Wohin mit dem Ersparten?

April 2015

Spare in der Zeit, dann hast du in der Not – dieser Satz gilt mit Blick auf die aktuellen Niedrigzinsen, die es in vielen Ländern Europas für klassische Anlageprodukte wie Sparbuch, Tages- oder Festgeldkonto gibt, nur noch bedingt. Gewinne sind damit meist nicht mehr zu erwirtschaften, vielmehr müssen die Anleger dabei zusehen, wie bei Sparzinsen im Promillebereich ihr Kapital real Stück für Stück von der Inflation aufgefressen wird. Da schielt manch einer häufiger als sonst nach alternativen Anlageformen, wie z.B. Immobilien, Gold oder Aktien. Je nach Herkunftsland fällt die Beurteilung verschiedener Finanzdienstleistungen dabei aber unterschiedlich aus.  

In einem Punkt sind sich die Menschen in Deutschland, Spanien, Frankreich, Großbritannien und den USA allerdings einig: Am attraktivsten finden sie die Idee, ihr Erspartes in die eigenen vier Wände zu investieren. Betongold rangiert zu Zeiten von Niedrigzinsen in allen fünf Ländern auf dem ersten Platz in der Liste der Anlageprodukte. Allerdings fällt die Begeisterung durchaus unterschiedlich aus. Dies zeigen aktuelle Ergebnisse des GfK Investmentbarometers, für das der GfK Verein im Oktober und November 2014 knapp 5.000 private Finanzentscheider in vier Ländern Europas und den USA befragt hat. Sie gaben unter anderem Auskunft darüber, wie attraktiv sie verschiedene Finanzprodukte und Sparmöglichkeiten finden. 

Wunsch-Geldanlage der Deutschen: Das Eigenheim

Attraktivität liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters – so auch beim Thema Geldanlage. Wie verschieden die Menschen in Europa und den USA einzelne Finanzprodukte beurteilen, zeigt die maximale Differenz zwischen den Länderwerten. Und die ist ausgerechnet beim insgesamt bestbewerteten Produkt am größten: dem Eigenheim. Während in der Bundesrepublik drei von vier Deutschen Investitionen ins eigene Heim für attraktiv oder sehr attraktiv halten, sind es in Frankreich nur 37 Prozent – ein Unterschied von 38 Punkten. In Spanien bewerten etwa zwei Drittel der Befragten diese Anlageform positiv, in Großbritannien sind es 57, in den USA immerhin noch 53 Prozent. Diese überdurchschnittlich hohe Begeisterung der Bundesbürger für das Eigenheim hat wohl nicht nur mit den niedrigen Zinsen fürs Sparbuch zu tun, unter denen auch die Menschen in anderen Ländern leiden. Vielmehr ist die Hausbesitzerquote hierzulande mit 53 Prozent (2013) niedriger als in anderen Ländern. Dies und die aktuell niedrigen Zinsen für Baukredite von knapp über 2 Prozent führen offenbar dazu, dass die Verbraucher stärker als anderswo mit der Investition ins Eigenheim liebäugeln.

Briten und Amerikaner: Fans der betrieblichen Altersvorsorge

Ebenso breit gefächert fallen die Meinungen zur betrieblichen Altersvorsorge aus. Gute Attraktivitätsnoten vergeben hier vor allem Briten und US-Amerikaner: Mehr als jeder zweite britische und immerhin fast jeder zweite US-amerikanische Finanzentscheider hält Pensionskassen, -fonds oder Direktversicherungen für verlockend. In Frankreich dagegen fallen die Attraktivitätswerte bei Betriebsrente & Co. mit gerade einmal 15 Prozent extrem niedrig aus.

