Was Autofahrer umtreibt

April 2015

Es kann Statussymbol sein oder Mittel zum Zweck, Büro auf vier Rädern oder Familienkutsche – das Auto erfüllt so manche Funktion für uns Menschen und ist weltweit trotz schwankender Märkte immer noch ein Renner. Mehr als 70 Millionen Neuzulassungen gab es global gesehen allein im vergangenen Jahr, Tendenz: steigend. Doch so groß die Freude am Fahren mitunter sein mag, wer hinter dem Steuer sitzt, den plagt auch die eine oder andere Sorge. Im internationalen Vergleich hegen die Autofahrer ganz unterschiedliche Bedenken. Zumindest zahlenmäßig sind die Brasilianer Sorgen-Weltmeister: Sie liegen in der Bewertung einzelner Aspekte am häufigsten vorn.

Vor allem Sicherheitsthemen geben den Menschen in Brasilien zu denken: Gefährliches oder aggressives Fahrverhalten nennt jeder dritte Autofahrer als Sorge, Autodiebstähle sogar jeder zweite. Und auch wenn das Auto gar nicht bewegt wird, droht in den Augen der Brasilianer Gefahr: Jeder Vierte sorgt sich darum, dass sein Wagen am Straßenrand durch andere Fahrzeuge oder Menschen beschädigt werden könnte. In anderen Ländern, beispielsweise Deutschland oder den USA, sieht man diese Themen deutlich entspannter. Dies zeigen aktuelle Ergebnisse der GfK Connected Car Studie, für die im November 2014 insgesamt 5.844 Menschen in Deutschland, Brasilien, Russland, China, UK und den USA neben anderen Themen nach ihren Sorgen beim Autofahren gefragt wurden.

Sicherheitsfragen: US-Bürger fürchten Pannen, Russen Unfälle

Während sich über alle Länder hinweg fast jeder Dritte angesichts aggressiven Fahrens anderer um seine Sicherheit sorgt, ist dies in Russland nur für 22 Prozent der Befragten ein Thema; die Gefahr eines Autodiebstahls beunruhigt vor allem die Deutschen relativ wenig: Nur 16 Prozent der Befragten nennen diese Sorge, in Brasilien sind es mit 48 Prozent drei Mal so viele. Damit fällt die maximale Differenz zwischen den Länderwerten in dieser Frage mit 32 Punkten am größten aus. Vor Schäden am geparkten Auto fürchten sich die US-Amerikaner mit 14 Prozent am wenigsten. Sie sehen eher Probleme, wenn sie im Auto unterwegs sind – nämlich in Form von Pannen, die 38 Prozent der Amerikaner und damit mehr Menschen als anderswo Kopfschmerzen bereiten. Hier wiederum zeigen sich die Brasilianer relaxed – nur 15 Prozent nennen Autopannen als Herausforderung. Vermutlich, weil es schließlich schlimmeres gibt als einen geplatzten Reifen oder eine leere Batterie. In einen Unfall verwickelt zu sein, bei dem womöglich Menschen verletzt werden, fürchten vor allem die russischen Autofahrer: Jeder zweite Befragte macht sich angesichts der vielen Unfallopfer, die Jahr für Jahr zu verzeichnen sind, diesbezüglich Sorgen.  

 

Kosten fürs Auto: Deutsche sorgen sich um Benzinpreise

Der Stopp an der Zapfsäule gehört bekanntermaßen eher nicht zu den Highlights des Autofahrer-Daseins. Doch in den letzten Monaten hatten zumindest die Bundesbürger Grund zur Freude – die Benzinpreise gingen spürbar zurück. Was sich im Portemonnaie bemerkbar machen dürfte, ist in den Köpfen der Deutschen offenbar noch nicht ganz angekommen. Denn immerhin 43 Prozent sorgen sich trotz sinkender Preise um die Kosten für Benzin, Öl und Kraftstoffe; im Auto-Boomland China tun dies mit 27 Prozent die wenigsten Befragten. Den US-Bürgern schlagen neben den Benzinkosten auch die Gedanken an Wartungs- und Reparaturkosten aufs Gemüt: 38 Prozent nennen diese Sorge. Im Süden des amerikanischen Kontinents bleibt man diesbezüglich am gelassensten: Nur jeder vierte Brasilianer setzt Instandhaltungs- und Reparaturkosten auf seine Sorgenliste.

Doch selbst wer von teuren Reparaturen verschont bleibt, muss für den eigenen PKW ein gewisses Budget einplanen. Die Kosten für die KfZ-Versicherung sehen vor allem die Menschen in Großbritannien als Herausforderung: 32 Prozent haben angesichts teurer Policen nach eigener Einschätzung Grund zur Sorge. Auch Parkgebühren nennen die Briten am häufigsten, wenn es um besorgniserregende Kosten geht. Gut jeder Fünfte macht sich darüber Gedanken. Zum Vergleich: In China beschäftigt der Preis fürs Parken nicht einmal jeden siebten Autofahrer.

 

Infrastruktur: Herausforderung für China und Russland

So gelassen die chinesischen Befragten beim Thema Kosten sind, so beunruhigt zeigen sie sich in puncto Infrastruktur und Bedingungen im Straßenverkehr. Im Reich der Mitte bringt die lästige Suche nach einem Parkplatz jeden vierten Befragten aus der Balance, jeden Fünften beschäftigt die mitunter schwierige Straßenführung. Im Nachbarland Russland – wie China eine aufstrebende Autonation – teilt man zumindest die Sorge bezüglich der Parkplatznot: 24 Prozent der russischen Fahrer drückt hier der Schuh. Die größere Herausforderung sehen sie allerdings auf der Straße. Im Stau festzuhängen ist für 42 Prozent der Russen ein Thema fürs Sorgenranking. Offenbar konnten die Straßenplaner mit dem rasant wachsenden Verkehrsaufkommen im Land nicht ganz mithalten, was 2012 für einen fast 200 Kilometer langen Superstau zwischen Moskau und St. Petersburg sorgte.

