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Raimund Wildner im Gespräch


 

RAIMUND WILDNER IM GESPRÄCH

Herr Wildner, Sie sind 34 Jahre bei der GfK, das ist eine sehr lange Zeit. Wie sind Sie zur GfK gekommen? Was oder wer hat damals Ihr Interesse geweckt?

Raimund Wildner: Nun, ich war vorher Assistent an einem Statistiklehrstuhl und da fragt man sich natürlich, wo es Firmen gibt, die viel mit Daten umgehen und die vielleicht einen Statistiker gebrauchen können. Und Marktforschung, die ja sehr vielseitig ist, die mit Psychologie, mit Wirtschaft und eben auch mit Daten und Statistik zu tun hat, das fand ich schon damals spannend. Und so habe ich mich einfach bei der GfK beworben.

Was war Ihr erster Job bei der GfK? Hätten Sie damals geglaubt, dass Sie so lange bleiben werden?

Raimund Wildner: Wie gesagt, ich habe mich ja als Statistiker beworben. Was mich damals doch sehr überrascht hat, das war, dass man mir beim Vorstellungsgespräch gesagt hat: „Wir brauchen keine Statistiker. Wir machen Tabellen.“ Und so hatte mein erster Job bei der GfK wenig mit Statistik zu tun, sondern ich war Assistent für Controlling der damaligen Geschäftsführer Klaus Hehl und Bernhard Jackel. Nach einem halben Jahr wechselte ich aber in den Bereich „Neue Projekte“ zu Heinrich Litzenroth und wir begannen unter seiner Führung damit, den BehaviorScan-Testmarkt in Haßloch aufzubauen. Das war dann richtig spannend, weil ich viel zu den Themen Handel, Verbraucher, Medien, Kommunikation und auch Kunden gelernt habe.

In 34 Jahren erlebt man viele Situationen, Menschen und Projekte. Was war Ihre schönste Erfahrung? Der größte Meilenstein? Ihr schönster Moment?

Raimund Wildner: Wir hatten zu Beginn in Haßloch große Qualitätsprobleme. Die Daten kamen viel zu spät und hatten viel zu viele Fehler. Ich habe dann wochenlang daran gearbeitet, die Verzögerungen und die Fehler einen nach dem anderen auszumerzen. Als dann nach vielleicht zwölf Wochen harter Arbeit zum ersten Mal der Bericht bereits nach drei Wochen statt früher nach sechs Wochen und ohne Fehler erschien, das war schon ein Hochgefühl. Toll war natürlich auch noch später, als ich Marktforschungspersönlichkeit des Jahres 2007 wurde. Das war total überraschend, erst während der Laudatio dämmerte mir so langsam: Oh, die meinen ja mich!

Was war Ihr schlechtester? Die schwierigste Zeit?

Raimund  Wildner:  Die schwierigste  Zeit  war wohl 2008/2009, als die Fusion mit TNS fast schon durch war und ich die Überzeugung gewann: So, wie das geplant war, geht das schief. Die Fusion wurde dann ja wegen des Kaufs von TNS durch WPP abgeblasen und auch in der GfK hat sich dann die Überzeugung durchgesetzt, dass die Fusion nicht der richtige Weg gewesen wäre.

Gab es auch Momente, wo Sie daran gedacht haben, beruflich etwas Anderes zu machen?

Raimund Wildner: Ja, ich habe mich zweimal nach außen beworben. Einmal war ich in der GfK auf zweiter Ebene in einer Abteilung, in der sich die beiden Chefs heftig stritten. Ich dachte zuerst, ich kann die Abteilung da heraushalten, musste aber bald feststellen, dass das nicht geht und da wollte ich dann nicht mehr dabei sein. Und das zweite Mal lockte mich eine Professorenstelle an der Fachhochschule. Beide Male hat mich der damalige Vorstand Klaus Hehl davon abgehalten zu gehen und ich bin ihm heute noch dankbar dafür.

In den vielen Jahren Ihrer Arbeit bei der GfK haben Sie viele Veränderungen erlebt und mitgestaltet. War früher alles besser oder wie haben Sie die Veränderungen der GfK und des gesamten Themas Marktforschung erlebt? 

Raimund Wildner: Als ich angefangen habe, gab es ohne den Außendienst etwa 400 GfKler, die machten etwa 100 Mio. DM Umsatz und waren zu 80 % in Deutschland tätig. Ob ich Englisch kann, das hat mich bei der Einstellung niemand gefragt, dafür gab es eine Auslandsabteilung. Das Ganze war überschaubarer, persönlicher auch, aber natürlich auch viel provinzieller.

