Mehr Sicherheit im neuen Jahr

Januar 2016

Argentinier vernichteten alte Unterlagen und ließen sie wie Konfetti auf die Straßen regnen, Griechen teilten einen Laib Brot, in dem eine Münze versteckt war und in vielen deutschen Familien sind vermutlich auch jetzt noch Marzipanschweinchen und Schornsteinfeger zu finden. Wie auch immer die Silvesterrituale dieser Welt ausgesehen haben mögen, eines hatten und haben sie gemeinsam: Sie sollen das neue Jahr zu einem glücklichen und guten machen. Wertvorstellungen spielen dabei eine entscheidende Rolle: Sie drücken aus, welche (ideellen) Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit dies gelingt. Welche Werte gefühlt wichtiger werden, hängt dabei stark von den Ereignissen ab, mit denen wir persönlich oder über die Medien konfrontiert werden. Wie steht es damit zum Jahreswechsel 2015/2016? Die Antwort fällt eindeutig aus: Vor allem Sicherheit ist für die große Mehrheit ein Wert, auf den es künftig stärker ankommen wird.

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Tausende Flüchtlinge auf Booten und an den Grenzen, der Terror des IS, die abgestürzte Germanwings-Maschine mit 150 Toten – diese und ähnliche Nachrichten haben uns im vergangenen Jahr erschüttert. Da verwundert es kaum, dass den Deutschen beim Thema Zukunftswerte vor allem eines in den Sinn kommt: Sicherheit. 76 Prozent glauben, dass dies ein Wert ist, der derzeit an Bedeutung gewinnt. Nur drei Prozent sind vom Gegenteil überzeugt. Die übrigen 21 Prozent meinen, dass Sicherheit so wichtig (oder unwichtig) bleibt wie bisher. Damit liegt das Thema auf Platz eins im Ranking des Bedeutungswachstums – und zwar mit beträchtlichem Abstand vor allen anderen möglichen Nennungen. Dies zeigen die Ergebnisse der neuesten Befragung des GfK Vereins zum Thema „Bedeutungswandel von Werten“, für die zum Jahreswechsel zum wiederholten Mal mehr als 1.000 Menschen ab 14 Jahren 13 vorgegebene Wertbegriffe danach beurteilt haben, ob ihre Relevanz aktuell zunimmt, abnimmt oder gleich bleibt.

Die Top 3: Sicherheit, Leistung, Solidarität

Auf Rang zwei setzen die Bundesbürger – getreu dem Klischee vom fleißigen Deutschen – Leistung als Wert mit Zukunft. Jeder Zweite meint, dass dieser Aspekt an Wichtigkeit gewinnen wird. Doch Arbeit und Strebsamkeit sind bekanntlich nicht alles im Leben. Und so sehen viele Befragte auch soziale und private Aspekte unter den Spitzenreitern: Knapp jeder Zweite denkt, dass Solidarität, das eigene Zuhause und Vertrauen wichtiger werden. Dagegen glaubt nur eine kleine Minderheit, dass die Bedeutung dieser Werte sinken wird.

Verantwortung und Optimismus gehen Hand in Hand

Auf Rang 6 und 7 finden sich die Themen Verantwortung und Optimismus mit ganz ähnlichen Prozentwerten wieder: Nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern Verantwortung übernehmen angesichts der vielfältigen Herausforderungen – das ist, so glauben rund 44 Prozent, ebenfalls ein Wert, auf den es verstärkt ankommen wird. 43 Prozent meinen, dass man dabei durchaus beherzt auf neue Ziele und Aufgaben zugehen sollte: Sie schätzen Optimismus als einen Wert ein, von dem wir uns künftig ruhig öfter leiten lassen sollten. Wer positiv in die Zukunft blickt, realisiert schließlich auch leichter ungewöhnliche Ideen. Das braucht unser Land, finden 39 Prozent der Deutschen, die Innovationen als Wert mit Aufstiegschancen betrachten. 38 Prozent meinen zudem, dass auch Wettbewerb eine zunehmend wichtigere Rolle spielt. Und immerhin etwa jeder Dritte sieht eine steigende Bedeutung von Macht. Allerdings bleibt diese Haltung nicht unwidersprochen: 16 Prozent der Befragten nehmen an, dass die Bedeutung von Macht gegenwärtig sinkt.

Schlusslichter im Ranking: Verzicht, Luxus, Abenteuer

Noch uneiniger sind sich die Verbraucher, wenn es um die Frage des Verzichts geht: 26 Prozent sagen, dass es künftig häufiger ums Maßhalten gehen wird. Fast ebenso viele (23 Prozent) halten das Gegenteil für plausibel. Beim Thema Luxus und Abenteuer fällt die Einschätzung dagegen wieder eindeutiger aus. Die Salden zeigen dabei jedoch eine abnehmende Bedeutung dieser Werte: Beide spielen nach Meinung von etwa jedem dritten Verbraucher künftig nämlich eine kleinere Rolle als bisher, während nur 19 bzw. 17 Prozent finden, dass mehr Action oder ein Leben im Überfluss an Wichtigkeit zulegen werden.

