Klosterfrau / Corporate Social Responsibility

November 2009

Herr Neukirch, immer mehr Unternehmen werben mit ihrem verantwortlichen unternehmerischen Handeln oder wie es „neudeutsch“ heißt mit Corporate Social Responsibility (CSR). Ist CSR aus Ihrer Sicht nur ein modernes Schlagwort oder gelebte Realität?

Unternehmerisches Handeln, verknüpft mit sozialer Verantwortung gab es sicherlich schon einige hundert Jahre, bevor „CSR“ zum Schlagwort wurde. Das Aufkommen der Diskussion um CSR spiegelt aber eindeutig die Tatsache wider, dass unternehmerisches Handeln – auch aufgrund neuer Kommunikationstechnologien und Kommunikationsformen – viel stärker als früher in und von der Öffentlichkeit beleuchtet wird. Und dies hat seinerseits natürlich Auswirkungen auf unternehmerisches Handeln, da verstärkt Kaufentscheidungen in Abhängigkeit vom Bild des Unternehmens in der Öffentlichkeit getroffen werden. Inwiefern das “Werben mit CSR” vom tatsächlichen Handeln in sozialer Verantwortung getragen wird, ist dabei sicherlich eine weitere interessante Frage. Hier entscheidet sich dann individuell, ob CSR als gelebte Realität wahrgenommen werden kann.

Hat es Ihres Erachtens in den letzten Jahren Veränderungen beim unternehmerischen Handeln gegeben? Hat sich durch die aktuelle Krise etwas am Engagement der Unternehmen verändert?

Unsere Wahrnehmung mag an dieser Stelle etwas verzerrt sein durch die zahlreichen Krisen-Themen in den Nachrichten. Auf der anderen Seite hat die Krise in vielen Unternehmen sicherlich zu einem “Zusammenrücken” geführt und damit zu einem höheren Maß an Verantwortung für Mitarbeiter und Gesellschaft. Viele Arbeitsplätze werden auf diesem Weg erhalten – was bestimmt eine Basis für gelebte Verantwortung darstellt.

Was ist Ihre persönliche Meinung zu gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen? Passen wirtschaftliche Ziele und soziales Engagement zusammen?

Unternehmerisches Handeln ist ganz grundsätzlich immer soziales Engagement. Es kann hier gar keine Trennung geben. Unter-nehmerischer Erfolg basiert immer auf Mitarbeitern und Kunden. Sowohl bei Mitarbeitern als auch bei Kunden ist Vertrauen entscheidend – und dieses Vertrauen entsteht nur aus Verantwortung heraus. Diese Verantwortung lebt in Produkten, Produktions-prozessen und Beziehungen. Nur auf diesem Weg werden langfristige und starke Bindungen erzeugt, die einem Unternehmen einen Platz in der Gesellschaft ermöglichen.

Klosterfrau übernimmt selbst Verantwortung und unterstützt unter anderem Projekte im Bereich der Kinder-Asthma-Forschung. Glauben Sie, dass Ihre Kunden ein solches Engagement zu schätzen wissen?

Es wurde in der ersten Frage bereits angedeutet. Wir stehen der “Werbung mit CSR” durchaus kritisch gegenüber. Daher sind unsere Aktivitäten ganz bewusst nicht als Kommunikations-Maßnahmen ausgelegt. Es gibt sicherlich Beispiele im Markt, bei denen das Gefühl aufkommt, dass auf etwas fragwürdige Art CSR und Marketing verknüpft werden. Wir gehen an dieser Stelle einen anderen Weg und übernehmen Verantwortung an den Stellen, die aus unserer Sicht richtig sind – und nicht an den Stellen, bei denen Marketingzwecke im Vordergrund stehen. Und konkret zu Ihrer Frage – ja, wir glauben daran, dass diese Art des sensiblen Vorgehens langfristig von unseren Kunden geschätzt wird.

Auch Sie selbst sind ja Kunde bzw. Käufer. Was halten Sie persönlich für die wichtigsten Bereiche, in denen sich Unter-nehmen engagieren sollten? Welche CSR-Maßnahmen sprechen Sie besonders an?

Das gesamte Paket sozialer Verantwortung ist entscheidend. Nicht so sehr einzelne Highlights, die dann bei genauerer Betrachtung die Funktion eines Feigenblattes haben. Es imponiert, wenn ein Unter-nehmen sich über lange Zeit mit seinen Kunden und Mitarbeitern innerhalb und mit der Gesellschaft weiterentwickelt. Wenn Verantwortung zu Vertrauen wird und insofern breiteren Raum einnehmen kann. Wir sollten davon ausgehen, dass dieses komplexe Verständnis von CSR auch verstärkt in der Gesellschaft ankommen wird.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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