Werte: Sicherheit weiter auf Rang eins

Januar 2018

Gehören auch Sie zu den Menschen, die das neue Jahr mit ganz bestimmten Traditionen einläuten? Die am ersten Januar ein eiskaltes Bad in Ost- oder Nordsee nehmen, ein Neujahrskonzert besuchen oder die Weihnachtskalorien bei einem langen Spaziergang abtrainieren? Die Tage um Silvester nutzen viele von uns, um zurückzublicken, aber auch um Wünsche und Hoffnungen für das neue Jahr zu formulieren. Auch GfK Compact beschäftigt sich nun schon fast traditionsgemäß im Januar mit einem Thema, das wie kaum ein anderes in diese Zeit passt. Worauf kommt es den Menschen 2018 besonders an? Welche Werte werden für die Gesellschaft und für den Einzelnen wichtiger, welche weniger relevant? Auch bei der diesjährigen Befragung ist der Spitzenplatz erneut vom Thema Sicherheit belegt. Eine große Mehrheit der Menschen ist weiter der Ansicht, dass dieser Wert sowohl allgemein als auch für sie ganz persönlich an Bedeutung gewinnt.

Schon in den Vorjahren maßen die Befragten dem Thema Sicherheit regelmäßig steigende Bedeutung bei – und überfliegt man einmal die verschiedenen Jahresrückblicke in Zeitungen und Zeitschriften, so verwundert das auch kaum. Terroranschläge oder schwelende internationale Konflikte bestätigen die Menschen offenbar einmal mehr in ihrem Gefühl mangelnder Sicherheit. Fast 80 Prozent halten sie demnach auch für einen Wert mit Zukunft, nur 3 Prozent sind der Meinung, dass es darauf aktuell weniger ankommt. Die übrigen 19 Prozent meinen, dass Sicherheit so wichtig bleibt wie bisher. Dies zeigen die Ergebnisse der neuesten Befragung des GfK Vereins zum Thema „Bedeutungswandel von Werten“, für die zum Jahreswechsel erneut mehr als 2.000 Menschen ab 14 Jahren (repräsentativ für die deutsche Bevölkerung) interviewt wurden. Sie beurteilten 13 vorgegebene Wertbegriffe danach, ob ihre Relevanz in der aktuellen Zeit zunimmt, abnimmt oder gleich bleibt.

Top 3: Sicherheit, Leistung, Verantwortung

Mit großem Abstand zum Top-Thema setzen die Menschen Leistung auf Platz 2 im Ranking. 61 Prozent glauben an das Motto „klotzen statt kleckern“ und sehen darin einen Wert mit Zukunft; nur vier Prozent sind da anderer Meinung. Die Idee, Aufgaben auch künftig beherzt anzupacken und sich anzustrengen, speist sich dabei offenbar aus einem großen Verantwortungsgefühl. So meint mehr als jeder zweite Befragte, dass es derzeit ganz besonders darauf ankommt, Verantwortung zu übernehmen. Gerade einmal 5 Prozent sehen das nicht so. Mit Vertrauen und Wettbewerb schaffen es zwei weitere Werte in die Top 5, die auf den ersten Blick recht gegensätzlich wirken. Doch warum sollten wir nicht mit mehr Zuversicht all unsere kleinen und großen Aufgaben angehen, um beispielsweise den begehrten Job zu ergattern und uns gegenüber der Konkurrenz durchzusetzen? Und so nennen ähnlich viele Menschen – 51 und 49 Prozent – Vertrauen und Wettbewerb als Werte mit wachsender Bedeutung. Allerdings gibt es hier auch einige Gegenstimmen. Im Prinzip „mehr Wettbewerb“ sieht immerhin jeder zehnte Befragte kein Motto für die Zukunft.

