Christine Kittinger / Konsumenten und das Internet der Dinge

November 2018

Frau Dr. Kittinger, die Marketing Intelligence Review hat in ihrer jüngsten Ausgabe ein sehr aktuelles Thema aufgegriffen: Das Internet der Dinge (IoT) und die zunehmende digitale Vernetzung aller Lebensbereiche. Welche Auswirkungen hat das IoT auf die Entscheidungen der Konsumenten? Bringt das Internet der Dinge überwiegend Vorteile, und das für alle?

Dr. Kittinger:  Der Zug rollt, aber es gibt noch viele Unsicherheiten auf allen Seiten. Geschichten, wie die von Amazons Alexa, die in der Nacht plötzlich lachartige Geräusche von sich gibt, verunsichern Konsumenten. Mythen und Geschichten spielen in der Wahrnehmung neuer Technologien oft eine wichtigere Rolle als deren objektive Leistungen. Und nicht jeder ist glücklich, wenn ihm tägliche Routinen von intelligenten Maschinen abgenommen werden. Vermeintlich lästige Aufgaben können für die eigene Identität wichtig sein, und dann gibt man sie nicht gerne ab. Auch im „Zeitalter wundersamer Maschinen“ wird der Wunsch nach sinnstiftendem Konsum eine wichtige Grundlage vieler Kaufentscheidungen bleiben.

Wie können IoT-Manager Konsumenten für das Internet der Dinge begeistern und die Verbreitung der neuen Technologien fördern?

Dr. Kittinger: Die GasteditorInnen dieser Ausgabe, Donna Hofmann und Tom Novak von der George Washington Universität in Washington D.C. empfehlen den Anbietern von IoT-Technologien, sich mehr mit dem tieferen Sinn individueller IoT-Erfahrungen auseinandersetzen. Manager sollten ihre Marketingstrategien weniger an selbsterdachten Anwendungsfällen ausrichten, als an den Lösungen, die Konsumenten selbst durch die Vernetzung unterschiedlicher Devices entwickeln. Auch beim Thema Datensicherheit gibt es noch einiges zu tun. Kundenorientierung muss in einer digital vernetzten Welt ganz neu interpretiert und umgesetzt werden, was vielen Unternehmen noch gar nicht so wirklich bewusst ist.

Was sind die größten Herausforderungen in der Weiterentwicklung des IoT?

Dr. Kittinger: Man kann sich das Internet der Dinge als komplexes System vorstellen, in dem Marken, Menschen und unterschiedlichste Geräte miteinander verbunden sind und Informationen austauschen. In manchen Fällen treffen nicht mehr Menschen Entscheidungen, sondern smarte Technik entscheidet, was gekauft wird. In diesem Umfeld müssen Marken sicherstellen, dass sie nicht untergehen und trotzdem bis zu den eigentlichen Nutzern durchdringen. Systemisches Denken, Machine Learning und künstliche Intelligenz sind Themen, mit denen sich wohl jedes Unternehmen auseinandersetzen muss. Gesamtgesellschaftlich relevant ist dann natürlich auch die Frage, in welchem Umfang menschliche Arbeitskraft und Intelligenz künftig überhaupt noch notwendig ist. Werden menschliche Intuition und maschinelle Rationalität konstruktiv zusammenarbeiten oder in einen Wettstreit treten? Wie werden sich Mensch und Maschine aneinander anpassen? Auch zu diesem Thema finden Sie einen Artikel in unserem Heft.

Gibt es in der neuen Ausgabe auch wieder ein Interview?

Dr. Kittinger: Selbstverständlich. Wir haben mit dem CEO des kalifornischen Start-Ups IFTTT gesprochen. IFTTT entwickelt Lösungen, um allen Konsumenten einfache, plattformübergreifende Vernetzungsmöglichkeiten für unterschiedlichste Geräte und Dienstleistungen anzubieten. Je komplexer und breiter das IoT-Angebot wird, desto wichtiger erachtet es Linden Tibbets, die Welten von Amazon, Google, Apple und den tausenden weiteren Anbietern smarter Geräte zusammenzuschalten. Das hilft nicht nur den Konsumenten dabei, ihre Wünsche besser zu erfüllen, sondern letztlich auch den Anbietern selbst bei der Erschließung neuer Käuferschichten.

Herzlichen Dank für das Gespräch!


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