Steigende Temperaturen, steigende Preise

April 2011

Ostern steht vor der Tür, die Temperaturen klettern nach oben und so manchen Verbraucher treibt es nach dem langen Winter zum Shoppen in die Innenstädte. Doch die Freude am Geldausgeben könnte ein wenig getrübt werden. Denn ebenso wie das Quecksilber steigen derzeit auch die Verbraucherpreise.

So lag der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts im März um 2,1 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Schneller waren die Preise für Konsumgüter zuletzt im Oktober 2008 mit 2,4 Prozent gestiegen. Treiber Nummer eins waren dabei zum wiederholten Mal die Energiekosten, die innerhalb eines Jahres um 10,5 Prozent in die Höhe schnellten. Für leichtes Heizöl mussten die Verbraucher gut 30 Prozent mehr bezahlen, für Benzin und Diesel gut 11 Prozent mehr. Strom verteuerte sich um 7,6 Prozent, während die Anbieter von Erdgas 3,6 Prozent mehr verlangten. In vielen Branchen, so berichtete die Tageszeitung „Die Welt“ kurz nach Veröffentlichung der aktuellen Zahlen, fresse die Inflation sogar den Lohnanstieg auf. Bei den Nahrungsmitteln hielt sich der Preisanstieg mit 2,2 Prozent insgesamt in Grenzen. Einzelne Lebensmittelkäufe wie Butter mit 28 Prozent oder Obst mit knapp 10 Prozent Preissteigerung dürften allerdings schon einen spürbaren Eindruck im Geldbeutel der Verbraucher hinterlassen.

Höhere Nachfrage, teurere Rohstoffe

Den Menschen in Deutschland blieben die Preisanstiege tatsächlich nicht verborgen. Ihre Preiseinschätzung kletterte im März auf 0,2 Punkte und lag damit um 4,3 Zähler höher als noch im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Indikator sogar um mehr als 35 Punkte an. Dies zeigen aktuelle Zahlen der GfK Marktforschung (GfK-Konsumklima MAXX). Die Systematik der Teuerungsspirale: Die Wirtschaftskrise ist überwunden, die Verbraucher haben wieder mehr Geld in der Tasche und treiben nicht zuletzt durch ihre erhöhte Nachfrage die Preise nach oben. Darüber hinaus dürften insbesondere teurere Rohstoffe oder aktuelle Ereignisse wie der Dioxin-Skandal, der viele Menschen weg vom Discounter hin zum Bioladen getrieben hat, dazu geführt haben, dass beim Einkaufen tiefer in die Tasche gegriffen werden musste.

Ein Ende dieses Trends ist nach Meinung vieler Verbraucher nicht abzusehen. Ihre Preiserwartung für die Zukunft kennt derzeit nur eine Richtung: nach oben. So lag der Indikator im März dieses Jahres um fast 7 Punkte über dem Vormonats-Wert. Verglichen mit März 2010 stieg die Preiserwartung sogar um 30 Zähler an. Vermutlich liegen die Deutschen mit ihrem Gefühl dafür, dass das Leben auch in den nächsten Monaten teurer wird, nicht ganz falsch. Denn die Rohstoffpreise für zahlreiche Produkte sind durch steigende Nachfrage und höhere Transportkosten deutlich unter Druck geraten (Quelle: Consumer Index).

Die Sorge vor steigenden Preisen treibt die Menschen je nach Herkunft und Alter unterschiedlich stark um. Vor allem Menschen im Osten Deutschlands fürchten, dass das Ende der Fahnenstange bei den Verbraucherpreisen noch nicht erreicht ist. So glauben etwa zwei Drittel der Ostdeutschen, dass die Preissteigerung in gleichem Maße andauern oder sich sogar noch verschärfen könnte. Weitere 11 Prozent der Menschen in den neuen Bundesländern hoffen auf etwas abgeschwächte Steigerungsraten, so dass in der Summe fast 80 Prozent der Ostdeutschen von zukünftig weiter steigenden Preisen ausgehen. In Westdeutschland sind es im Vergleich dazu merklich weniger, nämlich nur 65 Prozent. Die Altersunterschiede bei der Einschätzung sind recht gering, soweit man Menschen ab 30 Jahren betrachtet. Ob Rentner oder Berufstätige, eher einfache oder gehobene Lebenslage spielt dabei keine Rolle. Einzig der sprichwörtliche jugendliche Optimismus springt ins Auge. Bei den jungen Deutschen unter 30 – und hier wiederum insbesondere bei Jugendlichen und Studenten – herrscht Zuversicht. Knapp ein Drittel geht davon aus, dass das Leben in Zukunft etwa gleich teuer bleibt oder sogar günstiger wird, während dieser Wert bei Konsumenten über 30 Jahren lediglich um die 20 Prozent liegt. Unterm Strich rechnet die Mehrheit der deutschen Bevölkerung also mit deutlich steigenden Belastungen für ihre Geldbeutel.

Hersteller locken mit Angeboten

Wer jetzt trotzdem sein Geld zusammenhalten will, der kann dies tun – sofern er sich auf Schnäppchen-Jagd macht. Denn Hersteller und Handel haben ihre Preispromotions, also kurzzeitige Preissenkungen bei einzelnen Produkten, weiter intensiviert. So trugen Angebotsaktionen bei den schnelllebigen täglichen Konsumgütern (ohne Frische) Anfang des Jahres ein Fünftel zum Umsatz bei. Betrachtet man nur die Herstellermarken so betrug der Umsatzanteil der Preispromotions sogar ein Viertel (Quelle: Consumer Index). Die Lebensmittelhändler versuchen angesichts der steigenden Preise offenbar verstärkt, die Kunden mit Rabatten in ihre Läden zu locken.

Die Osternester können also auch in diesem Jahr gefüllt werden, ohne dass die Familienkasse zu stark belastet wird. Denn Süßigkeiten sind im Jahresvergleich sogar etwas günstiger geworden (Quelle: Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes Verbraucherpreise März 2011 vom 12.04.2011). Und wer seine Suche noch vor Ostern begonnen hat, hat gute Chancen auf das eine oder andere Geschenke-Schnäppchen.


Datenquellen: Verbraucherpreisindex in Deutschland (Statistisches Bundesamt, März 2011), GfK-Konsumklima MAXX (GfK Marktforschung, März 2011), GfK Consumer Scan Haushaltspanel (GfK Panel Services, März 2011),

Rückfragen zu diesem Artikel bitte an Rolf Bürkl, Email: rolf.buerkl@gfk.com oder Claudia Gaspar, Email:claudia.gaspar@gfk-verein.org.