Rolle: 17 Prozent der Bundesbürger empfinden sie als Top-Herausforderung – kein anderes europäisches Land erreicht auch nur annähernd diesen Wert. In Belgien beunruhigt die Menschen dagegen vor allem die Situation auf den Straßen besonders stark. Fast jeder Fünfte hält die Verkehrspolitik für die derzeit wichtigste Herausforderung. Die Schweizer empfinden das Thema Umweltschutz mit 16 Prozent Nennungen als hoch relevant. Und dass Korruption auch vor europäischen Toren nicht halt macht, nehmen vor allem die Spanier an. Jeder Vierte Befragte sieht in der Korruptionsbekämpfung die Top-Aufgabe. Das ist mit Abstand der höchste Wert auf dem europäischen Kontinent.

Deutschland: entspannter Blick auf den Arbeitsmarkt, Sorge um die Integration

Wie haben sich die Sorgen der Bundesbürger in den vergangenen Jahren entwickelt? Welche Themen haben an Brisanz gewonnen, welche verloren? Der Blick auf die Zeitreihe zeigt: Aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen wie die Zuwanderung, aber auch das Auseinanderdriften zwischen reichen und ärmeren Gesellschaftsschichten haben frühere Problemstellungen teilweise überlagert. Ein Thema hält sich wie schon im Vorjahr auf Platz 1, wenngleich mit deutlich weniger Nennungen: 56 Prozent der Bundesbürger sehen in den Aspekten Zuwanderung und Integration die derzeit wichtigste Aufgabe (2016: 83 Prozent). Erstmals auf Rang 2 steht die Armutsbekämpfung auf der Aufgabenliste. Während diese vor 20 Jahren keine Rolle spielte, verweisen heute 17 Prozent der Deutschen auf ihre Wichtigkeit. Auch der Kampf gegen Kriminalität hat über die Jahre in den Augen der Bundesbürger an Brisanz gewonnen: Während vor 20 Jahren nur knapp jeder Zehnte dieses Thema als Top-Herausforderung sah, sind es heute 16 Prozent. Deutlich abgenommen hat dagegen die Sorge um die Arbeitsplätze im Land. Angesichts der derzeitigen Beschäftigungslage fühlen sich hier nur noch 16 Prozent beunruhigt. 1997 war es dagegen mit knapp 80 Prozent die große Mehrheit der Menschen, auch 2007 zeigten sich noch zwei Drittel sehr besorgt. Sehr viel geringer fallen die Schwankungen im Zeitverlauf beim Thema Renten und Altersversorgung aus: Vor 20 Jahren sorgten sich 15 Prozent der Befragten, heute sind es 14 Prozent.   

Mittelfeld: Sorge um internationale Politik und Terrorismus legt zu

Auf den Rängen 6, 7 und 8 finden sich die Themen Kaufkraftentwicklung, Bildungspolitik und soziale Sicherung. Diese Themen beunruhigen heute gut jeden zehnten Bundesbürger. Was steigende Preise betrifft, so ist diese Sorge in den vergangenen sieben Jahren spürbar in den Hintergrund getreten. Und auch mit Blick auf Bildung und Soziales ist Deutschland auf Entspannungskurs: Zwar liegen die aktuellen Werte etwas über den Zahlen von vor 20 und auch vor 10 Jahren. Doch im Vergleich zu 2010 etwa haben auch sie offenbar wieder an Brisanz verloren. Dagegen beschäftigen Entwicklungen in der internationalen Politik und die Angst vor dem Terrorismus in einer zunehmend globalisierten Welt die Menschen immer mehr: Diese Bereiche tauchten bis 2007 bzw. 2008 überhaupt nicht im Ranking auf; heute aber sieht hier jeder zehnte Deutsche Handlungsbedarf. Mit der innenpolitischen Entwicklung und der Arbeit der Regierung sind die Menschen dagegen recht zufrieden. Dieser Themenkomplex rangiert mit 9 Prozent Nennungen seit Jahren recht stabil im unteren Mittelfeld.

Probleme mit der Türkei: Neue Sorge im Ranking

Wer aktuell auf Wohnungssuche ist oder von den eigenen vier Wänden träumt, der kann ein Lied davon singen, wie tief man dafür mancherorts in die Tasche greifen muss. Während 1997 nur 3 Prozent und 2007 sogar nur 1 Prozent der Bundesbürger hierin eine Top-Aufgabe sahen, kletterte der Wert 2017 auf 8 Prozent. Deutlich weniger beunruhigt zeigen sich die Deutschen dagegen mit Blick auf Umweltschutzaspekte: Dieser Wert hat sich nach einem spürbaren Anstieg 2007 (16 Prozent) heute wieder mehr als halbiert. Auf dem vorletzten Platz im Ranking taucht eine Herausforderung auf, die bis dato keine Rolle spielte: Die Probleme mit der Türkei, die fast täglich in den Medien diskutiert werden, nennen aktuell 5 Prozent der Menschen. Ebenso viele machen sich Gedanken um die wirtschaftliche Stabilität Deutschlands. Im Vergleich zu den Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich dieser Wert jedoch wieder merklich normalisiert.

Sorgen im Wandel der Zeit

Manchmal ist es ein plötzliches, katastrophales Ereignis wie ein Terrorakt in greifbarer Nähe, manchmal sind es längere Entwicklungen wie internationale Konflikte, die sich nach und nach zuspitzen – all das beeinflusst das globale Sorgenbarometer. Ebenso gilt das umgekehrt für positive Veränderungen, wie sie hierzulande beispielsweise auf dem Arbeitsmarkt zu verzeichnen sind. Es ist daher schwer vorherzusagen, wie sich die internationale Agenda in den nächsten Jahren verändern wird – gleich bleiben wird sie sicherlich nicht.


Datenquelle: GfK Challenges of Nations 2017/ GfK Verein/ August 2017

Rückfragen bitte an Ronald Frank (ronald.frank@gfk-verein.org) oder Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org).


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