Sicherheit und Solidarität: Werte im Aufwind

Welche Spuren das vergangenen Jahr hinterlassen hat, zeigt der Vergleich mit den Befragungsergebnissen von Ende 2014: So schätzen die Befragten den Bedeutungszuwachs für die Themen Sicherheit und Solidarität mit einem Plus von 8 bzw. 9 Prozentpunkten aktuell noch einmal deutlich höher ein als damals. Sicherlich haben die Attentate von Paris im Januar und November 2015 dazu beigetragen, dass die Besorgnis und damit das Sicherheitsbedürfnis der Menschen spürbar gestiegen sind. Auch die Bilder von verzweifelten Menschen auf der Flucht haben die Deutschen nicht kalt gelassen, wie die vielen Helfer seit Monaten tagtäglich beweisen. Und so ist die Frage der Solidarität in der aktuellen Umfrage ebenfalls deutlich stärker in den Vordergrund gerückt. Nach einem mittelprächtigen neunten Platz Ende 2014 befindet sich der der Wert mit 49 Prozent nun sogar auf Rang 3. Die Einschätzungen zu den anderen Werten haben sich im Vergleich dazu weit weniger verändert.

Junge Menschen: Leistung und Vertrauen besonders stark im Trend

Zwischen Jung und Alt gibt es bekanntlich so manchen Unterschied in der Weltanschauung. Doch unterscheiden sich auch die allgemeinen Einschätzungen zum Wertewandel zwischen den Generationen? Ja – wie der Blick auf die Antworten der verschiedenen Altersgruppen verdeutlicht. Die verschiedenen Lebensphasen haben eindeutig Einfluss auf die Bewertungen. Zwar vermuten alle Altersgruppen den höchsten Bedeutungszuwachs in punkto Sicherheit, doch ab Rang 2 zeigen sich verschiedene Prioritäten. Die 14- bis 24-Jährigen schätzen den Bedeutungszuwachs von Leistung am höchsten ein. Aber sie liegen auch bei den Themen Verantwortung und Vertrauen weiter vorn als die (meisten) anderen Altersgruppen. Der Abenteuerlust steht dies aber nicht im Weg, im Gegenteil: 27 Prozent der unter 25-Jährigen finden, dass die Zeit reif ist für mehr Spaß und Action. Die 25- bis 34-Jährigen, die sich gerade ihre eigene Existenz aufbauen und ins Berufsleben starten, haben andere Vorstellungen: Im Vergleich sehen sie am seltensten Anlass für erhöhten Sicherheitsbedarf (68 Prozent)  und setzen häufiger als andere Altersgruppen auf Innovation, Macht und Luxus.

Zuhause: wachsende Bedeutung vor allem  bei den mittleren und den ältesten Jahrgängen

Anders ist das bei Menschen zwischen 35 und 49 Jahren. Sie erwarten besonders häufig einen Bedeutungszuwachs des eigenen Zuhauses. Dort findet man schließlich den nötigen Ausgleich zu den täglichen Herausforderungen und kann sich ihnen anschließend mit neuem Mut stellen: Optimismus ist nämlich ebenfalls ein Wert, der in den Augen dieser Gruppe wichtiger wird. Dagegen gehen die 50- bis 64-Jährigen eher davon aus, künftig öfter auf das ein oder andere verzichten und sich dem Wettbewerb stellen zu müssen. Vielleicht, weil sie sich im Berufsleben stärker gegen die jüngere Konkurrenz durchsetzen müssen oder öfter den (unfreiwilligen) Vor-Ruhestand vor Augen haben? Zumindest ist auch Verantwortung ein Wert, der ihrer Meinung nach wichtiger wird. Wie bei den mittleren Jahrgängen spielt auch bei den über 65-Jährigen vor allem das Zuhause eine besondere Rolle. Mehr als jeder Zweite sieht dafür steigende Relevanz. Vermutlich spiegelt sich hierin unter anderem die spezielle Situation älterer Menschen wider, die sich wünschen im Alter möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen zu können.

Was auch immer die Besonderheiten der verschiedenen Lebensabschnitte sein mögen - in einem Punkt sind sich alle Altersgruppen derzeit unzweifelhaft einig: Sicherheit ist das Top-Thema – und steht von den Jüngsten bis zu den Ältesten unangefochten auf Platz 1 der deutschen Werte-Agenda für 2016.


Datenquelle: GfK Verein, Studie „Wertewandel 2015/2016“ (Dezember 2015)

Rückfragen bitte an Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org).


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