Detlef Hollmann / Zukunft der Arbeit

August 2015

Herr Hollmann, Sie haben 2013 an der Studie „Führung, Gesundheit und Resilienz“ mitgearbeitet. Können Sie uns ein wenig darüber erzählen? Was waren in diesem Zusammenhang die wichtigsten Erkenntnisse für Sie?

Es gibt zwei Aspekte, die mir wichtig sind. Zum einen konnte gezeigt werden, dass Menschen mit einer hohen Resilienz, weniger über Burnout Symptome klagten. Das ist insofern von Bedeutung, da Resilienz, also der Umgang mit belastenden Situationen, trainiert werden kann. Resilienztraining sollte also ein Baustein eines jeden betrieblichen Gesundheitsmanagements sein.

Der zweite Aspekt betrifft die Organisation, das Unternehmen, in dem man tätig ist. Hier spielt wiederum nicht nur der Arbeitsinhalt eine Rolle dabei, wie belastend eine Tätigkeit empfunden wird, sondern von hoher Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch die Führungskraft. Mitarbeiter, die ein Gefühl der Kontrolle über ihre Arbeit haben und gleichzeitig Orientierung durch ihren Vorgesetzten erhalten, sind, wie die Studie zeigt, weniger gefährdet ein Burnout zu erleiden.

In unserer gemeinsamen aktuellen Studie zur Bedeutung von Arbeit, stellte sich unter anderem heraus, dass 26 Prozent der deutschen Erwerbstätigen sehr und 41 Prozent im Großen und Ganzen zufrieden mit ihrer aktuellen Arbeitsstelle bzw. Arbeitssituation sind. Haben Sie diese Ergebnisse überrascht? Ist das aus Ihrer Sicht ein gutes Ergebnis oder müsste es besser sein? Welches Potenzial sehen Sie ggf. für Verbesserungen?

Das Ergebnis hat mich nicht überrascht. Untersuchungen zur Arbeitszufriedenheit zeigen hierzu seit einigen Jahren eine hohe Zufriedenheit der deutschen Arbeitnehmer mit ihren Jobs und sicherlich kann man objektiv auch von guten Arbeitsbedingungen in Deutschland reden. Und dennoch ist die Einschätzung, ob ich meine Arbeit positiv oder negativ bewerte, eine sehr subjektive und hängt von den Erwartungen ab, die ich habe.

Zukünftig wird man sehr genau hinschauen müssen, wie sich Arbeitsinhalte und Arbeitsangebot entwickeln. Schenkt man den Untersuchungen Glauben, die einen rapiden Schwund von Arbeitsangeboten im mittleren Qualifikationssegment z. B. im Handel und Dienstleistungsbereich vorhersagen - hervorgerufen durch die Digitalisierung – wird man genau beobachten müssen, wie sich Arbeitsinhalte verändern und welche Qualifikationen zukünftig wichtig sind. Denn wenn ich das in meinen Job einbringen kann, was ich gelernt habe und mein Wissen gefragt ist, steigt auch die Zufriedenheit mit meiner Arbeitsstelle.

Sie sind auch Mitglied der Expertenkommission Arbeits- und Lebensperspektiven in Deutschland. Was sind die wichtigsten Fragen, die sich die Kommission stellt?

Ausgelöst durch Technologiesprünge, neue Arbeits-, Produktions- und Kommunikationsprozesse verlieren viele Menschen die Orientierung und hinterfragen die bisherigen gesellschaftlichen Werte. Die vor diesem Hintergrund geführten Diskussionen werfen Fragen nach dem Zusammenhalt der  Gesellschaft sowie nach den gegenwärtigen Lebens- und Arbeitsperspektiven auf. Vor diesem Hintergrund hat die Bertelsmann Stiftung die Kommission „Arbeits- und Lebensperspektiven in Deutschland“ ins Leben gerufen. Sie greift folgende Fragen auf: Was bedeuten die Veränderungen in Lebens- und Arbeitswelt der Menschen für den sozialen und kulturellen Zusammenhalt und die soziale Inklusion in der Gesellschaft? Wie müssen Arbeit und Arbeitsleben gestaltet werden, um individuellen Lebensentwürfen Rechnung zu tragen und gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen zu sichern? Wie kann gesellschaftliche Teilhabe im Beruf, in Gesundheit und Bildung, bei politischen Entscheidungsprozessen und sozialem Engagement durch neue Angebote gefördert werden? Wie lässt sich die Eigenverantwortung der Mitarbeiter für ihre Beschäftigungsfähigkeit stärken und wie können Menschen befähigt werden, persönliche Entwicklungschancen wahrzunehmen?

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was würden Sie für sich selbst als Ihr wichtigstes Arbeitsmotto bezeichnen?

Auch wenn wir uns in der Expertenkommission mit der zukünftigen Entwicklung der Arbeitswelt auseinander gesetzt haben, bin ich wohl eher ein Anhänger alter und sich möglicherweise auflösender Arbeitsstrukturen. Eine gute Work-Life-Balance ist mir wichtig und ich achte darauf, dass nicht zu viel aus dem Beruf mein Privatleben durchdringt, auch dadurch, dass ich beide Bereiche möglichst räumlich trenne.

Vielen Dank für das Gespräch!