Das Sparbuch und das Tagesgeldkonto wiederum erzielen ihre schlechteste Bewertung bei den Deutschen. Angesichts des historisch tiefen Zinsniveaus kann sich nur jeder zehnte Verbraucher derzeit für ein Sparbuch und nur jeder fünfte Befragte für ein Tagesgeldkonto begeistern. In UK schneiden diese Produkte dagegen am besten ab: 45 Prozent halten das Sparbuch, 47 Prozent das Tagesgeld für eine attraktive Anlageform.

Aktien: Franzosen halten wenig vom Spekulieren

Auch am Thema fondsgebundene Lebensversicherungen scheiden sich die Geister in Europa und den USA – die maximale Differenz liegt hier bei 32 Punkten. Diese Unterschiede erklären sich vermutlich auch, weil diese Anlagemöglichkeiten durch die Bindung an Fondsanteile höhere Risiken, aber auch höhere Chancen bergen. Am ehesten sind die Amerikaner bereit, hier ein Wagnis einzugehen. 41 Prozent sehen in fondsgebundenen Lebensversicherungen eine attraktive Anlageform. Auch Frankreich setzt das Thema mit 30 Prozent weit nach oben in der Attraktivitätsskala. Dies liegt wohl daran, dass Lebensversicherungen bei langfristiger Anlage Steuervorteile mit sich bringen. Am wenigsten können sich die Spanier für diese Kapitalanlage begeistern. Nur knapp jeder zehnte findet diese Art der Lebensversicherungen attraktiv. So verhalten fällt im Nachbarland Frankreich der Blick auf die Möglichkeiten im Aktiengeschäft aus. Nur jeder zehnte Franzose hält Anteilsscheine an Unternehmen für eine gute Möglichkeit, Geld zu vermehren. Zum Vergleich: In den USA interessiert sich fast jeder dritte Befragte dafür; die Differenz zwischen beiden Ländern liegt damit bei 21 Punkten.

Investmentfonds, Sparbriefe und Festgeld: Franzosen bleiben kritisch

Die Spannbreite der Bewertungen fällt bei Investmentfonds und Sparbriefen mit einer maximalen Differenz von 21 Punkten ebenso hoch aus. Am attraktivsten sind diese Produkte in den Augen der US-Amerikaner – etwa jeder vierte Befragte hält sie für lohnenswert. Am kritischsten sind die französischen Sparer eingestellt. Nur 4 bzw. drei Prozent würden ihr Erspartes in Fonds oder Sparbriefe stecken, und so landen diese Produkte auf den letzten beiden Rängen. Auch das vergleichsweise sichere Festgeldkonto steht bei unseren Nachbarn kaum höher im Kurs. Nur knapp jeder Zehnte hält die Geldanlage, die je nach Vertrag monatliche oder quartalsweise Verfügbarkeit garantiert, für ein sinnvolles Geschäft. Demgegenüber findet jeder vierte spanische Sparer Festgeld attraktiv – offenbar zählt nach den Turbulenzen auf den Finanzmärkten Sicherheit mehr als Rendite. Briten, Amerikaner und Deutsche bewegen sich in ihrer Einschätzung zwischen diesen beiden Polen.

Sparschwein und Schließfach: bei Briten und Amerikanern vorn

Wer ganz auf Nummer sicher gehen will und auf jegliche Rendite verzichtet, hat vielleicht auch schon einmal mit dem Gedanken gespielt, sein Geld dem guten alten Sparschwein anzuvertrauen. Zu Hause sparen bzw. das Geld in einem Bankschließfach aufzubewahren, ist vor allem im angloamerikanischen Raum ein Thema. Etwa 30 Prozent der Briten und Amerikaner würden Geld unverzinst zur Seite legen. In Frankreich, Deutschland und Spanien liebäugeln damit nur etwa halb so viele Finanzentscheider. Vergleichsweise einig sind sich die Befragten beim Thema Gold und festverzinsliche Wertpapiere – hier beträgt die maximale Differenz nur 11 bzw. 10 Punkte. Das Edelmetall ist vor allem nach Ansicht der Deutschen eine glänzende Geldanlage: Jeder dritte findet sie attraktiv. In Spanien teilen 28 Prozent der Sparer diese Einschätzung, in Frankreich und den USA liebäugelt jeder Vierte mit dem Kauf von Gold, und auch in Großbritannien ist diese Anlageform für immerhin jeden fünften Befragten attraktiv.