Was sich sehr rasant entwickelt hat, das war die gesamte IT. 1985 bekam ich den PC Nr. 8 in der GfK. Der hatte 640 KB Hauptspeicher und eine 10 MB Platte, was damals Vollausstattung war und 18.000 DM gekostet hat. Datentransfer funktionierte per Postversand von Disketten. Charts wurden von Hand mit Schablonen geklebt und beschrieben, dafür gab es eine eigene Abteilung. Da ist vieles leichter geworden, aber das Tempo hat dafür auch enorm zugenommen. Insgesamt war das damals nicht besser oder schlechter, es war aber anders als heute.

Sie waren in vielen Verbänden aktiv und erhielten für Ihre Arbeit eine Reihe von Auszeichnungen, unter anderem wählte der BVM Sie zur Marktforschungspersönlichkeit des Jahres. Ihre Arbeit war sehr vielfältig – doch was hat Ihnen dabei immer am meisten Spaß gemacht? 

Raimund Wildner: Am meisten Spaß gemacht hat mir immer zusammen Kolleginnen und Kollegen neue Dinge zu entwickeln oder neue Fragestellungen zu untersuchen. Dazu gehören z. B. die Kronberg-Tagungen, die ich seit 1995 jedes Jahr mit vorbereitet habe, aber auch das Projekt mit der Fernsehforschung und Seven One Media, wo wir die Langfristeffekte von Werbung untersucht haben. Solche Dinge machen mir Freude und die sind leider weniger geworden. Aber das ist eben der Preis des beruflichen Aufstiegs.

Eine Zeit lang hatten Sie sogar Mehrfachfunktionen bei der GfK inne, waren Leiter der Methodenforschung, Datenschutzbeauftragter der GfK AG und Geschäftsführer des GfK Vereins gleichzeitig. Das erfordert viel Energie. Was machen Sie in Ihrer Freizeit, um sich zu erholen?

Raimund Wildner: Nun, viel Zeit blieb da in der Tat oft nicht mehr. Aber die Zeit, die blieb, die habe ich immer gerne mit meiner Frau und meinen drei Kindern verbracht. Oft sind wir wandern gegangen, sind geradelt oder zum Schwimmen. Jetzt sind die Kinder aus dem Haus, aber wir treffen uns regelmäßig und seit zwei Jahren ist auch ein Enkel da, was ich richtig klasse finde. Gerne lese ich auch, aktuelle Presse oder Sachbücher, weniger Romane. Ich kann mich jedenfalls nicht mehr erinnern, wann mir zuletzt langweilig war.

Sie haben das Amt des Geschäftsführers passioniert ausgefüllt. Was war Ihnen als Vorgesetzten gegenüber ihren Mitarbeitern immer besonders wichtig?

Raimund Wildner: Als Chef soll man versuchen, eine Atmosphäre zu schaffen, wo die Arbeit Spaß macht. Da gehört Respekt dazu, dass sich die Leute weiterentwickeln können und auch, dass ihre Erfolge nach außen sichtbar werden. Das hat auch den Vorteil, dass die Leute mehr und besser arbeiten. Wenn man mit Angst regiert, dann hat man zwar Leute, die nicht widersprechen und bequem sind, man wird aber mit solchen Leuten auch keinen Blumentopf gewinnen. Angst frisst Kreativität.

Mit der Übergabe des Geschäftsführerpostens werden Sie wieder mehr Zeit für andere Dinge haben. Welche Vorhaben, Träume und Pläne haben Sie für Ihre Zukunft? 

Raimund Wildner: Zunächst einmal möchte ich ein wenig Freizeit nachholen und genau das öfter und länger machen, was ich schon immer gerne gemacht habe: Wandern, Rad fahren, Schwimmen, Lesen, auch hin und wieder verreisen. Und später werde ich vielleicht auch ehrenamtlich tätig, aber das wird sich zeigen, das weiß ich jetzt noch nicht.

Und die letzte Frage, die weit zurückgreift: Hat sich Ihr Berufsleben so entwickelt, wie es sich in jungen Jahren gewünscht haben? Was war Ihr Traumberuf als Kind?

Raimund Wildner: Als Kind wollte ich katholischer Pfarrer werden, die haben immer so würdevoll agiert und jeder hat ihnen zugehört. Als mir dann aber die Mädchen zu gut gefallen haben, da wollte ich Journalist werden, habe dann auch schon nebenbei für eine Zeitung geschrieben. Aber die meisten Journalisten, die ich kennengelernt habe, haben mir abgeraten. Deshalb wollte ich dann Berufsschullehrer werden und habe ja auch Wirtschaftspädagogik studiert und abgeschlossen. Dann wurde ich gefragt, ob ich Assistent an einem Statistiklehrstuhl werden möchte. Ich habe mir gedacht, dass ich dann immer noch 30 Jahre Lehrer sein kann. Ja, und nach der Assistentenzeit hatte ich keine Lust auf ein Referendariat und bin zur GfK gegangen. Das hat sich also immer wieder komplett anders entwickelt, als ich mir das vorgestellt habe, aber das ist prima so und ich bereue nichts, vor allem nicht, dass ich zur GfK gegangen bin.