Ein schwacher Trost: Immerhin müssen sich die stillstandgeplagten Russen offenbar weniger Gedanken um Blitzer oder Tempolimits machen. Diese sind vor allem hierzulande für viele Befragte ein Ärgernis. 17 Prozent der Deutschen machen sich beim Gedanken an Radarfallen oder Tempobeschränkungen Sorgen. Am wenigsten Schwierigkeiten haben die US-Amerikaner mit den Bedingungen im Straßenverkehr: Egal, ob Parkplatzsuche, Staus oder immer komplexere Straßenführungen – amerikanische Autofahrer treiben diese Themen am seltensten um.

Anforderungen an den Fahrer: Amerikaner fühlen sich nachts unsicher

Neben den Themen Sicherheit, Kosten und Infrastruktur können mitunter auch die Anforderungen an den Fahrer und dessen Fähigkeiten den Menschen Sorgen bereiten. Nachts zu Fahren sehen amerikanische Befragte mit 23 Prozent am häufigsten als Herausforderung, die Bundesbürger dagegen mit 13 Prozent am seltensten. Die Briten kommen beim Fahren im Stadtgebiet am seltensten ins Schwitzen (4 Prozent), ganz im Gegensatz zu den Deutschen. Ihnen macht das Fahren im Stadtgebiet am meisten zu schaffen (14 Prozent). Und das, obwohl sich die Bundesbürger offenbar für besonders gute Fahrer halten. Mit mangelndem Vertrauen in die eigenen Fahrkünste haben sie am seltensten zu kämpfen (4 Prozent). Doch auch in den anderen untersuchten Ländern sorgt man sich diesbezüglich kaum. Die Differenz zwischen den Länderwerten ist hier am geringsten und liegt gerade einmal bei fünf Punkten.

 

Wohlbefinden im Auto: Fehlender Komfort beschäftigt Brasilianer

Sitze mit Massagefunktion oder gleich eine Liegefläche im Fond, Flachbildschirme und High-Tech-Kommunikationssysteme – das sind nur einige Punkte auf der Ausstattungsliste von Luxus-Autos wie Maybach und Co. Von so viel Komfort können die meisten von uns wohl nur träumen. Aber ein bisschen bequemer könnte es beim Fahren schon sein – finden vor allem die Brasilianer. Sie sehen unbequeme Sitze und Lendenstützen (18 Prozent), aber auch störende Motor- und Lüftungsgeräusche (11 Prozent) am häufigsten als Herausforderung beim Fahren. In China schlägt den Menschen dagegen vor allem die Reisekrankheit auf den Magen (13 Prozent). Dort, aber auch in Russland, Großbritannien und den USA beschäftigen sich die Fahrer insgesamt jedoch am wenigsten mit Themen rund ums Wohlbefinden im Auto. 

Wer sich hinters Steuer setzt, den erwartet also nicht immer ungetrübter Fahrspaß, egal, ob er in Europa, den USA, Russland oder Südamerika unterwegs ist. Abzuwarten bleibt, wie sich die Sorgen künftig entwickeln, wenn es auf den Straßen noch enger wird. Vielleicht lassen sich zumindest einige der drängendsten Herausforderungen für die Fahrer, beispielsweise beim Thema Sicherheit, durch bessere Straßenführungen, Verkehrskontrollen oder Alkoholverbote am Steuer reduzieren - Oder aber durch neue Automobilkonzepte, die ebenfalls Thema der Studie „Connected Car“ sind. (Kurzbericht zum kostenlosen Download bzw. Bestellmöglichkeit für die Langversion bei der GfK Automobilforschung)

Dazu ein Kommentar von Frank Haertl, Global Lead Automotive der GfK:

"Die Automobilindustrie ist gefordert, zukünftig Wege zu finden, die das Autofahren sicherer und angenehmer gestalten. Wichtig ist hierbei den lokalen Gegebenheiten und Bedürfnissen der Verbraucher Rechnung zu tragen. Viele Technologien zur Steigerung der Unfallsicherheit existieren bereits, sind aktuell aber auf Premiumprodukte oder Top-Modellreihen limitiert.

Die Automobilindustrie steht aber auch in einem starken Verdrängungswettbewerb und damit unter massivem Kosten- und Innovationsdruck. Die bedarfsgerechten und sicherheitsrelevanten Innovationen sollten zeitnah Einzug in alle Fahrzeuge finden, um dem Verbraucher Sorgen und Nöte zu nehmen.

Aber ohne ein Zusammenspiel von Autoindustrie und Zulieferern, sowie Regierungen und Kommunen wird es mittelfristig keine signifikanten Verbesserungen zum Thema Infrastruktur, sowie Sicherheit in den Ballungszentren dieser Welt geben."


Datenquelle: GfK Automotive, Connected Cars Study 2014 (Kurzbericht zum kostenlosen Download bzw. Bestellmöglichkeit für die Langversion bei der GfK Automobilforschung; diese enthält detaillierte Marktanalysen und markenspezifische Einblicke. Für weitere Informationen, kontaktieren Sie uns bitte.)

Rückfragen bitte an Frank Haertl (frank.haertl@gfk.com)  oder Claudia Gaspar (claudia.gaspar@gfk-verein.org).


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