Olivier Andrès/ Naturkosmetik

Mai 2016

Herr Andrès, nach Analysen des GfK Consumer Panels kaufte im vergangenen Jahr etwa jeder vierte erwachsene Bundesbürger Naturkosmetik-Artikel. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Treiber für den Naturkosmetikmarkt und wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?

Naturkosmetik entspricht dem allgemeinen Trend zur Natur und Natürlichkeit und passt in den Zeitgeist. Mit einem Naturkosmetik-Produkt kann man sich etwas Gutes tun und  hat gleichzeitig das Gefühl, es ist besser für die Umwelt. Vor diesem Hintergrund wird sich der Markt auch weiter entwickeln. Zum Erfolg beigetragen hat auch, dass die Qualität der Produkte was Duft, Konsistenz und Anwendung betrifft in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist. Gleichzeitig sind hier mittlerweile auch gewisse Grenzen erreicht. Unter anderem aufgrund der Beschränkungen durch die Zertifizierung gibt es kaum echte Innovationen bei zertifizierter Naturkosmetik. Innovationen sind aber entscheidend für zusätzliches Wachstum.

Hersteller- und Handelsmarken liegen in der Gunst der Kunden fast gleichauf. Sehen Sie die Handelsmarken, beispielsweise von dm oder Rossmann, als Konkurrenz zu den eigenen Produkten oder helfen sie vielleicht sogar (z.B. indem sie neue Käufergruppen zur Naturkosmetik bringen)?

Die erfolgreichen Handelsmarken, die sich teilweise hinsichtlich der Wahrnehmung durch die Verbraucher und durch die Markenpflege des Handels selbst fast als Marke etabliert haben, bringen sicher neue Käufergruppen an das Thema heran und leisten somit Unterstützung. Wir beobachten diese Marken und nehmen sie ernst - aus unserem Verständnis heben wir uns allerdings noch deutlich von ihnen ab.

Neben Naturkosmetik gibt es in den Regalen der Super- und Drogeriemärkte auch sogenannte naturnahe Kosmetik. Für die Verbraucher ist es nicht immer ganz einfach den Unterschied zu erkennen. Wie beurteilen Sie solche Produkte? Und gibt es Bemühungen, um die Unterschiede zwischen Naturkosmetik und naturnaher Kosmetik für den Verbraucher transparent(er) zu machen? (Wenn ja, welche?)

Zertifizierungen sind für die meisten Verbraucher nicht verständlich und in der Regel auch nicht wichtig. Gleichzeitig sind viele aber mittlerweile durchaus so informiert und interessiert, dass sie Produkte, die Natur nur vortäuschen durchaus als solche erkennen.

Für uns bedeutet dies, dass wir unsere eigene Marke kontinuierlich entsprechend aufladen und pflegen und auf die entsprechende Qualität achten. Für uns gilt: Kneipp wirkt. Natürlich. Unser Anspruch sind hochwertige Produkte mit natürlichen Inhaltsstoffen und auf Basis der Natur, die aber auch immer eine Wirkung haben. Das und unsere ganzheitliche Philosophie mit den fünf Säulen (Wasser, Pflanzen, Bewegung, Ernährung und Balance) unterscheidet uns von anderen und macht uns gleichzeitig für die Verbraucher relevant.

Welche Rolle spielt das Internet aus Ihrer Sicht für den Bereich Naturkosmetik im Allgemeinen und für die Kneipp GmbH  im Besonderen? Ist es für Sie eher ein Kundengewinnungs- oder ein Kundenbindungsinstrument?

Für uns ist es ein Kundenbindungsinstrument. Verbraucher sind viel interessierter geworden und stellen viele, teilweise auch kritische Fragen. Über das Internet sind Informationen schneller auffindbar und man kann vor allem leichter mit den Endverbraucher in den direkten Dialog treten.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage:  Was sind Ihre 3 Lieblings-Produkte aus der Kneipp Naturkosmetik-Serie und warum?

Das Pflegeölbad Jasmin & Argan, ich mag Jasmin sehr gerne.  Das Bio-Hautöl, weil es ein schönes Familienprodukt  ist sowie das Urmeer Badesalz, weil es ein sehr reines und authentisches Produkt ist.

Vielen Dank für das Gespräch!