Mix im Mittelfeld: leistungsbezogene und soziale Werte

Im Mittelfeld des Rankings findet sich mit den Themen Zuhause, Innovation (beide 48 Prozent), Optimismus und Solidarität (45 bzw. 44 Prozent) überwiegend soziale Aspekte. Zudem sind sich die Befragten hier insgesamt recht einig – Gegenstimmen kommen nur von wenigen Menschen. Eine Ausnahme gibt es allerdings: 11 Prozent der Befragten gehen nämlich davon aus, dass der Zusammenhalt in der Gesellschaft in Zukunft weniger wichtig wird. Vielleicht gehören sie ja zu denjenigen, die in Macht einen Wert sehen, der eine größere Rolle spielen wird: 37 Prozent halten das für wahrscheinlich, allerdings geht knapp jeder Fünfte auch vom Gegenteil aus. Bei den Themen Luxus, Abenteuer und Verzicht sind die Skeptiker sogar in der Überzahl: Bei allen drei Werten rechnen mehr Menschen mit einer sinkenden als mit einer steigenden Relevanz. So landen diese Aspekte auch am Ende der Skala.

Veränderungen zum Vorjahr: Wettbewerb und Macht im Aufwind

Was wir selbst erleben, lesen oder hören, hat Einfluss auf unsere Wertvorstellungen. Entsprechend ist die Rangfolge der Werte nicht statisch, sondern verändert sich angesichts aktueller Ereignisse. Im Vergleich zum Vorjahr sind aber auch einige Aspekte stabil geblieben: Nach wie vor rangiert das Thema Sicherheit auf Platz 1. Allerdings ist erstmals seit Jahren die Zahl derer, die darin einen wichtigeren Wert sehen, rückläufig. Hat sich die Situation hierzulande tatsächlich entspannt? Oder haben wir uns einfach nur an Negativ-Schlagzeilen gewöhnt? Wie auch immer die Antwort auf diese Fragen aussieht, eines zeigt sich beim Blick auf den Vorjahresvergleich: Solide Werte wie Zuhause, aber auch Vertrauen haben mit einem Minus von 9 bzw. 7 Prozentpunkten am stärksten verloren. Eine Erklärung hierfür könnte in der guten Wirtschaftslage liegen: Wer die ökonomische Situation als stabil erlebt und sich keine Sorgen um Job und Finanzen machen muss, blickt optimistischer in die Zukunft und hat wohl kaum das Gefühl mangelnden Vertrauens. Und neigt zudem vermutlich auch weniger zum Cocooning, also dem Rückzug in die eigenen vier Wände. Die Menschen wollen sich stattdessen offenbar wieder etwas gönnen – und dafür strengen sie sich auch an. So legten sowohl die Werte Leistung als auch Luxus immerhin um jeweils drei Punkte zu, Macht und Wettbewerb sogar um jeweils 5. Damit schafft es der Wert Wettbewerb sogar wieder in die Top 5 – und zwar ausgehend von einem mittelmäßigen 9. Platz im Vorjahr.

