Nestlé / Gesunde Ernährung

Mai 2010

Herr Falser, was meinen Sie, als Marktforschungsexperte für Ernährungsfragen: Ist es für die deutschen Konsumenten heute einfacher oder schwieriger als etwa vor 50 Jahren, sich gesund zu ernähren?

Beides trifft zu. Das ist das Faszinierende an dieser Frage, die wir auch im Rahmen der Nestlé-Ernährungsstudie ‚So is(s)t Deutschland’ untersucht haben. Einerseits sagen die Menschen, früher waren die Lebensmittel gesünder und überhaupt alles besser – ob Felder, Früchte oder Verarbeitungsmethoden. Wir nennen das ‚die Romantik der Ursprünglichkeit‘ und vermuten, dieses Gefühl ist geprägt durch Unsicherheit, die auf der Undurchschaubarkeit der industriellen Verarbeitungsprozesse beruht. Andererseits sagen aber auch über 40 Prozent, dass es angesichts des riesigen Angebotes heute einfacher ist, jederzeit gesunde Lebensmittel zu erhalten.

Fühlen sich die Verbraucher durch das große Lebensmittelangebot und die zahlreichen Informationen zum Thema Gesundheit Ihrer Meinung nach eher überfordert oder besonders gut informiert?

Das kommt ganz darauf an, welchen Ernährungs- oder Shoppertyp man betrachtet. Wir untersuchen das in der oben schon genannten Studie sehr differenziert und haben verschiedene Typologien gebildet. Ein paar Beispiele: Der Shopper Typ des sogenannten ‚One-Stop-Shopper‘ will möglichst alles ganz unkompliziert. Er fühlt sich durch zu umfangreiche Vielfalt und Information eher genervt oder überfordert. ‚Premiumshopper‘ oder ‚Gesundheitsidealisten‘ dagegen wissen ein großes Angebot an qualitativ hochwertigen Lebensmitteln sehr zu schätzen und verstehen es, die große Auswahl gezielt für sich zu nutzen. Eine zentrale Rolle bei diesem Thema spielt aber auch der Aspekt Zeit. Unseren ‚Gehetzten‘ beispielsweise bleibt nicht viel anderes übrig, als einen Großteil des verfügbaren Angebotes auszublenden.

Was ist Ihrer Einschätzung nach der Hauptgrund, warum die Verbraucher zu Produkten mit gesundheitsfördernden Zusatzstoffen (sog. Functional Food) greifen: Der Gesundheitsaspekt oder eher die Bequemlichkeit?

Ich meine, dass bei den Nutzern solcher Produkte eher die Bequemlichkeit ausschlaggebend ist. Nach unserer Erfahrung bilden demgegenüber die sehr Gesundheitsbewussten von heute eher eine ‚Frei von-Fraktion‘, die auch von immer mehr Produkten bedient wird.

Haben Sie selbst einen persönlichen Geheimtipp für gesunde Ernährung und welche ‚Ernährungssünde‘ steht ab und zu auf Ihrem Speiseplan?

Meines Erachtens geht es weniger darum, was man im Einzelnen isst oder nicht isst. Vielmehr finde ich es wichtig, dass man sich den Freiraum schafft, in Ruhe und ganz bewusst zu essen und Ernährung als ‚soziales Lagerfeuer‘ wieder zu beleben. Und meine ‚Ernährungssünden‘ passieren genau in diesem Kontext. Wenn ich den Freiraum nicht schaffen kann, weil ich spät und gehetzt nach Hause komme. Dann nehme ich bisweilen ganz schnell und unreflektiert etwas zu mir, das auf einfache Weise Lust verschafft – sei es etwas zum Naschen oder ein wunderbares Stück Fleischwurst.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Mai 2010

Hier geht es zum Nestlé Ernährungsstudio