Banken in der Vertrauenskrise

November 2009

Gut ein Jahr ist vergangen, seit die US-Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz anmelden musste und der vorläufige Höhepunkt der Finanzkrise erreicht war. Bis heute hinterlässt der Crash seine Spuren auch in Deutschland: Auf den Konten, vor allem aber auch in den Köpfen der Verbraucher.

Mehr als die Hälfte der Deutschen hat das Vertrauen in die Banken verloren. Nur 16 Prozent vertrauen den Geldinstituten wie eh und je; die verbleibenden 30 Prozent bewegen sich zwischen beiden Polen. Dies zeigt eine Studie der GfK Finanzmarktforschung aus dem Frühjahr, für die mehr als 1.000 Menschen befragt wurden. Misstrauisch sind dabei längst nicht nur die Menschen, die zumindest auf dem Papier Geld verloren haben; bis heute geben das 27 Prozent an. Sie haben vor allem durch sinkende Aktienwerte (13 Prozent) und Verluste bei Fondsanlagen (12 Prozent) zumindest gefühlt Einbußen hinnehmen müssen. Immerhin ein Prozent gibt an Geld verloren zu haben, weil es Kunde einer Bank war, die pleite ging.

Weniger Misstrauen gegenüber Beratern

Die Skepsis der Bürger gegenüber den Banken richtet sich dabei weniger gegen Personen als vielmehr gegen die Institution. Dem eigenen Ansprechpartner bei der Bank vertraut fast die Hälfte ungebrochen; ein Viertel allerdings bleibt auch dem Berater gegenüber misstrauisch. Zum Vergleich: Das Vertrauen in die Institution Bank ist bei der Hälfte erschüttert.

Die Versicherungen kommen in der Bilanz der Befragten besser weg. Ein gutes Drittel empfindet die Glaubwürdigkeit auch nach der Krise als ungebrochen. Dem gegenüber stehen 16 Prozent der Befragten, die einen starken Vertrauensverlust beklagen. 21 Prozent sehen auch das Verhältnis zu ihrem Ansprechpartner bei der jeweiligen Assekuranz beeinträchtigt. Doch wie auch im Bankgeschäft scheint das Vertrauen in einzelne Personen insgesamt größer als gegenüber der Institution. Knapp die Hälfte der Befragten vertraut dem eigenen Berater ebenso wie vor der Krise.

„Derzeit gibt es eine Abwehrhaltung der Kunden, überhaupt irgendetwas mit ihrem Geld zu tun.” Vor etwa einem halben Jahr beklagte Rainer Neske, verantwortlich für das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank, diese Unentschlossenheit der Deutschen in Finanzfragen. Doch bunkern die Verbraucher ihr Geld tatsächlich zuhause, anstatt es irgendwo anzulegen? Die Befragung zeigt, dass Neske nur begrenzt Recht hat. Nur 18 Prozent der Deutschen finden es sinnvoll und attraktiv, zuhause zu sparen; mehr als 60 Prozent lehnen das ab. Ein Comeback von Omas Sparstrumpf sieht anders aus.

Risiko? Nein, danke!

Auf Zinsen – und seien sie noch so niedrig – möchten die Verbraucher nicht verzichten, so der aktuelle Finanzkrisenmonitor vom September. Das bedeutet aber nicht, dass sie für mögliche Gewinne auch ein Risiko eingehen würden. Hinzu kommt: Die Mehrheit der Deutschen möchten in diesen unsicheren Zeiten auch kurzfristig auf das Ersparte zugreifen können. Ganz oben auf der Hitliste der Geldanlagen steht daher das Tagesgeldkonto. Mehr als die Hälfte der Verbraucher hält dieses für attraktiv, nur 18 Prozent urteilen negativ. Ähnlich viele Befragte würden Ihr Geld lieber in Eigentum anlegen. Auf Platz drei folgt die betriebliche Altersvorsorge, die immerhin knapp die Hälfte der Deutschen für sinnvoll hält. Wenig überraschend ist dagegen die Skepsis gegenüber Aktien, Investmentfonds und fondsgebundene Versicherungen. Diese Formen der Geldanlage setzt nicht einmal mehr ein Viertel der Befragten auf seinen persönlichen Sparplan.

Doch was können Banken, Bausparkassen und Versicherungen tun, um die Krise in den Köpfen der Verbraucher verblassen zu lassen? Wie können sie das Vertrauen ihrer Kunden zurückgewinnen? Detlev Dietz, Bereichsvorstand Privat- und Geschäftskunden der Commerzbank, hat sich und anderen Bankern einen Teil der Antwort selbst gegeben, als er sagte: „Durch die Krise sehen wir eine nachhaltige Veränderung des Kundenverhaltens. Sie werden nicht mehr alles kaufen, fordern mehr Transparenz ein.“ Dass das stimmt, zeigt auch die Befragung. 17 Prozent der Deutschen fordert sichere Produkte und nachvollziehbare Beratung. Weitere 22 Prozent wünschen sich mehr Service und das heißt auch verlässliche Informationen. Die Banken, Bausparkassen und Versicherungen sollen „besser beraten“, die Kunden „besser informieren“ und nur das zusagen, „was sie auf jeden Fall einhalten können“, kommt es von Seiten der Kunden. Fast ebenso viele Deutsche hoffen auf mehr Verantwortung im Finanzgeschäft. Vorstände sollten bei Spekulationen haften, Institute sollten überflüssige Strukturen abbauen und Manager nicht mehr den eigenen Vorteil im Blick haben, sagen 21 Prozent.

Wie lange es dauern wird, bis das Vertrauen in das deutsche Finanzsystem wieder aufgebaut ist, bleibt offen. Eine Mehrheit der Deutschen findet Sparen nach wie vor sinnvoll – das müsste den Geldinstituten zugute kommen. Doch immerhin jeder Dritte kann sich auch vorstellen, künftig weniger zurückzulegen. Banken und Versicherer dürfte das nicht freuen. Den Handel dafür schon: Denn schließlich würde das Ersparte dann direkt in den Konsum fließen.


Datenquellen: GfK Finanzmarktforschung (GfK Finanzkrisenmonitor April und September 2009, repräsentative Online-Befragung)
Rückfragen bitte an Markus Schmidt oder Claudia Gaspar;

markus.schmidt@gfk.com oder claudia.gaspar@gfk-verein.org