In festverzinsliche Wertpapiere würden dagegen weniger Menschen ihr Erspartes investieren. Am positivsten werden Schuldverschreibungen, Anleihen und ähnliche Produkte in den USA gesehen, am schlechtesten schneiden sie in Frankreich ab.

Deutsche Sparer: Sicherheit vor Rendite

Die Deutschen stehen festverzinslichen Wertpapieren nicht ganz so zurückhaltend gegenüber wie ihre französischen Nachbarn. Immerhin 13 Prozent der Bundesbürger finden diese Anlageform attraktiv. Dieser relativ hohe Wert hierzulande überrascht nicht, handelt es sich bei festverzinslichen Wertpapieren doch um eine sichere Anlageform. Und das ist den Deutschen wichtig. Denn wenn es um ihr Erspartes geht, stehen bei den Bundesbürgern geringe Risiken offenbar nach wie vor höher im Kurs als die Rendite: Als besonders interessant gelten Investitionen wie das bereits erwähnte Eigenheim auf Platz 1, aber auch die betriebliche Altersvorsorge oder der Bausparvertrag. Auch Gold genießt einen guten Ruf – jeder dritte Deutsche findet das Edelmetall attraktiv. Jedoch haben diese Anlageformen – wie auch die meisten anderen untersuchten Finanzprodukte – im Vergleich zu 2011 an Strahlkraft verloren. Die größten Einbußen mussten dabei Tagesgeldkonto, Sparbuch und Festgeldkonto hinnehmen. Hielt 2011 noch jeder vierte deutsche Befragte das Sparbuch für attraktiv, sieht das heute nur noch jeder Zehnte so. Tagesgeld- und Festgeldkonto verloren verglichen mit 2011 insgesamt 14 bzw. 12 Zähler. Dies ist Ausdruck der Zinsentwicklung: Hat die EZB den Zins 2011 noch auf 1,5 Prozent erhöht, so ist er seitdem fast auf Null gefallen, was einen entsprechenden Rückgang bei Festgeld- und Tagesgeldkonten auslöste.

Aktien und Investmentfonds legen leicht zu

Obwohl die Bundesbürger Risiken ansonsten eher meiden, verbuchen Aktien und Investmentfonds als die einzigen Anlagemöglichkeiten ein Attraktivitäts-Plus. Während 2011 nur 8 Prozent der Befragten Anteilsscheine attraktiv fanden, teilen diese Ansicht heute immerhin 17 Prozent. Bei den Investmentfonds fällt der Zuwachs mit 3 Prozentpunkten (2014: 17 Prozent) etwas geringer aus.

Ob sich die steigende Attraktivität von Aktien und Investmentfonds im tatsächlichen Anlageverhalten der Deutschen niederschlagen wird, bleibt abzuwarten. Experten raten in puncto Geldanlage tendenziell zum Kurswechsel – weg von den Niedrigzinsprodukten und hin zu ertragreicheren Produkten.  Dabei steigt allerdings auch die Gefahr, Geld zu verlieren. Letztlich muss jeder selbst entscheiden, welcher Anlagemix zur persönlichen Lebenssituation passt.  Grundlage für diese Entscheidung ist ein umfassendes Wissen über Vor- und Nachteile von Finanzprodukten. Denn wie wusste schon der amerikanische Bankier und ehemalige CEO der Citicorp: „Information über Geld ist fast so wichtig wie Geld selbst.“


Quelle: GfK Verein Investmentbaromenter, Oktober/November 2014

Rückfragen bitte an Sandra Lades (sandra.lades@gfk-verein.org) oder Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org).


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