Persönliche Relevanz: Soziale Werte werden wichtiger

Heißt das nun, dass 2018 ganz im Zeichen von Konkurrenzkämpfen, Machtstreben und Leistungswillen stehen wird? Dass wir in unserem abgesicherten Zuhause sitzen und uns überlegen, wie wir den Mitbewerber im Job am besten loswerden oder wie wir in kürzerer Zeit noch mehr Aufgaben erledigen können? Mitnichten – schließlich hat das, was wir allgemein für zukunftsweisend halten, noch lange nichts mit unseren privaten Überzeugungen zu tun, wie der Blick auf die Zahlen zur persönlichen Relevanz der 13 Wertbegriffe zeigt. Das Thema Sicherheit steht zwar auch hier mit 71 Prozent an erster Stelle, allerdings wird der Bedeutungsgewinn für die Allgemeinheit etwas höher eingeschätzt als für das individuelle Wohlbefinden (Saldo 7 Punkte). Bei anderen Wertbegriffen klafft eine noch deutlichere Lücke zwischen allgemeiner und persönlicher Relevanz. Besonders bei jenen, die leistungsgeprägt sind, fallen die Salden oft zweistellig aus. Beispiel Wettbewerb: Fast jeder Zweite rechnet hier mit einem allgemeinen Bedeutungszuwachs, aber nur 14 Prozent glauben, dass dieser Wert für sie persönlich wichtiger wird – die Differenz beträgt hier satte 35 Punkte. Auch beim Blick auf die Themen Leistung und Macht (Salden jeweils 29 Punkte), aber auch Luxus (19 Punkte) wird deutlich, dass Welten zwischen dem generell vermuteten Bedeutungszuwachs und dem ganz persönlichen liegen können. Offenbar halten wir leistungsbezogene Werte zwar in der heutigen Zeit generell für wichtig, sehen unser eigenes Leben aber weitaus weniger davon geprägt. Vielleicht gehen wir ja unbewusst davon aus, selbst bereits genug erreicht zu haben, während wir uns von anderen durchaus etwas mehr Biss und Durchhaltevermögen wünschen. Etwas geringer werden die Unterschiede bei den Werten Abenteuer (11 Punkte), Verantwortung (10 Punkte), Solidarität (9 Punkte) und Verzicht (7 Punkte) – doch auch bei all diesen Aspekten übersteigt der vermutete gesellschaftliche Bedeutungszuwachs die persönliche Relevanz. Gleichermaßen wichtig für Gesellschaft und Privatleben beurteilen die Bundesbürger lediglich den Wert Optimismus (Saldo 0 Punkte). Und wenn es um Zuhause und Vertrauen geht, urteilen die Befragten sogar umgekehrt: Was den Rückzug in die eigenen vier Wände oder das Vertrauen in die eigene Person, andere oder die Zukunft betrifft, rechnen mehr Menschen damit, dass dieser Wert für sie persönlich wichtiger wird.


Junge Befragte: Leistungsbereit und abenteuerlustig

Wer kennt das nicht: Der jugendliche Enkel will im Sommer auf Rucksack-Tour nach Thailand, der Vater mahnt zur Vorbereitung auf das Abitur und die Oma sorgt sich um die Sicherheit. Die Frage, welchen Einfluss verschiedene Werte auf unser Leben haben, wird je nach Alter unterschiedlich beantwortet. Jugendliche und junge Erwachsene zeigen sich dabei sehr leistungsbereit: Jeder Zweite zwischen 14 und 24 Jahren ist überzeugt, dass es für ihn oder sie persönlich künftig noch mehr darauf ankommt, sich richtig reinzuhängen. Damit erreicht diese Altersgruppe hier den höchsten gemessenen Wert verglichen mit allen anderen. Junge Menschen scheinen zudem bereit zu sein, Verantwortung zu übernehmen: Mit 52 Prozent halten überdurchschnittlich viele Menschen dieser Altersklasse diesen Wert für künftig wichtiger. Auch bei anderen leistungsbezogenen Werten wie Innovation, Leistung, Wettbewerb oder Macht liegen sie mehr oder weniger stark über dem Durchschnitt. Die Gefahr, dass bei so viel Tatendrang der Spaß zu kurz kommt, besteht dabei wohl kaum. Schließlich legen die jüngsten Befragten auch mehr Wert auf Abenteuer als andere und wollen etwas erleben. Und sie möchten sich angesichts von so viel Leistungsbereitschaft auch einmal etwas gönnen können: Luxus spielt für 14 Prozent eine immer wichtigere Rolle; in keiner anderen Altersgruppe schließen sich mehr Menschen dieser Aussage an. Sicherheit rangiert zwar wie bei allen anderen auch hier auf Platz 1, jedoch vermuten nur 57 Prozent und damit im Vergleich recht wenige der jungen Erwachsenen, dass wir davon künftig mehr brauchen. Auch der Rückzug in das eigene Zuhause spielt in jungen Jahren offenbar seltener eine Rolle: Nur 43 Prozent sehen darin einen Wert mit Zukunft; mit zunehmendem Alter steigt die Zahl dagegen spürbar. 

