Verantwortung beginnt im Betrieb

Oktober 2009

Wer heute an der Spitze eines Unternehmens steht, kommt an einem Thema kaum vorbei: Corporate Social Responsibility. Immer mehr Firmen werben mit „CSR“, dem verantwortlichen unternehmerischen Handeln. Da gibt es die Molkerei , die Gesundheitszentren in Afrika fördert, die Brauerei, die heimische Sportvereine unterstützt oder das Ingenieurbüro, das den Nachwuchs der Mitarbeiter in den firmeneigenen Waldkindergarten schickt. Das kommt auf jeden Fall den Begünstigten zugute. Doch nützt es auch dem Image der Firmen? Wie beurteilen die Menschen in Deutschland solche Aktionen? Und wer sollte im Fokus der „Betriebs-Fürsorge“ stehen?

Die Antwort ist eindeutig: Die Menschen finden es gut, wenn Unternehmen verantwortlich handeln. Dies ist ein Ergebnis einer Studie des GfK Vereins. Fast alle der gut 2.000 Befragten befürworten es, wenn sich Betriebe fair gegenüber Mitarbeitern, künftigen Generationen und Zulieferern verhalten oder sich für soziale Projekte engagieren. Doch mit Abstand am stärksten im Fokus unternehmerischer Verantwortung sollen die Mitarbeiter selbst stehen. Drei Viertel der Befragten halten die Sorge für die Belegschaft für den zentralen Punkt im CSR-Konzept von Unternehmen. Sie finden es am wichtigsten, dass Betriebe angemessene Löhne zahlen, die Aus- und Weiterbildung fördern oder sich für die Gleichstellung der Geschlechter einsetzen.

Doch auch andere Aspekte unternehmerischer Verantwortung stoßen auf breite Zustimmung in der Bevölkerung. Die Sorge um zukünftige Generationen halten 91 Prozent der Befragten für gut, Verantwortung gegenüber den Zulieferern aus aller Welt loben fast ebenso viele. Auch Engagement in der Region findet kaum einer der Befragten überflüssig, im Gegenteil: Jeweils rund 85 Prozent der Bürger wünschen sich, dass Firmen stärker regionale Produkte oder Dienstleistungen bevorzugen und mehr für soziale Projekte in der Region tun. Aber nicht nur hierzulande soll Menschen in Not geholfen werden: Gut 80 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Unternehmen sich weltweit für Katastrophen- und humanitäre Hilfe einsetzen sollen.

Etwas weniger breit fällt die Zustimmung aus, wenn es um den Einsatz für die Allgemeinheit geht. Die Förderung von Kultur, Wissenschaft und Denkmalpflege schätzt zwar mehr als die Hälfte der Befragten, doch immerhin 23 Prozent finden diese Art des Engagements überflüssig. Abgeschlagen auf den letzten Plätzen im fiktiven Förderprogramm stehen Anteilseigner und Profisportler. Ihnen trauen die Befragten wohl am ehesten zu, allein und ohne zusätzliche Unterstützung über die Runden zu kommen.

CSR-Aktionen: Befragte setzen eindeutige Prioriäten

Fragt man die Deutschen danach, welche CSR-Aktivitäten oberste Priorität haben sollten, so schaffen es die regionalen Zulieferer mit 24 Prozent der Nennungen auf Platz zwei. Dicht darauf folgt mit 19 Prozent die Sorge um nachfolgende Generationen, der Unternehmen vor allem mit umwelt- und klimafreundlicher Produktion gerecht werden können. Damit gleichauf liegt die Verantwortung für Zulieferer aus der ganzen Welt mit ebenfalls 19 Prozent.

Regional oder global: Jobsicherheit entscheidet

Wer oder was nach den Mitarbeitern besonders gefördert werden sollte, ist mit Blick auf die künftige Finanzlage der Befragten durchaus unterschiedlich. Wer um den Job des Hauptverdieners bangt, legt mehr Wert darauf, dass Firmen sich auf regionale Zulieferer konzentrieren – wohl auch, um auf diese Weise Arbeitsplätze vor Ort zu sichern. Lieferanten aus der ganzen Welt möchten vor allem jene unterstützt sehen, die sich der Arbeitsstelle des Hauptverdieners sicher sind. In dieser Gruppe finden sich auch mehr Befragte, die den Anteilseignern von Firmen ein Stück vom Kuchen zukommen lassen möchten. Immerhin 40 Prozent finden unternehmerische Verantwortung gegenüber Aktionären oder anderen Unternehmens-beteiligten gut; in der Gruppe derer, die sich Sorgen um den Job machen, liegt dieser Wert bei 33 Prozent.

Beim Einsatz für die Mitarbeiter treffen sich Sorglose und Besorgte wieder. Die Belegschaft steht an erster Stelle, auch wenn Menschen diesen Punkt noch wichtiger finden, wenn sie selbst ihr künftiges Einkommen bedroht sehen.

Ost und West: Sorge um die Mitarbeiter auf Platz eins

Auch die Herkunft der Befragten spielt in manchen Fragen zum CSR-Konzept eine Rolle. Einig ist man sich in Ost und West, dass die Mitarbeiter ganz oben auf der Liste stehen. Aber bei der Frage, wer danach kommt, zeigen sich auch hier Unterschiede. Zwar fordern West- wie Ostdeutsche Fairness gegenüber den Zulieferern, doch im Osten der Republik liegt der Schwerpunkt stärker auf der Region. Den Einsatz für Lieferanten aus dem Umfeld der Unternehmen befürworten knapp 90 Prozent der Befragten von Thüringen bis Mecklenburg-Vorpommern. Jeder Zehnte findet dies sogar am wichtigsten, im Westen sind es nur knapp 5 Prozent. Damit rangieren regionale Zulieferer im Osten in punkto Wichtigkeit gleich hinter den Mitarbeitern. Im Westen hingegen wissen die Menschen das Engagement für Zulieferer aus der ganzen Welt mehr zu schätzen und setzen diesen Aspekt im Ranking auf den Platz zwei.

Das Thema Sponsoring von Denkmalpflege, Kultur oder Wissenschaften ist bundesweit nicht auf den ersten Rängen. Doch immerhin finden knapp 60 Prozent aller Befragten solche Projekte gut. Firmen, denen Kunst, Kultur oder Wissenschaft am Herzen liegen, liegen vor allem im Osten nicht falsch – hier honorieren zwei Drittel der Befragten entsprechende Aktionen, im Westen dagegen nur gut die Hälfte. Insgesamt aber gilt: Andere Themen sind bundesweit betrachtet wichtiger.

Vom richtigen Methoden-Mix

Doch was bedeutet all das für die Unternehmen, die auf der Suche sind nach dem richtigen Mix aus guten und zugleich für alle Seiten lukrativen Taten? Die Antwort dürfte je nach Produkt, Produktionsort und Zielgruppe unterschiedlich ausfallen. Doch für alle gilt: Wer sich zuerst um die eigenen Mitarbeiter kümmert, liegt kaum falsch. Nicht nur, weil er dann die Mehrheit der Menschen in Deutschland auf seiner Seite weiß. Sondern auch, weil er seine Belegschaft mit guten Arbeitsbedingungen und fairer Bezahlung in die Lage versetzt, den Kopf frei zu haben für alles, was sich ansonsten hinter „CSR“ verbirgt.


Datenquellen: GfK Verein (Omnibusumfrage August/September 2009)
Rückfragen bitte an Claudia Gaspar: claudia.gaspar@gfk-verein.org