Wöhrl / Mode und Markenbeziehungen

Mai 2013

Herr Professor Bachmann, wir haben festgestellt, dass man das Verhältnis zwischen Kunden und Marken mit zwischenmenschlichen Beziehungen vergleichen kann. Marken können ein alter Kumpel sein, mit dem man Pferde stehlen kann, ein Liebesabenteuer oder manchmal sogar ein bisschen Dealer, von dem der Kunde nicht loskommt. Wie sieht das Bild aus, das Ihre Kunden von Ihrem Modehaus haben? Wie werden Sie Ihrer Erfahrung nach wahrgenommen?

Laut der im Auftrag des Nachrichtensenders n-tv 2012 durchgeführten, umfangreichen Kundenbefragung des Deutschen Instituts für Service-Qualität ist WÖHRL das beliebteste Modehaus Deutschlands. Wir sind stolz darauf, dass unsere Kunden uns und unseren Mitarbeitern dieses hervorragende Zeugnis ausstellen. Diese Wertschätzung bestätigt uns darin, unsere besonderen Stärken weiter zu entwickeln – allem voran unser Leistungsversprechen, mit dem wir uns seit fast 80 Jahren erfolgreich auf einem umkämpften Markt behaupten. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass WÖHRL damit damals wie heute auf dem richtigen Weg ist: Wir sind eine sympathische Marke, die für erstklassige, individuelle Beratung, einen guten „Riecher“ für aktuelle Modetrends und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis steht. So möchten wir auch in Zukunft von unseren Kunden wahrgenommen werden.

Haben sich die Kunden und ihre Bedürfnisse Ihrer Beobachtung nach in den letzten Jahren verändert? Wenn ja, fällt Ihnen ein konkretes Beispiel ein, das diese Veränderung deutlich macht?

Die Kunden sind heute im Zeitalter der digitalen Massenmedien und mobilen Endgeräte besser informiert und dadurch steigt auch das modische Bedürfnis. Diesen Ansprüchen muss der Handel gerecht werden. Heutzutage wird es immer wichtiger, den Kunden ein umfassendes Einkaufserlebnis zu bieten. Dazu gehört neben guter Beratung auch ein entsprechendes Wohlfühl- bzw. Einkaufsambiente. Wir haben im vergangenen Jahr ein neues Ladenbaukonzept entwickelt und dieses bereits erfolgreich in drei Häusern eingeführt.

Hat sich auch von Ihrer Seite etwas in der Art der Kundenansprache verändert?

Die Kundenansprache läuft heutzutage nicht mehr allein über Anzeigen und Prospekte, sondern auch über interaktivere Kanäle wie E-Mails und Social Media. Auf Facebook können sich die Kunden beispielsweise über unsere aktuellen Aktionen informieren. Besonders wichtig ist uns hier aber der direkte Kontakt zu den Kunden. Facebook dient uns quasi auch als Service-Plattform für Fragen und Anmerkungen seitens der Kunden.
Den Kunden mit seinen Wünschen ernst nehmen und zufrieden stellen – das ist es, was sich unsere Kunden heute sogar mehr denn je wünschen. Daher versuchen unsere gut ausgebildeten Mitarbeiter in den Häusern, ein persönliches und individuelles Einkaufserlebnis zu schaffen und die Kommunikation mit jedem Kunden so zu gestalten, dass er sich rundum wohl fühlt.

Zum Abschluss noch zwei persönliche Frage: Frauen wird ja eine besondere Beziehung zu Schuhen nachgesagt. Gibt es so ein besonderes Kleidungsstück Ihrer Erfahrung nach auch für Männer?

Ein Kleidungsstück mit dem Männer – meiner Meinung nach- zeigen können, ob sie Stil haben oder nicht, ist die Krawatte. Ich versuche hierbei immer mal trendige Farben und Muster mit klassischen Businessanzügen zu kombinieren.

Verraten Sie uns auch, ob Sie selbst ein Lieblingskleidungsstück haben und welche Bedeutung das ggf. für Sie hat?

Mode hat für mich viel mit Lebensqualität zu tun. Ich interessiere mich daher sehr für Mode und gehe auch gerne shoppen – wahrscheinlich im Gegensatz zu vielen anderen Männern. Mir macht das viel Freude: neue Trends studieren, neue Kollektionen ansehen. Meine persönlichen Vorlieben sind allerdings nicht besonders ausgefallen: Ich bevorzuge einen klassischen, vergleichsweise wahrscheinlich eher konservativen Stil, bei dem es vor allem um die gute Qualität, das wertige Material und die Nachhaltigkeit geht.

Herzlichen Dank für das Gespräch!