GfK Verein / Datenschutz

Dezember 2013

Herr Professor Wildner, eine Mehrheit der Deutschen macht sich Sorgen um ihre Privatsphäre und ihre persönlichen Daten. Was meinen Sie, ist die Angst berechtigt?

Ja, durchaus. Da ist einmal NSA & Co., gegen die sich eine Privatperson ja nur bedingt wehren kann, die aber viel besser demokratisch kontrolliert werden müssen und dafür kann sich jeder einsetzen. Dann gibt es aber auch noch eine Reihe von Schnüffeleien, die man halbwegs unterbinden kann. Wenn eine App, die es erlaubt, das Handy als Taschenlampe zu benutzen, dafür erheben will, wo man sich gerade aufhält, sämtliche Adressdateien lesen will und auch noch den Internetverkehr überwacht, dann sollte man auf diese App verzichten, wenn einem die Privatsphäre wichtig ist.

Der Blogger und Autor Christian Heller veröffentlicht auf seiner Website fast alles, was er erlebt und hält die Ära der Privatsphäre für beendet. Wie beurteilen Sie diese Einschätzung?

Dann wünsche ich Herrn Heller, dass er immer schön gesund bleibt. Andernfalls kann es schwierig werden mit der neuen Arbeitsstelle, dem Kredit oder auch den neuen Freunden.

Und ich wünsche Herrn Heller auch, dass er nie in seinem Leben einen Fehler macht, den er später bereut. Datenschutz ist auch das Recht, dass man nach einem Fehler wieder neu anfangen kann, dass man Dinge der Vergangenheit hinter sich lassen kann, dass einen nicht alles ein Leben lang verfolgt. Auch das gehört zum Menschen dazu.

Wenn man die Dinge durchdenkt, dann kommt man zu dem Schluss, dass das Ende der Privatsphäre das Ende der Würde des Menschen wäre und die ist zu Recht der oberste Wert unserer Verfassung. Nein, die Ära der Privatsphäre ist nicht zu Ende. Im Gegenteil: Wir müssen uns viel mehr mit ihrem Schutz befassen und insofern fängt sie gerade erst an.

Auch der GfK Verein benötigt ja persönliche Daten, um seine Studien zu erheben. Inwieweit können sich die Befragten darauf verlassen, dass diese Daten nicht in falsche Hände geraten? Was tun Sie, um das Vertrauen der Menschen in die Marktforschung zu stärken?

Der wesentliche Unterschied der Markt- und Sozialforschung gegenüber anderen Methoden zur Sammlung personenbezogener Daten ist, dass sie ein reines Forschungsinteresse hat. Wir wollen also wissen, was die Verbraucher in ihrer Gesamtheit wollen oder ablehnen oder was ihnen Sorgen bereitet. Ergebnisse der Markt- und Sozialforschung sind stets Aussagen über eine Grundgesamtheit und es werden Empfehlungen erarbeitet, wie diese Grundgesamtheit erfolgreich angesprochen werden kann.

Dagegen haben praktisch alle anderen Erhebungen personenbezogener Daten das Ziel, ggf. konkrete Maßnahmen gegenüber der jeweiligen Person zu ergreifen. So möchte eine Steuerbehörde die Steuern festsetzen und eine Direktmarketingfirma ggf. eine personalisierte Werbung ermöglichen. Dafür müssen die Daten auch personenbezogen weitergegeben werden können, z.B. an die werbende Firma.

Markt- und Sozialforschung in Deutschland wahrt dagegen grundsätzlich die Anonymität der Befragten. Und wir speichern die Daten möglichst schnell so ab, dass der Personenbezug aufgehoben ist. Dazu kommt die ganze Palette der Datenschutzmaßnahmen wie z.B. Zutritts-, Zugriffs- und Änderungskontrollen. Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin in der Markt- und Sozialforschung muss auf den Datenschutz in diesem Sinne verpflichtet werden.

Und weil das in der Öffentlichkeit noch zu wenig bekannt ist, deshalb engagiert sich der GfK Verein und ich mich persönlich bei der Initiative Markt- und Sozialforschung, einem gemeinnützigen Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, diesen Unterschied in der Bevölkerung besser zu verankern.

Was tun Sie persönlich, um Ihre privaten Daten zu schützen?

Zunächst schaue ich mir genau an, wem ich was erlaube. Die oben erwähnte Taschenlampen-App hatte bei mir keine Chance. Weiter nehme ich an keinen Gewinnspielen oder ähnlichen Veranstaltungen teil und achte auf schwer zu knackende und unterschiedliche Passwörter. Die Sicherung des PC mit Firewall und stets aktuellem Virenscanner ist selbstverständlich.

Aber man könnte natürlich noch mehr tun. So verschlüssle ich meine Mails (noch) nicht. Und ich lasse auch jede Menge Cookies zu, weil man sonst vieles gar nicht nutzen kann. Die Cookies werden aber auch regelmäßig wieder gelöscht.

Letztlich ist das bei mir, wie bei den meisten anderen auch, ein Kompromiss zwischen Praktikabilität beziehungsweise Bequemlichkeit auf der einen und der Notwendigkeit des Datenschutzes auf der anderen Seite.

Herzlichen Dank für das Gespräch!