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Sorge um Zuwanderung erreicht Höchstwert

26. Juli 2016

Ergebnisse der „Challenges of Nations 2016“ des GfK Vereins

Nürnberg, 26. Juli 2016 – Das Thema Zuwanderung bewegt die Deutschen wie kein anderes: Etwa vier von fünf Bundesbürgern (83 Prozent) halten Zuwanderung und Integration für eine der am dringendsten zu lösenden Aufgaben im Land. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich diese Besorgnis mehr als verdoppelt. Dafür sinkt die Sorge um Arbeitslosigkeit in Deutschland weiterhin. Dies zeigt die Studie „Challenges of Nations 2016“ des GfK Vereins. Befragt wurden mehr als 27.600 Menschen in 24 Ländern. Über alle Nationen hinweg betrachtet dominieren Inflation und Arbeitslosigkeit das Sorgenranking.

Die Sorge um Zuwanderung dominiert in diesem Jahr das deutsche Sorgenranking. 83 Prozent aller Umfrageteilnehmer sehen Zuwanderung/Integration als eine der am dringendsten zu lösenden Aufgaben in Deutschland. Damit erreicht die Besorgnis zu diesem Thema einen neuen Rekordwert. Allein im Vergleich zum vergangenen Jahr hat sich die Nennung mehr als verdoppelt (2015: 35 Prozent). Die Besorgnis übertrifft außerdem den bisherigen Höchstwert von 1992 um 15 Prozentpunkte. Der Blick auf die Problemlage ist heute allerdings differenzierter als vor 25 Jahren. „Zwar ist die Zahl der Integrationsbefürworter gestiegen. Aber: Die Ablehner einer weiteren Zuwanderung haben noch viel mehr zugenommen“, kommentiert Raimund Wildner, Geschäftsführer des GfK Vereins, die Ergebnisse. „Jeder Siebte, der dieses Problem nennt, möchte es im Sinne einer positiven Integration lösen und jeder Fünfte spricht sich gegen jede weitere Zuwanderung aus. Das heißt, dass rund zwei Drittel der Deutschen einfach das Problem gelöst haben wollen, auf die eine oder andere Weise.“

Arbeitslosigkeit bereitet weniger Kopfzerbrechen

Die Omnipräsenz der Zuwanderungsdebatte hat offenbar andere Besorgnisse in den Hintergrund treten lassen: Auf dem zweiten Platz im Ranking der wichtigsten Herausforderungen steht – mit großem Abstand - die Arbeitslosigkeit. Darin sehen 13 Prozent der Befragten die größte Herausforderung der Deutschen. Das sind 9 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. „Seit die Umfrage 1992 erstmals in Gesamtdeutschland durchgeführt wurde, ist dies der bei weitem niedrigste gemessene Wert. Noch vor zehn Jahren lag dieser Wert bei 80 Prozent“, sagt Wildner. Dies korrespondiert mit der gleichfalls historisch niedrigen Arbeitslosenquote, die laut OECD aktuell bei 4,3 Prozent liegt. 

Deutsche wenig besorgt über wirtschaftliche Schwankungen

Das führt auch dazu, dass über die Herausforderungen auf den Plätzen drei bis fünf – Armut, Kriminalität und die Lage in Politik und Regierung – jeweils nur noch rund 10 Prozent der Befragten beunruhigt sind: Die Sorge um Armut sinkt, erstmals seit 2010 wieder, und zwar um 5 Prozentpunkte. Deutlich weniger Handlungsbedarf als im Vorjahr sehen die Deutschen auch bei wirtschaftlichen Themen: So ging die Besorgnis über die Preis- und Kaufkraftentwicklung von 16 auf 8 Prozent zurück. Dies liegt wohl an der niedrigen Teuerungsrate, die laut OECD – vor allem aufgrund der sinkenden Energiepreise – im Jahr 2015 bei 0,2 Prozent lag. Auch die wirtschaftliche Stabilität bereitet den Deutschen weniger Kopfzerbrechen. Belegte das Thema im vergangenen Jahr mit 15 Prozent noch den fünften Platz im Ranking, liegt es in diesem Jahr mit 6 Prozent auf Platz elf.

International dominieren ökonomische Sorgen

Die Deutschen sind nicht allein mit ihrer Sorge über Zuwanderung. Diese ist zwar auch in anderen europäischen Ländern Herausforderung Nummer eins: Österreich (66 Prozent), Schweden, Schweiz (jeweils 50 Prozent), Belgien (43 Prozent), Niederlande (40 Prozent) und Großbritannien (33 Prozent). In Spanien (65 Prozent), Frankreich (64 Prozent), Italien (48 Prozent) und Polen (34 Prozent) allerdings führt Arbeitslosigkeit das Ranking an. Über alle befragten Nationen betrachtet sind Preis-/ Kaufkraftentwicklung und Arbeitslosigkeit mit jeweils 24 Prozent die am häufigsten genannten Herausforderungen. Kriminalität (18 Prozent) und Korruption (15 Prozent) stehen bei der internationalen Betrachtung ebenfalls ganz oben.

Zur Studie

Diese Ergebnisse sind ein Auszug aus der repräsentativen Studie „Challenges of Nations 2016“ und basieren auf 27.675 Interviews, die im Auftrag des GfK Vereins im Frühjahr 2016 in 24 Ländern durchgeführt wurden: Belgien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Iran, Italien, Japan, Niederlande, Nigeria, Österreich, Polen, Russland, Schweiz, Schweden, Spanien, Südafrika, Südkorea, Türkei, die USA sowie erstmals in diesem Jahr auch Mexiko und die Philippinen. Grundlage der Untersuchung ist folgende offene Frage, die jedes Jahr unverändert gestellt wird: „Was sind Ihrer Meinung nach die dringendsten Aufgaben, die heute in [jeweiliges Land] zu lösen sind?“ Die Befragten erhalten keinerlei beschränkende Vorgaben für ihre Antwortmöglichkeiten, Mehrfachnennungen sind möglich.

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