Mittlere Jahrgänge: Leistung und Verantwortung im Fokus

Das beginnt schon bei den 25- bis 34-Jährigen: 58 Prozent sind der Ansicht, dass das eigene Zuhause künftig wichtiger wird – das entspricht etwa dem bundesdeutschen Durchschnitt. Überdurchschnittlich stark im Blick hat diese Gruppe aber Werte wie Verantwortung (57 Prozent), Leistung (47 Prozent), Innovation (32 Prozent), Wettbewerb (21 Prozent) und Macht (11 Prozent) – hier werden jeweils überdurchschnittliche Werte erreicht. Offenbar kommt es in der Lebensphase, in der man im Beruf richtig durchstartet, vor allem auf diese leistungsbezogenen Werte an. Aber auch soziale Aspekte wie Vertrauen oder Solidarität fallen genauso oder zumindest fast so hoch aus wie über die gesamten Altersgruppen hinweg.

In der Zeit, in der viele von uns mit der Kindererziehung beschäftigt sind, bleibt schließlich Verantwortung weiter wichtig (52 Prozent), und zugleich steigt die Bereitschaft zum Verzicht. 17 Prozent der 35- bis 49-Jährigen rechnen damit, dass sie sich persönlich etwas zurücknehmen müssen. Damit erreichen sie neben den über 65-Jährigen in diesem Punkt den höchsten gemessenen Wert. Die Laune verderben lässt sich diese Generation angesichts dessen aber nicht: Optimismus ist in den Augen von 49 Prozent ein Wert mit Zukunft. Diese positive Weltsicht teilen auch die 50- bis 64-Jährigen bis zu einem gewissen Grad. Ihr Fokus liegt aber vor allem auf Sicherheit, die dieser Altersgruppe mit 76 Prozent besonders wichtig ist. Auch die eigenen vier Wände werden nun langsam bedeutsamer. Dafür kommt es den 50- bis 64-Jährigen deutlich weniger auf Werte wie Leistung oder Verantwortung an. Wer die 50 überschritten hat, ist offenbar eher der Ansicht, sein Soll schon überwiegend erfüllt zu haben und sich nun auf neue Dinge konzentrieren zu können.

Ältere Menschen: Zuhause ist es doch am schönsten

Wer so langsam ins Rentenalter kommt, macht sich vermutlich auch besonders oft Gedanken darüber, wie der eigene Lebensabend aussehen wird. Wird man auf Hilfe angewiesen sein? Wird man das eigene Heim verlassen müssen? So verwundert es nicht, dass verglichen mit den anderen Altersgruppen der Wert Zuhause bei der Generation 65 plus am höchsten im Kurs steht. 63 Prozent sind sicher, dass er an Bedeutung zulegen wird. Gleichzeitig stellt sich diese Generation augenscheinlich auch der Tatsache, dass mit steigendem Alter keine großen Sprünge mehr drin sind. Verzicht wird zwar nur für 17 Prozent und damit nicht für eine Mehrheit wichtiger, doch ist dies über alle Generationen hinweg einer der höchsten gemessenen Werte. Leistungsbezogene Aspekte spielen für diese Altersgruppe dagegen durchgehend die geringste Rolle: Die Themen Leistung, Wettbewerb oder Innovation haben Menschen ab 65 kaum mehr im Blick. 

Welche Werte wir besonders im Fokus haben – egal, ob mit Blick auf die Gesellschaft oder auf uns persönlich – ist also nicht statisch, sondern verändert sich im Laufe des Lebens. Und vielleicht verschiebt sich ja auch die Werteskala der Deutschen innerhalb eines Jahres und sieht Anfang 2019 ganz anders aus. Womöglich tritt das Sicherheitsbedürfnis der Menschen wieder stärker in den Vordergrund, vielleicht erleben Machtaspekte eine Renaissance, vielleicht aber auch soziale Werte. Abhängig wird das vor allem von den Ereignissen sein, mit denen sich die Deutschen im kommenden Jahr auseinanderzusetzen haben. Keiner weiß, welche das sein werden. Doch wie sagte schon der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry: „Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“ Allen Unsicherheiten zum Trotz.


Datenquelle: GfK Verein; Bedeutungswandel von Werten 2017/2018; CAPI-BUS-Umfrage Dezember 2017

Rückfragen bitte an Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org)


Möchten Sie künftig informiert werden, sobald ein neues Fokusthema erscheint? Dann können Sie sich hier anmelden.